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Der Traum der AfD vom Ende des Euro

Professor Karl Albrecht Schachtschneider diskutierte nach der Veranstaltung mit einigen Zuhörern.
Professor Karl Albrecht Schachtschneider diskutierte nach der Veranstaltung mit einigen Zuhörern. FOTO: Simone Wendler
Cottbus. Ein Mal im Jahr lädt die Cottbuser AfD-Vorsitzende Marianne Spring-Räumschüssel einen, wie sie selbst sagt, "hochkarätigen Gast" zu einer Podiumsdiskussion nach Cottbus ein. Nicht nur den inzwischen 50 Parteimitgliedern in der Stadt, auch AfD-Sympathisanten soll ein besonderer Abend geboten werden. Simone Wendler

Zwei Mal gelang es dabei, 2015 mit Parteichefin Frauke Petry und 2016 mit dem Dresdener Politologen Werner Patzelt, die etwa 200 Plätze im Saal des Stadthauses restlos zu füllen.

Der dritte "hochkarätige Gast" fand am Montagabend nicht so viel Interesse. Nur etwa 100 Zuhörer kamen, um Professor Karl Albrecht Schachtschneider zum Thema "Die Eurokrise und kein Ende" zu erleben. Es wurde nicht nur durch die Sommerhitze ein anstrengender Abend.

Schachtschneider, der in Kürze 77 wird, ist emeritierter Professor für Staatsrecht und seit Jahren einer der Vordenker der national-konservativen und rechtspopulistischen Szene in Deutschland. Schlagzeilen machte er immer wieder durch Verfassungsbeschwerden, die meist jedoch erfolglos blieben.

In Cottbus redet er eineinhalb Stunden in schneidigem Ton. Er springt dabei zwischen Themen hin und her, verwendet ohne Erläuterung Fachbegriffe wie Targetsystem der europäischen Zentralbank oder Kapitalverkehrsfreiheit. Mancher Satz bleibt unvollendet und über große Strecken geht es bei ihm weniger um den Euro, als um die Flüchtlingsprobleme. Nach einer Dreiviertelstunde sagt er selbst: "Nun noch enger zur Währungspolitik, sie denken sonst, da kommt gar nichts mehr dazu."

Das Spektrum derer, denen Schachtschneider an diesem Abend Vorwürfe macht, ist groß. Helmut Kohl habe eine "Parteien-Oligarchie" zur Entfaltung gebracht. Angela Merkel sei noch schlimmer, sie betreibe die "Islamisierung Deutschlands". Zum deutschen Volk gehöre aber nur, wer "von seinem Wesen her, durch Herkunft deutsch" sei.

Der Europäische Gerichtshof sei gar kein Gericht, der tue nur so, behauptet Schachtschneider und das Bundesverfassungsgericht versage zunehmend. Donald Trump bekommt Lob, er habe richtig erkannt, dass die Grundlage des Euro nicht stimme, Amerika werde jetzt aber wieder aufgebaut.

Der Fragebedarf der Zuhörer hielt sich nach Schachtschneiders Vortrag in überschaubaren Grenzen. Warum so viele EU-Mitgliedsländer nicht zum Euro-Raum gehören, wollte ein Mann wissen. "Weil sie klüger sind als wir", sagt Schachtschneider und verweist zum Nachlesen auf eine seiner veröffentlichten Klageschriften, Umfang des Textes 380 Seiten.

Als dann jemand fragt, wie der Ausstieg aus dem Euro praktisch ablaufen soll, hat Schachtschneider ein einfaches Rezept: "Alle stellen um nach dem Muster 1:1" Das bedeute ein Euro gleich eine D-Mark oder ein France oder eine Drachme. Dass dann eine deutsche Mark erst mal genau so viel wert wäre wie eine griechische Drachme, regt die Zuhörer im Saal nicht auf.

Teilnehmer des AfD-Abends versichern hinterher auf Nachfrage, sie hätten den Vortrag Schachtschneiders verstanden. "Ich bin ja nicht dumm", zeigt sich ein Cottbuser über die Frage verwundert. Ein anderer, der sagt, dass ihm der Vortrag des Professors "viel gegeben hätte" geht mit der Überzeugung nach Hause: "In zwei bis drei Jahren ist der Euro nicht mehr da."