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| 02:34 Uhr

Der Wind und die Quereinsteiger

Der Abiturient Martin Kalix im Gespräch mit Andreas Morgenroth, der vom Wind ganz exakte Zahlen braucht.
Der Abiturient Martin Kalix im Gespräch mit Andreas Morgenroth, der vom Wind ganz exakte Zahlen braucht. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. Es muss unheimlich viel Spaß machen, mit dem Wind zu arbeiten. Diesen Eindruck haben die Mitarbeiter der Unternehmensgruppe UKA an ihrem Cottbuser Standort bei Lehrern, Berufsberatern und Schülern vermittelt. Annett Igel-Allzeit

Andreas Morgenroth träumte davon, mit Filmen für RTL II Geld zu verdienen. Sylvia Böttcher startete zuerst eine Karriere in der Landwirtschaft. Daniel Peters wusste mit elf Lenzen, dass er Geograf werden will, brauchte aber noch das große Scheitern im Eignungstest für ein Dolmetscherstudium. Nicole Nöske trieb nach drei Jahren in einem Berliner Notariat der Familiensinn zurück in die Lausitz. Sabine Ziege kommt wie viele Lausitzer Frauen aus der Textilbranche. Sie alle sind inzwischen ein Team bei der Unternehmensgruppe Umweltgerechte Kraftanlagen (UKA).

Ab Herbst 2011 wurde der Cottbuser Standort UKA Projektentwicklung aufgebaut. Dreimal sind sie inzwischen umgezogen - immer in ein größeres Domizil. Zum Glück hat das jetzige Bürohaus in der Heinrich-Hertz-Straße fünf Etagen, sagt Daniel Peters: "Inzwischen brauchen wir drei Etagen." 85 Mitarbeiter arbeiten am Cottbuser Standort. Mit den Standorten Meißen, Rostock und dem mecklenburgischen Lohmen sind es 350 Mitarbeiter. Seit 16 Jahren entwickelt die UKA Windenergieparks bundesweit.

Auf drei bis fünf Jahre belaufen sich die Planungszeiträume. Und die Menschen davon zu überzeugen, dass Windkraftanlagen im Wald besser sind als ihr Ruf, dafür ist Daniel Peters gerade viel in Brandenburg unterwegs. Dass sie erst einmal auf Windkraft und nur auf Windkraft auf dem Land - nicht auf dem Meer - gesetzt haben, scheint eine richtige Entscheidung gewesen zu sein. Sie ist vor der Biomasse, der Photovoltaik und der Wasserkraft die wichtigste Säule in der Energiewende. Windparks wie in Duben-Süd, in Göllnitz-Lieskau, Möglenz, Uebigau, Lausitz-Kauxdorf und Calau-Schadewitz hat die UKA projektiert und Erfahrungen mit eigenen Umspannwerken und Bürger-Windanlagen gesammelt. Weil für die Projektierung so viele Berufsfelder nötig sind, haben Angela Unger vom Netzwerk Zukunft und Thomas Berlin von der Energieregion Lausitz-Spreewald die UKA in die Tournee aufgenommen. Eine Studienrichtung "Windkraftprojektierung" suchen Interessierte noch vergeblich. In Hannover werde ganz neu ein Windmaster-Abschluss angeboten. UKA fand seine Mitarbeiter bisher über Zeitungsanzeigen und Gespräche auf Messen. "In der Formulierung unserer Suche werden Sie keine Berufsgruppe finden. Wir suchen Mitarbeiter, die wollen", sagt Sabine Ziege. Sie haben Erfahrung mit Raumplanung oder Umweltschutz, sind Förster, Mathematiker, Meteorologen, haben Geografie oder Vermessungswesen studiert. Techniker werden gebraucht, kaufmännische Spezialisten, Juristen, Bürofachangestellte. Vielleicht wird UKA bald internationaler, und exotische Sprachkenntnisse wie Ungarisch, Finnisch oder Ukrainisch werden wichtig.

Die Schüler des Oberstufenzentrums Elbe-Elster in Falkenberg lauschen gespannt. Dominik Benning freut sich, dass auch Informatiker bei UKA eine Chance haben. Patrick Döring (20) hakte neugierig nach, wie UKA in der Akquise Grundstückseigentümer und Pächter überzeugt, dass sie Windkraftanlagen und Leitungen auf ihren Flächen zulassen. "Ich habe schon eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann im Möbelbereich hinter mir, mache jetzt mein Abitur und will danach Wirtschaft studieren", so Patrick Döring. "Mich fasziniert das tolle Team hier, die haben Spaß an ihrer Arbeit, können sich weiterentwickeln", sagte Martin Kalix. Thomas Balzer, der den UKA-Standort in Cottbus mit aufgebaut hat, verspricht den jungen Leuten: "Kein Tag ist wie der andere. Man hat immer wieder neue Probleme."

Zum Thema:
Die Studien- und Berufsorientierungstournee der Energiewirtschaft (Studi-BOT) zeigt jungen Menschen Perspektiven in der Region. Sie richtet sich zuerst an Lehrer, Berufsberater, aber auch an Studenten und Schüler. Gestartet haben die Initiative der Verein Netzwerk Zukunft und die Energieregion Lausitz-Spreewald GmbH. Neben der UKA wurden bereits das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften und der Cottbuser Zentralcampus der BTU besucht. Der Senftenberger Campus soll am 18. Februar besucht werden. Für die TFH Wildau wird nach dem Ausfall im Dezember ein neuer Termin gesucht.