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| 18:28 Uhr

Der schwierige Alltag im Provisorium

Sie sind dankbar, dass sie die Hort-Kantine und die sechs Räume der Oase 99 nutzen können: Kita-Chefin Annegret Mattick (m.), ihre Kolleginnen und natürlich die Kinder der Kita Sonnenschein.
Sie sind dankbar, dass sie die Hort-Kantine und die sechs Räume der Oase 99 nutzen können: Kita-Chefin Annegret Mattick (m.), ihre Kolleginnen und natürlich die Kinder der Kita Sonnenschein. FOTO: Hilscher
Peitz. Es ist laut. Anstrengend laut. Wenn mehr als 50 Kinder mit ihren Erzieherinnen den Tag in einem einzigen Gruppenraum verbringen müssen, dann liegen irgendwann die Nerven blank, bei den Kleinen ebenso wie bei den Erwachsenen. Andrea Hilscher

"Seit dem verheerenden Brand in unserer Kita ist das unser Alltag", sagt Annegret Mattick, Chefin von Kita und Hort in Peitz.

Sie selbst war im Urlaub, als sich ihre Kolleginnen mit der Schocknachricht meldeten: In der Himmelfahrtsnacht hatten Einbrecher den Tresor in der Kita aufgebrochen, ein paar Hundert Euro geklaut - und dann offenbar Feuer gelegt. Drei Räume brannten völlig aus, das Löschwasser tat ein Übriges: Die Kita war ab sofort nicht mehr nutzbar, nur die Krippenräume blieben verschont. Annegret Mattick: "Wir hatten tatsächlich Glück im Unglück. Eine Brandschutztür, die wir vorher oft verflucht hatten, war unsere Rettung." Sie hat ein Übergreifen der Flammen auf das komplette Gebäude verhindert.

Ganz Peitz stand am Tag nach dem Brand unter Schock. Bürgermeister und Amtsdirektorin zeigten sich entsetzt, niemand konnte nachvollziehen, warum ausgerechnet eine Kita in Brand gesteckt werden musste. "Trotzdem haben sich Stadt und Amt, Firmen und Eltern betroffener Kinder quasi über Nacht daran gemacht, das Problem irgendwie in den Griff zu bekommen", sagt Annegret Mattick. Noch heute bekommt sie Gänsehaut, wenn sie an die Welle der Hilfsbereitschaft denkt, die es möglich machte, dass alle 108 Kita-Kinder schon am Mittwoch nach dem Brand wieder eine Einrichtung besuchen konnten: Die Arbeiterwohlfahrt machte mehrere Räume in der Oase99 frei, alle anderen Nutzer rückten zusammen. "Die Kinder haben jetzt zwei große Gruppenräume, gegessen wird in der Hort-Kantine", so die Leiterin. Zum Schlafen werden Tische und Stühle beiseite geräumt, um Platz für die Liegen zu schaffen. Bei schönem Wetter marschieren die Steppkes auf ihren angestammten Kita-Spielplatz. "Es funktioniert alles", sagt Annegret Mattick. "Weil es funktionieren muss." Einigen Kindern aber sei die Belastung anzumerken. Sie sind ängstlicher, ihnen fehlen die Rückzugsräume.

Jörg Exler: "Der angerichtete Schaden ist immens. Erste Schätzungen liegen bei 170 000 Euro an reinen Baukosten." Drei Räume sind komplett ausgebrannt, Decken und Dach müssen erneuert werden, in anderen Zimmern hat das Löschwasser die Böden zerstört. "Sobald die Mauern ausgetrocknet sind, fangen wir an zu arbeiten", sagt Exler. Er sei froh, dass das Peitzer Betonwerk die Decken ohne Wartezeiten gießen kann. Voraussichtlich im September können die Kinder zurück in ihre Räume.

Der finanzielle Schaden wird von der Versicherung übernommen. "Aber es gibt viele Dinge, die unrettbar verloren sind", sagt Annegret Mattick traurig. Eine selbst geschriebene Chronik der Peitzer Kindereinrichtungen, das Sonnenschein-Konzept - alles zerstört.

Die Polizei hat inzwischen alle relevanten Zeugen befragt, die Spuren werden nach Auskunft von Polizeisprecher Torsten Wendt derzeit noch ausgewertet. Annegret Mattick hofft sehr, dass die Brandstifter gefasst werden. "Ich möchte ihnen in die Augen schauen und sie fragen, ob ihnen eigentlich klar ist, was sie angerichtet haben. Eine ganze Kita zu zerstören - nur für ein paar Hundert Euro."