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Der Weltraum – unendliche Weiten?

Feuer an Bord und Torpedos verbraucht: Wenn es auf der Brücke hektisch wird, hilft nur noch die Flucht.
Feuer an Bord und Torpedos verbraucht: Wenn es auf der Brücke hektisch wird, hilft nur noch die Flucht. FOTO: Ubisoft
Cottbus. Gaming-Test der RUNDSCHAU: "Star Trek Bridge Crew" von Ubisoft entführt ein Brückenteam ins All und ist bereits erhältlich für Playstation VR, Oculus Rift und HTC Vive. Michael Siering

In der vergangenen Woche ist der nächste große Vollpreistitel für alle Anhänger der virtuellen Realität erschienen. Entwickler Ubisoft schickt uns als Crew der USS "Aegis" in das Star-Trek-Universum und übergibt uns ganz nebenbei die Kontrolle über das modernste Schiff der gesamten Flotte. Die Möglichkeiten in den unendlichen Weiten des Weltraums sollten mannigfaltig sein, trotzdem stieß die RUNDSCHAU im Test immer wieder an ihre Grenzen.

Eines gleich vorweg. Wer glaubt, in die Rolle der legendären Star-Trek-Helden Mr. Spock oder James T. Kirk schlüpfen zu können, wird enttäuscht werden. Im Spiel übernehmen zufällig generierte Charaktere das Kommando auf der Brücke. Und davon bedarf es ganzer Vier um die USS "Aegis" (oder die klassische "Enterprise", inklusive buntem Knöpfchen-Wirrwarr) durch diverse Kampagnenmissionen oder zufällig generierte Aufträge zu steuern. Neben dem Captain werden die Rollen des Steuermannes, des technischen Offiziers und des taktischen Offiziers durch menschliche Mitspieler besetzt.

Jeder trägt seinen Teil zum Gelingen der Missionen bei und nur im direkten Zusammenspiel mit sehr gut funktionierender Chatkommunikation, können Erfolge verbucht werden. Das Multiplayer-Matchmaking klappt ausgesprochen gut und PC-sowie PS4-Spieler treten sogar plattformübergreifend gemeinsam an. Damit dürften sich immer genügend Mitspieler für eine schnelle Runde finden lassen und dank der regionalen Serverwahl joynen stets gleichsprachige Spieler in der Lobby.

Nach dem fulminanten Intro - noch nie war ich so nah an der "Enterprise" - stehen ein schnelles Spiel mit menschlichen Kameraden, ein Solomodus mit der KI oder der Trainingsteil zur Auswahl. Die perfekte deutsche Lokalisierung sorgt dafür, dass wir uns nach dem Training der einzelnen Rollen schnell auf der Brücke zurechtfinden. In den Missionen selbst sitzen wir starr an unseren Pulten und drücken zu den Kommandos des Captains die entsprechenden Knöpfe, etwa um zu warpen, zu beamen oder zu scannen. Jedem Teammitglied kommt dabei eine andere Aufgabe zu. Die Missionen selbst beschränken sich auf das Retten und Erforschen diverser Systeme und Raumfrachter. Abwechslung bringen hierbei nur die Gefechte gegen die Klingonen, leider derzeit die einzige andere Spezies im Spiel.

Trotzdem macht das Spiel eine Menge Spaß, vorausgesetzt man scheut nicht die direkte Kommunikation mit den Mitspielern. Aus dem Zusammenspiel der vier Crewmitglieder ergeben sich die unmöglichsten Situationen, in etwa wenn der Steuermann aus Versehen das Schiff gegen einen Asteroiden lenkt und auf der Brücke ein Feuer ausbricht, die dank der Reparaturfunktion vom technischen Offizier wieder auf Vordermann gebracht werden kann.

Leider fließt in dieser Zeit kaum Energie in die Schutzschilde und einem auftauchenden Bird of Prey der Klingonen sind wir fast hilflos ausgeliefert, denn auch die Torpedos sind dank eines kriegerisch veranlagten taktischen Offiziers komplett aufgebraucht. Jetzt hilft zur Flucht nur der schnelle Warpsprung. Aber wie ging der noch mal, fragt der Steuermann?

Nur ein Beispiel, das zeigt, wie unterschiedlich die Einsätze nach jedem Start des VR-Headsets verlaufen können. Somit dürfte trotz geringer Missionsauswahl und den sich stetig wiederholenden Klingonen-Drohungen für Langzeitmotivation gesorgt sein. Bei den Spezies und Missionen gibt es für Ubisoft noch viel Platz nach oben, hier kann per entsprechender Erweiterung (DLC) schnell für Nachschub gesorgt werden.

Die Grafik ist zeitgemäß, auf aktuellem VR-Standard und absolut zweckmäßig. Das Tracking diverser Steuergeräte, in etwa bei den Move-Controllern der Playstation, ist etwas ungenau, und der Spieler muss häufig nachjustieren, was gerade in hektischen Momenten echt nerven kann. Wem das zu ungenau ist, der kann auf den klassischen Controller zurückgreifen, nur geht dabei ein Teil der Immersion verloren.

In den cirka 15 Stunden, die die RUNDSCHAU bisher auf der Brücke verbracht hat, ist sie nur auf gut gelaunte und hilfsbereite Mitspieler getroffen, was zum Teil daran liegt, dass mit Star-Trek-Bridge-Crew eine etwas ältere Zielgruppe angesprochen wird. Und so erwischten sich die Tester immer wieder dabei, die Befehle des Captain mit einem zackigen "Jawohl Captain" zu beantworten. Besitzer eines VR-Headsets sollten sich diesen Spaß nicht entgehen lassen, sich darüber aber im Klaren sein, dass hier ein auf Teamfähigkeit und Kommunikation ausgelegtes Stück Software präsentiert wird. In diesem Sinne: "Steuermann! Energie!"

Das Spiel ist ab circa 44 Euro erhältlich. USK: ab 12 Jahren

Im Internet: www.ubisoft.com/de-de/game/ star-trek-bridge-crew Alle Tests unter: www.lr-online.de/games