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Cottbus früher und heute
Der Ostrower Schmucksteg

FOTO: Heute: Peggy Kompalla - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte vom Ostrower Steg, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

Duch die rasante Entwicklung der Tuchindustrie zum Ende des 19. Jahrhunderts – speziell auf Ostrower Gebiet – war es nötig, für die in Sandow wohnenden Fabrikarbeiter einen kürzeren Weg zu ihren Arbeitsstellen zu schaffen. Das war der Steg, der direkt vom Fußweg des kleinen Spreewehrs die Spitze der Mühleninsel querend über den Mühlgraben zum Ostrower Damm führte.

Auf Stadtplänen aus den Jahren 1892/93 ist bereits der Ostrower Steg an heutiger Stelle eingezeichnet – bereits mit dem noch heute bekannten Namen. Man kann also annehmen, dass der erste Ostrower Steg 1890 gebaut worden war.

Der inzwischen liebevoll und aufwendig sanierte Ostrower Steg, eine Dreifeld-Bogenbrücke, ist eine erneuerte Fußgängerbrücke aus der Zeit zwischen 1923 und 1925. Sie ist eine Eisen-Beton-Konstruktion. Für Bootsfahrer ist der mittlere Brückenbogen extra etwas größer und höher als die beiden Seitenbögen. Die Fusspfeiler sind aus Stampfbeton. Interessant ist das Gesimsband des Brückenabschlusses. Das eiserne Brückengeländer ist eine Kunstschmiedearbeit. In dem Geländer befindet sich auf Brückenhöhe beidseitig je eine Metallplatte mit der Inschrift „Ostrower Steg“. Der Entwurf und die Ausführung stammte in den 1920er-Jahren von der Firma Dyckerhoff & Widmann AG, Niederlassung Dresden.

Der Ostrower Steg ist eine der wenigen Brücken der Stadt Cottbus, die noch aus der Zeit vor 1945 erhalten geblieben sind. In seiner ansprechenden geschwungenen form passt dieser Steg wunderbar in die Parklandschaft von der Stadt aus in Richtung Branitzer Park.

Dass es für den Steg keine genauen Übergabedaten gibt, weder 1890 noch aus den 1920er-Jahren, ist bedauerlich. Sollten die damaligen Cottbuser Tageszeitungen wirklich nichts darüber berichtet haben? Vielleicht findet man die berühmte Heunadel doch noch einmal. Zunächst aber kann man sich erfreuen daran, wie schön der Ostrower Steg geworden ist.

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