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| 02:34 Uhr

Der Vater der Orthopädenfamilie

Prof. Dr. med. habil. Horst Röhlig
Prof. Dr. med. habil. Horst Röhlig FOTO: privat
Cottbus. Am heutigen Sonnabend, 18. Februar, begeht Prof. red/dst

Dr. med. habil. Horst Röhlig seinen 90. Geburtstag. Wenn ihm - auch geografisch gesehen - das Attribut Cottbuser Mediziner zuzuordnen ist, reicht seine Ausstrahlung weit über die Region hinaus. Zum einen holte sein Lebensweg weit aus, ehe er in der Lausitz mündete, zum anderen spricht man nicht nur in Cottbus von Professor Röhlig.

Geboren in Niederhaßlau in Sachsen erhielt er seine Gymnasialausbildung in Zwickau und Leipzig. Horst Röhligs Jugend war von Krieg und Gefangenschaft geprägt.

Dann endlich stand ihm, von der Tuberkulose gezeichnet, die Universität Leipzig offen. Dort studierte er von 1951 bis 1956 Medizin und wurde anschließend Assistenz- und Oberarzt an der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Leipzig unter Prof. Peter Friedrich Matzen.

Bereits 1959 hat Horst Röhlig mit dem Dresdener Mediziner Professor Crasselt die operative Rheumatherapie in der DDR eingeführt.

1966 habilitierte sich Horst Röhlig mit dem Thema "Die Behandlung ungleicher Extremitätenlänge - lokale Wachstumsanregung im Tierversuch".

Diese Habilitationsschrift erregte internationales Aufsehen, was sich an Einladungen in die USA, nach Österreich und in die Bundesrepublik messen ließ. Diesen Einladungen konnte er nicht folgen, weil er ihnen nicht folgen durfte.

Nachdem er 1969 Hochschuldozent am Universitätsklinikum Leipzig geworden war, folgte er 1971 der Berufung als Ärztlicher Direktor und Chefarzt an die Orthopädische Klinik Cottbus, die 1972 in den Verband des Bezirkskrankenhauses aufgenommen wurde und 1973 nach Kolkwitz umzog. Mit beispielhaftem Engagement und Ideenreichtum, oft unter schwierigen Bedingungen, schuf und prägte er seine Klinik als eine leistungsfähige, den Erfordernissen der Zeit gerecht werdende Orthopädische Klinik, in der die Sorge um den Patienten und die kollegiale Zusammenarbeit aller Mitarbeiter die Atmosphäre bestimmten. Noch heute fühlen sich die Cottbuser Orthopäden als "Orthopädenfamilie" - ein Begriff, den Prof. Röhlig vor Jahrzehnten prägte.

Professor Horst Röhlig war der Wegbereiter vieler moderner Operationsverfahren und konservativer Behandlungsmethoden im Fachgebiet Orthopädie und Kinderorthopädie. So implantierte er 1971 erstmals in Cottbus einer Patientin eine Hüfttotalendoprothese. Tausenden Patienten haben er und sein Team durch den Einbau künstlicher Hüft-, Knie-, Hand- und Fingergelenke sowie anderen Operationen, aber auch durch konservative Behandlungen, Schmerzen gelindert oder genommen.

Die konservative Skoliose-Therapie bei Kindern mit Wirbelsäulenverkrümmungen wurde unter Prof. Röhlig weiterentwickelt - erstmalig konnten nun bei schweren Verläufen die Kinder auch in Kolkwitz operiert werden.

1979 fand unter seiner wissenschaftlichen Leitung die 26. Tagung der Gesellschaft für Orthopädie der DDR mit mehr als 600 nationalen und internationalen Teilnehmern in Cottbus statt.

Noch heute kennt Professor Dr. Röhlig fast jeder, der sich im Osten, also der ehemaligen DDR, "Orthopäde" nennt. 622 Facharztkandidaten wurden durch die von ihm geleitete zentrale Fachkommission "Orthopädie" geprüft, 43 Doktorarbeiten hat er betreut, 33 Fachärzte für Orthopädie in seiner Klinik ausgebildet.

Professor Dr. Röhligs Rat ist weiterhin von seinen Kollegen gefragt. Sie schätzen seine hohen fachlichen und menschlichen Qualitäten, die eine Generation von Orthopäden in Ostdeutschland geprägt haben.