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Der Wegweiser durch den Berufsdschungel

Cottbus. Wer kurz vor dem Schulabschluss steht, kennt das leidige Thema der Berufsorientierung. Der unbeliebten Frage: "Was willst du denn später mal werden?" muss sich jeder Jugendliche früher oder später stellen. Jenny Theiler

Wer sich im Irrgarten der zahlreichen Karrieremöglichkeiten dennoch nicht zurechtfindet, hat heute noch die Möglichkeit, sich bei der Bildungsmesse "Vocatium" in der Lausitz Arena über ganz unterschiedliche Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Auch ohne Voranmeldung ist jeder Interessent willkommen.

Organisiert wird die berufsvorbereitende Maßnahme jedes Jahr vom Institut für Talententwicklung. In Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen verschiedener Branchen werden jungen Menschen berufliche Entwicklungschancen vorgestellt, die speziell in der Lausitz möglich sind. Was "Vocatium" von anderen Bildungsmessen unterscheidet, ist neben dem Bezug zur Region vor allem auch die vorherige Terminvereinbarung zwischen Schülern und Unternehmen. Um eine solide Kommunikationsgrundlage zu erreichen, bekommt jeder zuvor angemeldete Schüler die Möglichkeit, vier Termine mit seinen jeweiligen Wunschunternehmen zu vereinbaren. "Wir wollen erreichen, dass die Schüler sich bewusster mit den verschiedenen Branchen auseinandersetzen und nicht nur ziellos durch die Messe laufen, um Kugelschreiber geschenkt zu bekommen", erklärt

Geschäftsführerin Hella Backhaus. Die Verbindlichkeiten mit den Schülern wünschen sich auch die Unternehmer. Vor allem jene Firmen, die unter akutem Fachkräftemangel leiden, erkennen die Notwendigkeit, die Jugendlichen nicht einfach nur zu einer Ausbildung zu überreden, sondern sie zu überzeugen. So berichtet Carina Kaiser vom Familienunternehmen Kunze in Weißwasser den Interessenten realistisch und ehrlich vom verantwortungsvollen Pflegeberuf. "Altenpfleger ist ein Job, für den man sich wirklich berufen fühlen muss, nicht jeder ist dafür geeignet", räumt die Altenpflegerin ein.

Auch die Stadt Cottbus stellt sich als Arbeitgeber vor und demonstriert mit den aktuellen Auszubildenden die Erfolgsquote der "Vocatium". Sára Scholz besuchte das Niedersorbische Gymnasium und studiert mittlerweile soziale Arbeit. Die 21-Jährige hat damals auch "Vocatium" genutzt, um sich über ihren Berufswunsch zu informieren. Jessica Tschernich (22) hat sich für den Studiengang "Public Management" entschieden und kannte die Bildungsmesse bis zum gestrigen Tag noch gar nicht, schätzt aber die "direkt koordinierten Gesprächsmöglichkeiten", die den Schülern an den Ständen angeboten werden.

Die zusätzlich angebotenen Vorträge und Messe-Workshops wurden von den Jugendlichen, die aus der ganzen Lausitz zusammengekommen sind, besonders positiv angenommen. "Wenn man mit einem konkreten Berufsziel herkommt, ist die Veranstaltung wirklich sehr gut. Aber wenn man sich erst noch orientieren muss, ist es alles ein bisschen viel", bewertet Marija Skvoznikova aus Hoyerswerda die Messe. Vor allem für Studieninteressierte könnten die Angebote ausgebaut werden, meint die Zehntklässlerin.