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Pläne für Gaskraftwerk
„Desaster für die Lausitz“ – Kohle-Lobbyisten wettern gegen Cottbuser Stadtwerke

Lobbyisten wollen das Umrüsten des Cottbuser Heizkraftwerkes von Kohle auf Gas verhindern.
Lobbyisten wollen das Umrüsten des Cottbuser Heizkraftwerkes von Kohle auf Gas verhindern. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. „Das falsche Signal zum schlechtesten Zeitpunkt“, „katastrophale Auswirkungen auf die Lausitz“ – mit drastischen Worten hat der Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ am Donnerstag gegen die Pläne der Cottbuser Stadtwerke gewettert, die ein neues Gaskraftwerk bauen wollen. Die Stadtverordneten sollen nun Fragen der Lobbyisten stellen.

Die Pläne der Stadtwerke haben im November vergangenen Jahres aufhorchen lassen. Ausgerechnet mitten im Lausitzer Kohle-Revier wollen die Stadtwerke Cottbus den Betrieb ihres Heizkraftwerkes von Kohle auf Gas umstellen. Geschäftsführer Vlatko Knezevic hatte den Wechsel mit der Energiewende begründet und zur Eile gemahnt. Um Fördermitteln nutzen zu können, soll das neue Kraftwerk 2022 laufen. „Die Planung muss im ersten Quartal 2018 beginnen“, betonte Knezevic.

Dies bringt nun die Kohle-Lobbyisten des Vereins „Pro Lausitzer Braunkohle“ auf den Plan. Sie appellieren an die Cottbuser Stadtverordneten, in ihrer nächsten Sitzung Fragen zum Vorhaben der Stadtwerke zu stellen. Die passenden Fragen liefert der Verein gleich mit.

„Mit dem neuerlichen Vorstoß muss sich das Stadtwerke-Management bewusst sein, welchen Bärendienst es der Lausitz erweist“, erklärt Wolfgang Rupieper, Vorstandsvorsitzender Pro Lausitzer Braunkohle, in der am Morgen verschickten Presse-Information. „Das ist Wasser auf die Mühlen der Berliner Ideologen, die einen schnellen Kohleausstieg entgegen jeder energie- und industriepolitischen Vernunft durchsetzen wollen. Die Denkspiele des Cottbuser Stadtwerke-Managements sind ein Desaster für die Lausitz und das falsche Signal zum schlechtesten Zeitpunkt nach Berlin!“

Auch angesichts der „Fehlentscheidung der Cottbuser Stadtverordneten Ende der 1990er-Jahre zum Bau des derzeitigen Kraftwerks“ mahnt der Lobby-Verein zur Gründlichkeit. „Bereits damals wurde entgegen dem Expertenrat in großer Einstimmigkeit falsch entschieden, die Fehlentscheidung kostete die Stadt viele Millionen Euro und trieb die Stadtwerke an den Rand des Ruins. Deshalb besteht bei der aktuellen Entscheidungsfindung eine umso größere Verantwortung gegenüber den Cottbuser Bürgern“, so Rupieper. Es müsse gefragt werden, ob mit dem neuen Konzept für das Blockheizkraftwerk die Vollversorgung der Bürger in Cottbus wirtschaftlich darstellbar sei. Der Verein stellt auch in Frage, ob „eine ausreichende Expertise unabhängig vom Stadtwerke-Management hinzugezogen“ worden sei. „Wurden bei den Verhandlungen tatsächlich alle Möglichkeiten bis hin zum Spitzengespräch zwischen Stadt und Lieferanten ausgeschöpft?“, heißt es im Fragenkatalog weiter.

Den zeitlichen Druck will der Verein gerne aus der Debatte herausnehmen. Sollte die nächste Bundesregierung einen Kohle-Ausstieg beschließen, werde es für die Stadtwerke sicher andere Fördermöglichkeiten geben, so die Argumentation.

(bob)
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