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"Der Panzer war unser Spielplatz"

In Ruben wurde anlässlich der Ersterwähnung des Ortes vor 700 Jahren zünftig gefeiert. Zum Auftakt wurde ein Buch über die Geschichte veröffentlicht. Die Autoren bekamen das Werk als Erste überreicht.
In Ruben wurde anlässlich der Ersterwähnung des Ortes vor 700 Jahren zünftig gefeiert. Zum Auftakt wurde ein Buch über die Geschichte veröffentlicht. Die Autoren bekamen das Werk als Erste überreicht. FOTO: Hirche/jul1
Ruben. Der kleine Gemeindeteil Ruben des Ortes Werben hat am Wochenende sein 700-jähriges Bestehen gefeiert. In einer Urkunde vom 16. Juli 1317 wird erstmals ein Jacobus von Rubyn erwähnt. Das haben die Rubener zum Anlass für ihr Jubiläum genommen. Marion Hirche / jul1

Der Auftakt am Freitagabend war gleich eine Zeitreise. Die Domowina-Ortsgruppe stellte das druckfrische 236-seitige "Buch über Ruben" vor. Rolf Radochla, einer der Autoren stellte es vor. Der Leser erfährt, wie sich das Dorf entwickelt hat, was in Schule und Kirche passierte, wer Höfe hatte, welche wendischen Traditionen eine Rolle spielten, welche Trachten getragen wurden, welche Gaststätten es gab. Da berichtet Rolf Radochla auf Seite 30 davon, dass die Peitzer Hüttenwerker von Ruben Raseneisenstein wollten. Sie begannen, die Wiesen um Ruben zu zerstören und das brachte die Anwohner auf die Palme. Es gab wüste Auseinandersetzungen. Der zuständige Landrat gab den Rubenern Recht: "Sie brauchen die Wiesen für das Vieh." Das geschah 1782. Anett Sischke, selbst Autorin einiger Geschichten im Buch, konnte die Namen aller Kinder auf dem Kindergartenbild noch benennen. Siegfried Noack kommentiert das Panzerbild, welches auf Seite 156 des Buches zu sehen ist, so: "Das war unser Spielplatz, hier sind wir mit Ulrich rumgeklettert."

Siegfried Noack hatte die weiteste Anreise zu diesem Premierenabend. Er kam aus Adelaide in Südaustralien. Mit 18 Jahren war der Rubener ausgewandert, hatte die ganze Familie zurückgelassen. In der neuen Heimat hat er eine eigene Maschinenfabrik aufgebaut. Jetzt mit 80 war er noch mal an seinen Wurzeln, traf hier auch seinen Cousin Dr. Ulrich Noack. Auch der heutige Hänchener stammt aus Ruben und hier haben sie als Buben zusammen gespielt. Der heutige Bürger der Großgemeinde hat viele Texte zum Buch beigetragen, er hat über die Geschichte verschiedener Grundstücke geschrieben und hat erklärt, dass noch bis vor 200 Jahren jedes Gehöft in Ruben ein Hauszeichen hatte.

Mit 28 Jahren ist Theresa Gollasch die jüngste Autorin, die zum Gelingen des Buches beigetragen hat: "Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert, meine Oma hat mir sehr viel erzählt und hat auch viele Fotos. Jetzt lebt noch ihre Schwester, sie ist schon 91, kann aber noch viel berichten. Das habe ich aufgeschrieben." Claudia Jäger kaufte sich ein Buch und begann nach der Veranstaltung sofort zu lesen: "Ich finde das sehr interessant, ich will mehr über meinen Ort wissen, wir sind 1992 hierher gezogen."

Nach der Buchvorstellung tanzten sich die Jubilare für das Wochenende warm.

Der nächste Höhepunkt war der Festumzug am Sonnabend durch das ganze Dorf. Die Rubener ließen die Geschichte ihres Ortes lebendig werden, allerlei historische Landtechnik wurde vorgestellt. Sogar der Ritter Jacobus von Rubyn war dabei, dargestellt von Annett Förster. Beim Umzug wurde klar: Ruben hat noch ein anderes Jubiläum: Seit 100 Jahren stellt die Familie Noack Rosenlikör her, beim Umzug reichte Uwe Noack diesen als Kostproben.

Am Sonntag wurden die diesjährigen Erntekönige im Hahnschlagen ermittelt. Heute sind alle zum ersten Wettbewerb des Amtes Burg im Hahnschlagen nach Ruben eingeladen. Um 16 Uhr beginnt der Vergleich.