ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:30 Uhr

Ausnahmesommer beschert Gartenrekorde
Der Sommer der Riesen-Zucchini

Cottbus/Neuhausen . Gartenfreunde vom Schäferberg haben am Spremberger Stausee seit 1983 schon drei trockene Ausnahmesommer erlebt.

„Ich habe ja nicht gewusst, wie groß die werden“, sagt Günter Kirstein   und zeigt  fröhlich ein Foto von der Zucchini-Pracht. „70 Zentimeter lang und zwölf Zentimeter Durchmesser“, berichtet er stolz. Die Samen hat er im Frühjahr von einer Hobbygärtnerin aus Cottbus bekommen. Mit der Ernte hat er dann  den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen. Nachbarn und Gartenfreunde haben das in diversen Schnappschüssen festgehalten, und die bringen den 84-Jährigen schnell ins Gespräch. Denn die Zucchini sind nicht nur groß, sie sind auch an ungewöhnlichem Ort gewachsen: Am Gestell für die Stangenbohnen, sonst hätten sie wohl seinen   ganzen Garten   überwuchert.

 Der Cottbuser Günter Kirstein gehört zu den ersten, die 1982 die zur Kleingartenanlage  umgewidmete Kirschplantage der LPG am Schäferberg urbar gemacht haben. Den Kleingartenstatus hat die Sparte „Waldeck“ inzwischen längst abgelegt, den Namen aber behalten. Die Gartengrundstücke sind  nach der Wende privatisiert worden und haben heute, mit Ausnahme einer Sparte, den Status von Erholungsgrundstücken. Die sind begehrt wegen der Lage am Spremberger Stausee, obwohl die   Grundstücke über keinen Trinkwasseranschluss verfügen, wohl aber über einen gemeinsamen Brauchwasserbrunnen. Der war die Rettung für die grüne Oase in vielen warmen Sommern. „Heiße  Sommer hatten wir einige, aber so trocken war es noch nie“, sagt Günter Kirstein. Lutz Wiesner (74), sein Nachbar,  nickt. Er blättert in seinem Fotoalbum, das die Höhepunkte der Gartenjahre ab August 1982 dokumentiert. Schwarz-Weiß-Fotos zeigen die Baugrube für einen Fertigteil-Bungalow – im typischen DDR-Standard, Seriennummer B 23. B stand für Bungalow, 23 für 23 Quadratmeter Wohnfläche.

Gartenglück in allen Facetten hält das Album von Lutz Wiesner fest.  Gartenarbeit und Ernte, Spiel mit Kindern und Enkeln,    Nachbarn und Freunden auf Besuch,  Siesta in der Hängematte,  Blütezeit, Bootsregatta, Geburtstage,  Kinder- und Gartenspartenfeste.   Ab 1992 wird es bunt, Farbfotos zeigen einen gepflegten Erholungsgarten – und allerhand Souvenirs von Urlaubsreisen, die den Garten ergänzen.

 Wie das möglich ist, in den Urlaub zu fahren trotz  Gartenpflegepflichten, ist schnell beantwortet. „Dank guter Nachbarn. Wir helfen uns gegenseitig, bereiten alles gut vor“, sagt Lutz Wiesner. Die „alten Säcke“, wie er die  Gartenfreunde der ersten Stunde scherzhaft nennt,  halten zusammen, organisieren  immer noch Gartenfeste, auch wenn heute längst nicht mehr alle Gartennachbarn kommen. Sie pflegen Erinnerungen und bleiben offen für Neues, und halten einander  auf dem Laufenden. So ist auch schnell geklärt, ob dieser Sommer wirklich so ungewöhnlich war. „Ja“,  sagen Kirstein und Wiesner. „So lange trocken war es noch ein keinem Jahr, das sind ja jetzt schon Monate.“

Langjährige Gartenfreunde: Lutz Wiesner und Günter Kirstein (v.l.) stöbern in Erinnerungen.
Langjährige Gartenfreunde: Lutz Wiesner und Günter Kirstein (v.l.) stöbern in Erinnerungen. FOTO: LR / LR Beate Möschl

In Wiesners Gartenchronik sind ähnliche Sommer dokumentiert. Fotos aus den Jahren  2003 und 2010 zeigen trocken gefallene Uferbereiche am Spremberger Stausee, meterweit kein Wasser. Andere Bilder zeigen den Garten im Winter 2010 und 2013 im Schnee. „2010 sind wir hier sogar Ski gefahren“, erzählt Lutz Wiesner.   Das Fotoalbum erinnert auch an andere Phänomene. Die große Mückenplage zum Beispiel, im Jahr 1994, weil der Sommer so regnerisch war. Da sind die Regentonnen nie leer geworden, das tat vor allem den Mücken gut.  Regen? Ja, ein  ordentlicher, lang anhaltender Landregen, der täte  jetzt gut, sind sich die Gartenfreunde einig.