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"Der Puppenspieler darf die Puppe nicht übertrumpfen"

Gut angekommen im Piccolo-Ensemble: Josephine Egri mit ihren Puppenspieler-Kollegen Werner Bauer (l.) und Hauke Grewe sowie den drei Schweinchen aus "Frühstück mit Wolf".
Gut angekommen im Piccolo-Ensemble: Josephine Egri mit ihren Puppenspieler-Kollegen Werner Bauer (l.) und Hauke Grewe sowie den drei Schweinchen aus "Frühstück mit Wolf". FOTO: Piccolo/Helbig
Cottbus. Es war ein arbeitsreicher Start für Josephine Egri, Schauspiel-Absolventin der Fritz-Kirchhoff-Schule Berlin, im Piccolo-Theater. Gerade in Cottbus angekommen, ist sie in die Rolle des Schweinchens Borste im Puppenspiel "Frühstück mit Wolf" geschlüpft. "Ist 'ne klasse Zusammenarbeit", sagt die 25-Jährige über das Ensemble. Ulrike Elsner

Sieben Vorstellungen von "Frühstück mit Wolf" liegen hinter ihr. Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt dennoch nicht für die neue Puppenspielerin im Piccolo. Das Puppenspielfest steht vor der Tür. Genauso wie die Proben für "Rotkäppchen". Das Weihnachtsmärchen des Kinder- und Jugendtheaters soll in der Regie von Jens Hellwig am 20. November Premiere haben. Außerdem betreut die 25-Jährige gemeinsam mit Theaterpädagogin Hannelore Schaaf eine Figurenspielgruppe in der Regine-Hildebrandt-Grundschule.

Ins Theater hat es Josephine Egri frühzeitig gezogen. Schon in der Grundschule war sie in einer Laienspielgruppe, mit 13 in einem Theaterjugendklub. Allerdings habe sie sich erst darüber klar werden müssen: "Was genau will ich? Ist es die Maske, der Malsaal oder die Bühne?" Es war die Bühne. Oder besser noch: die Puppenbühne. Was sie am Puppenspiel reizt? "Da kann ich ganz drastische Wege gehen", verrät die Schauspielerin. Allerdings gehört auch ein wenig Demut dazu. Während der Schauspieler selbst wirkt und strahlt, darf der Puppenspieler die Puppe nicht übertrumpfen.

"Als die Kinder nach der ersten Vorstellung von ,Frühstück mit Wolf' zu Borste gegangen sind und ihr tschüss gesagt haben, war ich einfach glücklich", gesteht Josephine Egri. "Ich habe das Schwein zum Leben erweckt." Dieses Kompliment zählt umso mehr, als es wohl kein ehrlicheres Publikum gibt als es Kinder sind.

Für das kleine Ensemble des Hauses am Erich Kästner Platz ist auch die Vielseitigkeit des neuen Ensemblemitglieds wichtig. Sie ist nicht nur Schauspielerin mit einem besonderen Faible fürs Puppenspiel, sondern kann zudem auf künstlerische Hobbys verweisen. Neben dem Malen gehört das Tanzen dazu. "Ich habe mit Modern Jazz angefangen", stellt Josephine Egri fest. Auch Balletttraining habe sie schon genommen.

Die Arbeit mit Kindern liegt ihr offenbar. "Kinder- und Jugendarbeit hat am Piccolo eine Sonderstellung", stellt die Puppenspielerin fest. So umfassend praktiziert, habe sie das nirgendwo sonst gesehen. Gleichzeitig hat ihr die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen von Anfang an gefallen. "Ich bin ein Ensemblemensch", gesteht die Schauspielerin. "Und ich mag das Geschichtenerzählen." Genauso liege es ihr am Herzen, gemeinsam mit den Kollegen das bestmögliche Ergebnis auf die Bühne zu bringen. Nur darum gehe es und nicht darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken.

Warum das Geschichtenerzählen so wichtig ist? "Vielleicht deshalb, weil man die Zuschauer mit Bühnenhelden einfängt", sinniert die Puppenspielerin. "Weil sie darüber nachzudenken beginnen: Was würde ich in dieser Situation tun? Und weil sie die Möglichkeit erhalten, sich zu identifizieren und mit einem Thema auseinanderzusetzen."

"Rotkäppchen", ein Puppenspiel für Kinder ab drei Jahren frei nach den Gebrüdern Grimm hat am Sonntag, 20. November, 15 Uhr, Premiere. Weitere Vorstellungen gibt es bis zum 25. Dezember. Es spielen Josephine Egri und Hauke Grewe.