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| 22:15 Uhr

Deutsche Bahn in Cottbus
Bahnwerk hält Mitarbeiterzahl bei 400

Seit 1874 wird in Cottbus an Bahntechnik gearbeitet.
Seit 1874 wird in Cottbus an Bahntechnik gearbeitet. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Ein Gerücht macht die Runde: Im Werk Cottbus der DB Fahrzeuginstandhaltung sollen 150 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Doch das stimmt nicht. Tatsächlich soll die Neuausrichtung bis 2020/21 auf Wartung von Hybridloks den Standort stabilisieren. Von Nils Ohl

Fast zeitgleich mit der Schließung des ersten Kraftwerksblocks in Jänschwalde macht eine zweite Nachricht die Runde, die so gar nicht zu dem Ziel passt, parallel zum Ausstieg aus der Kohle einen erfolgreichen Strukturwandel in der Lausitz zu managen: Im Werk Cottbus der DB Fahrzeuginstandhaltung sollen rund 150 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen.

„Diese Information ist ein Fake“, sagt Frank Newiger, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Werkes, mit aller Klarheit.

In der offiziellen Presseinformation der Deutschen Bahn AG liest sich das dann so: „Derzeit sind in dem Werk Cottbus mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt. Die aktuelle Unternehmensplanung geht davon aus, dass auch in den kommenden Jahren mit einem Personalbedarf von mehr als 400 Mitarbeitern am Werkstandort Cottbus gerechnet wird.“

Doch kein Rauch ohne Feuer. Denn Fakt ist, dass immer weniger Dieselloks auf den Schienen unterwegs sind. Elektroantriebe sind nicht nur bei Autos, sondern auch bei Zügen das Thema der Zukunft. Deshalb gibt es im Cottbuser Werk langfristig auch immer weniger Dieselloks zu warten. Die Bahn AG reagiert darauf mit einer Neuausrichtung des Cottbuser Werks.

Wie aus Bahnkreisen zu erfahren war, gab es am Donnerstag aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage eine Zusammenkunft der Führungskräfte des Cottbuser Werkes, in der diese Neuausrichtung noch einmal bekräftigt wurde. Sie umfasst im Kern folgende Punkte:

1. Es wird keine Werksschließung geben und der gegenwärtige Personalbestand soll gehalten werden.

2. Die Neuausrichtung des Werkes auf Diesel- und Hybridloks soll bis 2020/21 abgeschlossen sein.

3. Das Cottbuser Werk bildet mit dem Fokus auf Hybridantrieb einen wichtigen Eckstein im Gesamtkonzept der DB-Instandhaltungswerke.

Was sich hinter diesen drei Punkten verbirgt, erklärt eine Sprecher der Bahn so: „Das Werk in Cottbus soll sich auf Rangierloks der Baureihe 294 konzentrieren.“ Diese Loks können, wahlweise per Diesel oder elektrisch angetrieben, nahezu universell eingesetzt werden. Im Rahmen eines Projektes mit dem kryptischen Namen „HELMS“ wird für Cottbus zunächst mit einem Volumen von 280 Loks dieser Reihe geplant. Dafür ist auch die Investition in eine neue Produktionshalle vorgesehen, über die in der Lausitzer Rundschau schon berichtet wurde.

Mit der Neuausrichtung des Werkes soll eine Verkleinerung der Werksfläche einhergehen, da dies betriebswirtschaftlich und produktionstechnisch sinnvoll sei. Wobei der Bahnsprecher noch einmal extra betont: „Wir wollen auf der reduzierten Fläche die gleiche Mitarbeiterzahl beschäftigen.“

Betriebsrat Newiger geht davon aus, dass im Cottbuser Werk mittelfristig ein Niveau von durchschnittlich 450 000 Leistungsstunden pro Jahr erreicht werden kann. „Das entspricht umgerechnet zirka 470 bis 480 Mitarbeitern.“ Also in etwa dem gegenwärtigen Stand.

Ob es tatsächlich so kommt, ob weniger oder eventuell sogar mehr Arbeit in Cottbus anfällt, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings schlecht prognostizieren.

Im Raum steht zudem die gemeinsame Forderung des Cottbuser Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU) und des Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze (CDU), langfristig den Standort Cottbus bis mindestens 1000 Arbeitsplätze aufzustocken. „Wir haben diese Forderung im September Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bahnvorstand Ronald Pofalla übergeben“, so Schulze. Im Zuge des Strukturwandels sieht er das bundeseigene Unternehmen Bahn in der Pflicht, mehr in der Lausitz zu tun. „In anderen Bahnwerken gibt es Personalnot. Teilweise helfen sogar Mitarbeiter aus Cottbus dort aus.“ Da sei es doch ein machbarer und logischer Schritt, mehr Arbeitsprozesse nach Cottbus zu verlagern.