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Deutsche Sprache als Schlüssel zu einem besseren Leben

Schüler und Lehrer sind zusammengewachsen. Sabine van de Veire ist stolz auf die Leistung ihres syrischen Schülers Eiad Al Jawabra.
Schüler und Lehrer sind zusammengewachsen. Sabine van de Veire ist stolz auf die Leistung ihres syrischen Schülers Eiad Al Jawabra. FOTO: Theiler
Cottbus. Passend zu den Ferien hat auch das Bildungszentrum der Industrie- und Handelskammer Cottbus (Biz) am Dienstag zum ersten Mal Zeugnisse ausgegeben. Die Absolventen stammen aus Syrien, Eritrea, dem Iran und Thailand und erhielten Sprachzertifikate. Jenny Theiler

Seit Mai 2016 haben 67 Flüchtlinge in Cottbus und Spremberg an einem Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) beim Biz teilgenommen, um die deutsche Sprache zu lernen. Mit dem Erreichen der Sprachniveaus A2 und B1 sollen gute Voraussetzungen für eine künftige Ausbildung oder eine Arbeit geschaffen werden.

Aus zwei Sprachkursen erhielten 13 Kursteilnehmer das Sprachzertifikat B1 - 28 erreichten die Vorstufe A2. Insgesamt 26 Sprachschüler werden weitere 300 Stunden unterrichtet, um im nächsten Jahr einen Abschluss zu bekommen.

Auch die Projektleiter und Dozenten des Biz freuten sich über das gelungene Pilotprojekt. Aufgrund des hohen Bedarfes an Deutschkursen wurde vor einem Jahr auch das Biz der IHK zum Träger für Flüchtlingsintegration. Die Aufenthaltsbestätigung durch das Bamf verlangt das Erlernen der deutschen Sprache. Bisher arbeitete die IHK mit Firmen und Unternehmern zusammen, aber nicht mit Flüchtlingen. "Wir hatten keine Erfahrung mit ausländischer Integration. Aber wir konnten unsere Netzwerke nutzen und die Herausforderung annehmen", sagt Projektleiterin Andrea Behrend.

Konkrete Vorgaben zu den Deutschkursen gab es vom Bundesamt nicht. Die Unterrichtsstruktur haben die Dozenten mit den Projektleitern selbst entwickelt. Sabine van de Veire erinnert sich vor allem an die emotionalen Herausforderungen des zurückliegenden Jahres. "Die Gruppen waren sehr unterschiedlich und es gab so viele verschiedene Schicksale", so die Dozentin. Dennoch habe die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern gut funktioniert. "Sie haben nicht nur die Sprache, sondern auch viel über Pünktlichkeit, Respekt und Vertrauen gelernt", freut sich die Deutschdozentin über die Erfolge ihrer Schüler.

Ein junger Syrer bleibt der gebürtigen Belgierin besonders in Erinnerung. Eiad Al Jawabra erhält sein B1-Zertifikat und möchte so schnell wie möglich eine Arbeit im IT-Bereich finden. "Ich habe in der ersten Unterrichtsstunde gesagt, dass ich niemals Deutsch lernen werde", sagt der 29-Jährige. Grammatik und Vokabeln erschienen dem Ökonomieabsolventen am Anfang viel zu schwer. Jetzt möchte Eiad Al Jawabra den B2-Kurs absolvieren, da er weiß, dass dieses Sprachniveau von den meisten Arbeitgebern verlangt wird. Viele arbeitswillige Flüchtlinge verkennen bei allem Ehrgeiz die Bedeutung der Sprache. "Vor allem in den Wirtschaftsberufen wird überall mindestens B2 benötigt", erklärt Biz-Geschäftsführer Dan Hoffmann.

Momentan kann das Bildungszentrum nur B1-Sprachkurse anbieten. Demnächst möchte es auch Träger für B2-Sprachkurse werden. Ein Antrag wurde am Montag beim Bamf gestellt.