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| 02:40 Uhr

"Der RE 2 ist eingeklemmt in Zwangspunkte"

Während der Talk-Runde in Kolkwitz: Eine Lösung für die Anbindung der drei Lausitz-Halte gibt es weiter nicht. Foto:
Während der Talk-Runde in Kolkwitz: Eine Lösung für die Anbindung der drei Lausitz-Halte gibt es weiter nicht. Foto: FOTO: Ch. Taubert
Kolkwitz. Die Splittung der Strecke in Berlin ist in der Live-Sendung "radioeins und RUNDSCHAU Spezial" in Kolkwitz als nicht fahrbar abgelehnt worden. Christian Taubert

Die Stimmung ist aufgeheizt. Der Ratssaal in der Großgemeinde Kolkwitz nahe Cottbus platzt aus allen Nähten. Seitdem in Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch der RE 2 tagsüber vorbeirauscht, Pendler und Schüler Bus-Ersatzverkehr in Kauf nehmen müssen, sind fast anderthalb Jahre vergangen. Weil die mit 389 Kilometern längste Regionalexpress-Strecke Brandenburgs Cottbus-Berlin-Wismar vier Minuten Zeitpuffer in der Hauptstadt benötigte, wurden die drei Lausitz-Halte abgekoppelt.

Die schlechte Nachricht hatte damals Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider überbracht und wurde zum Buhmann. Am Mittwochabend nun kam der SPD-Politikerin in der Live-Sendung der Reihe "radioeins und RUNDSCHAU Spezial" erneut dieser Part zu. Denn sie musste gleich zum Auftakt einräumen, dass auch nach einem Expertengespräch mit Kommunalpolitikern am Nachmittag in Cottbus keine stimmige Lösung gefunden wurde. Lautstarker Unmut im Saal beendet ihre Ausführungen.

Die Radiosendung zum RE2 aus dem Rathaus Kolkwitz zum Nachhören

radioeins und RUNDSCHAU Spezial vom 16.3.2017

Unter den von der Ministerin aufgeführten Hindernissen - von Eingleisigkeit Cottbus-Lübbenau bis Nadelöhr Bahnhof Königs Wusterhausen - ragt ein K.o.-Kriterium heraus. "Die Berliner Stadtbahn setzt harte Restriktionen", betont Schneider. Ein gesplitteter RE 2 komme da nur durch, wenn alle anderen Züge weggehen. Damit verweist sie auf jene Studie, die die Aufsplittung der RE 2-Strecke in einen Süd- und einen Nordwestabschnitt mit Überlappung in Berlin (siehe Infobox) vorsieht. Die den Lausitzern in den vergangenen Wochen Hoffnung gemacht hatte.

Auch bei Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos), zu dessen Stadt Raddusch gehört. Der Spreewaldort wirbt mit dem Slogan "Von der Bahn in den Kahn". Dafür brauche Raddusch die Regionalexpress-Verbindung, sagt Kanzler und verweist auf die von Pro Bahn-Experten erstellt Studie: "Ein in Berlin geteilter RE 2 ist fahrbar. Das belegt die Studie."

Dagegen wird nicht nur vom Vetschauer Rathauschef der von der Ministerin angebotene Spreewaldzug zwischen Cottbus und Lübben abgelehnt. Kathrin Schneider will diese zusätzliche Regionalbahn, die sie Ende 2015 schon ins Spiel gebracht hat, im Zwei-Stunden-Takt als Angebot für Pendler in der Region verstanden wissen. Doch davon halten die Zuhörer im Saal nichts. "Wir sollen weiter abgehängt werden", heißt es lautstark.

Ein Kolkwitzer, der seit 17 Jahren nach Berlin pendelt und eine sechsköpfige Familie hat, schildert, dass er zum Autofahren nach Cottbus oder Vetschau ebenso gezwungen werde, wie in der Familie ein zweites Auto anzuschaffen. Was bisher ein Standortvorteil für Kolkwitz und die anderen Haltepunkte an der Bahnstrecke gewesen sei, beginne irgendwann umzuschlagen. "Wenn die Infrastruktur nicht passt, dann entscheiden sich junge Leute künftig auch nicht dafür, in Berlin zu arbeiten und in der Lausitz zu leben", betont er unter Beifall im Saal.

Von dem ehemaligen Bahner Manfred Harder bekommen die Fahrplanmacher von DB Netz und Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zusätzlich ihr Fett weg. Mit einer dicken Mappe ist der Cottbuser nach Kolkwitz angereist und erläutert, dass der RE 2 aufgrund des viel zu eng gestrickten Fahrplankorsetts vor allem im Norden Brandenburgs - auch in Verbindung mit dem Fernverkehr - nicht pünktlich verkehren könne. "Es gibt nur eine Lösung", sagt Harder. "Der Zug muss in Berlin gebrochen werden."

So sehr die Moderatoren Jan Vesper (radioeins) und Jan Siegel (RUNDSCHAU) an diesem Abend auch bohren, die endgültige Lösung scheint nicht in Sicht. Was letztlich auch der Fahrplanexperte von DB Netz, Renado Kropp, verdeutlicht: "Der RE 2 ist eingeklemmt in Zwangspunkte." Doch es gibt die Zusage, dass Land, VBB und DB Netz im Gespräch bleiben. Der Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow (CDU) schiebt hinterher, dass die "Bürgerinitiative RE 2" da nicht locker lassen werde.

Mehr zur Strecke Cottbus-Berlin: www.lr-online.de/re2

Zum Thema:
Seit Ende 2015 werden die drei RE-2-Halte Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch tagsüber nicht mehr bedient. Um sie wieder anzuschließen, will Potsdam einen Spreewald-Zug alle zwei Stunden zwischen Cottbus und Lübben pendeln lassen. Nach einer Studie im Auftrag der Stadt Vetschau und der Großgemeinde Kolkwitz hat der RE 2 nur eine Chance, zuverlässig und pünktlich zu werden: Indem die längste RE-Strecke Brandenburgs aufgesplittet wird in einen Südabschnitt Cottbus - Berlin-Charlottenburg und einen Nordwestabschnitt Wismar - Berlin-Ostbahnhof.