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| 02:38 Uhr

Deutsch-polnische Moderne

Cottbus. Mit einem Kammerkonzert im Wendischen Haus hat der diesjährige "Cottbuser Musikherbst" seinem Ruf als Festival zeitgenössischer Musik alle Ehre gemacht. Unter dem sinnreichen Titel "Zwei Ufer hat der Fluss" bot das polnische Ensemble "Kwartludium" Stücke polnischer und deutscher Komponisten der jüngeren Generation. Dr. Bernd Reichenbach

Wie der Name erahnen lässt, besteht diese Gruppe aus vier jungen polnischen Musikern, besetzt mit Klavier, Violine, Klarinette und Percussion. Sie alle sind Absolventen verschiedener Musikakademien in Bydgoszcz, Gdansk und Warszawa und fanden sich im Jahr 2003 zusammen.

Ihr Anliegen besteht in der Interpretation neuer zeitgenössischer Werke polnischer und internationaler Komponisten. Aus Cottbuser Sicht sehr erfreulich: zu den deutschen Vertretern gehörte auch Sebastian Elikowski-Winkler, der inzwischen dank mehrerer Stipendien, etwa für Studienaufenthalte in Ros-tow (am Don), in Moskau und Paris, internationale Erfahrungen als Komponist sammeln konnte.

Mit dem Stück "Torpor" des polnischen Komponisten Wojciech Blecharz begann das Konzert laut, und so blieb es. Der Percussionist spielte alle Forte-Stellen wie vorgeschrieben und bald wurde klar, dass der relativ kleine Clubraum im Wendischen Haus sich aus akustischer Sicht nicht für dieses Programm eignet. Im musikalischen Ausdruckscharakter ähnelten sich einige der Stücke.

Durchweg interessant strukturiert, nutzten sie verfremdete Klänge der Bass-Klarinette, meist in extrem hoher Lage gespielt. Dazu präparierte Klaviertöne vom Flügel, unkonventionelle Geigenaktionen und ein viel beschäftigter Percussionist.

Von Arne Sanders, der in Göttingen, Düsseldorf und bei Friedrich Goldmann in Berlin studierte, gab es das rätselhafte "Tubuq" zu hören, drei Einzelstücke mit jeweils recht gegensätzlichem Klangbild. Klare rhythmische Strukturen dagegen waren das auffälligste Merkmal der "Träume Medeas" des 24-jährigen Dariusz Przybilski aus Konin (Polen). Sebastian Elikowski-Winkler hatte sein Stück - inspiriert von einem Gedicht Franz Werfels - stark meditativ angelegt, mit anspruchsvollen Aufgaben für die Violine. Der bei namhaften polnischen und internationalen Komponisten ausgebildete Prasqual wartete in seiner "Furia" mit rasanten, beinahe trommelnden Klavierpassagen auf, vom Pianisten imponierend gemeistert.

Seinen vergnüglichen Abschluss fand das Konzert mit "Camouflage II", komponiert von Paul Friedrich Frick. Das Stück erwies sich als Kaleidoskop mannigfaltiger Musikrichtungen. Anklänge an Dixieland und Swing, an Pop-Musik und Big-Band kamen zu Gehör, auch Stevie Wonder ließ grüßen. Die Musiker hatten das Publikum auf ihrer Seite. Die professionelle homogene Spielkultur und die souveräne Beherrschung der teils ungewöhnlich und vielfältig genutzten Instrumente prägten den nachhaltigen Eindruck. 35. Cottbuser MusikherbstMit einem Klavierabend im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Deutschen Chopin-Gesellschaft, wird der Musikherbst am 29. November, 19.30 Uhr, enden. Bei insgesamt 14 Konzerten in Cottbus, Senftenberg, Peitz, Vetschau, Glashütte, Frankfurt (Oder) und Seidewinkel (Sachsen) wurden 13 neue Werke polnischer, deutscher und sorbischer Komponisten vorgestellt.

Das Abschlusskonzert gestaltet Hiroko Arimoto aus Japan mit Klavierwerken von Joseph Haydn, Franz Schubert, und Fryderyk Chopin.

Karten: Vorverkauf im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, telefonisch unter 0355 49494040 oder über das CMH-Service-Telefon 0172 3542109