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| 02:32 Uhr

"Die Angler müssen lauter werden"

In ein Anglerparadies verwandelte sich am Sonnabend die Cottbuser Messehalle.
In ein Anglerparadies verwandelte sich am Sonnabend die Cottbuser Messehalle. FOTO: Stephan Meyer/sme1
Cottbus. Die Cottbuser Messehalle wurde am Samstag zu einem Mekka für passionierte Angler. Beim achten Carpmeeting präsentierten über 40 Aussteller ihre Produktneuheiten. Trotz des Eisenhydroxidschlamms in der Spree und anliegenden Gewässern bleiben die Angelerfolge nicht aus. Stephan Meyer / sme1

Zahlreiche Hobbyangler tummelten sich am Samstag beim Carpmeeting in der Cottbuser Messehalle. Die Aussteller boten den Fischfans unter anderem Köder, Zelte, Angeln und DVDs an. Prominente Angler wie Stefan Seuß, Markus Lotz und Carsten Zeck teilten bei Vorträgen ihre Erfahrungen mit den Messegästen. Dass deren Lieblingssport in der Region durch den Eisenhydroxidschlamm in der Spree und den anliegenden Gewässern beeinträchtigt werden könnte, war jedoch für die Wenigsten ein Thema. "Die Anglererfolge sind zumindest nicht schlechter geworden", gibt Vivian Freyer zu. Der Geschäftsführer von VF-Angelsport und Mitglied des Cottbuser Angelvereins Aktiv e.V. begründet das mit der Anpassungsfähigkeit der Natur. "Da fehlt mir aber einfach das biologische Wissen. Der Schlamm sieht jedenfalls nicht gut aus. Das kann keinem guttun. Aber es wird trotzdem Fisch gefangen." Der Angelsport sei nach wie vor eine gefragte Freizeitbeschäftigung in der Region, der längst nicht nur älteren Herren vorbehalten ist. Ein rückläufiger Trend sei durch den Eisenhydroxidschlamm nicht zu bemerken.

Auch Frank Rogge vom Angelcenter R.S.R. Baits in Hörlitz steht der Problematik eher gelassen gegenüber. "Natürlich ist das ärgerlich, tut dem Angeln aber bis jetzt keinen Abbruch." Dennoch hat auch er bemerkt, dass bestimmte Fischarten bereits stark dezimiert sind. Der Eisenhydroxidschlamm sorge für eine Versauerung in Lausitzer Gewässern. Das sich lösende Eisen sei giftig und beeinträchtige die Lebensraumqualität für Pflanzen und Tiere. Für Insektenlarven und andere Kleintiere werde die Gewässer unbewohnbar und somit falle auch die Nahrungsgrundlage für viele Fische weg. André Müller, Inhaber des Cottbuser Ködergeschäfts Hiddenvisitors warnte seine Anglerkollegen bereits vor Jahren vor den Gefahren des Eisenhydroxidschlamms. "Aber ich wurde immer als grüner Hippie abgetan. Langsam werden die Angler jedoch wach." Seiner Ansicht nach mache es den Anschein, dass sich die Lage gebessert hat. "Aber ich denke das ist nur die Ruhe vor dem Sturm." Dass der Angelsport nicht rückläufig ist, kann auch daran liegen, dass Angler nicht selten den Fischen hinterherreisen. "Karpfenangler reisen schon öfter als normale Angler", weiß André Müller aus eigener Erfahrung zu berichten. "Aber sie gehen natürlich auch sehr viel hier angeln."

Ob der zukünftige Ostsee ebenfalls Angler aus ganz Deutschland anziehen wird, ist noch offen. Bei den Lausitzer Anglern ist angesichts des neuen Sees noch keine Euphorie ausgebrochen. Vivian Freyer hat noch nicht mitbekommen, dass der zukünftige Ostsee unter Anglern ein großes Thema ist. "Vom Hörensagen weiß ich jedoch, dass der Angelverband bereits an Grundstücken interessiert ist. Bis jetzt ist es aber eher so, dass die Angelei dort nicht gefördert, sondern eher gebremst wird." Gegenüber dem neuen See hat André Müller gemischte Gefühle. Er hat an der BTU Landnutzung- und Wasserbewirtschaftung studiert und vertritt die Ansicht, dass es problematisch werden kann, wenn die Flutung abgeschlossen und der See sich selbst überlassen wird. Sobald sich der See über das Grundwasser speisen muss, könnte eine Versauerung geschehen. Für die anliegenden Gewässer kann hingegen bereits die Flutung des Ostsees gefährlich werden. "Dann läuft das Wasser aus dem Ostsee in das Grundwasser und das Grundwasser in die anderen Seen." Immer wenn das Wasser sich aus dem See bewegt, würde es durch die Kippen durchlaufen und sauer werden. "Diese Gefahren kann keiner abschätzen. Ich würde mir daher wünschen, dass die Angler da ein bisschen lauter werden."