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| 02:33 Uhr

Der missglückte Versuch mit der Seidenraupe

Cottbuser Baumfachleute besichtigen auf einem Stadtrundgang Naturdenkmäler der Stadt – die RUNDSCHAU war dabei.
Cottbuser Baumfachleute besichtigen auf einem Stadtrundgang Naturdenkmäler der Stadt – die RUNDSCHAU war dabei. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Cottbuser Bäume haben ganz besondere Geschichten zu erzählen. "Vieles hat auch mich überrascht." Das sagt Umweltamtsleiter Thomas Bergner. Während der jüngsten Umweltwoche ist deshalb die Idee entstanden, markante Bäume der Stadt einmal etwas genauer vorzustellen. Heute geht es um den Maulbeerbaum. Sven Hering

"In Cottbus gibt es künftig wieder eine Maulbeergasse in der Spremberger Vorstadt." Das vermeldete die RUNDSCHAU vor gut einem Jahr. Das Stadtparlament hatte demnach beschlossen, die Erschließungsstraße im neuen Wohngebiet am ehemaligen Gefängnis an der Bautzener Straße mit diesem Namen zu versehen.

Mit der Namensgebung rückte auch die Baumart zumindest für kurze Zeit wieder ins Bewusstsein. "Maulbeerbäume wachsen in unserer Stadt recht unbeachtet", hatte der frühere Revierförster Manfred Rescher schon im Cottbuser Heimatkalender geschrieben. "Sie fallen dem Fußgänger erst im Sommer auf, wenn die brombeergroßen, dunklen oder gelblich-weißen Früchte am Boden liegen."

Dabei gibt es ein besonders imposantes Exemplar dieses Baumes mitten in der Stadt. Dieses steht auf dem Grundstück der Lausitzer Wasser GmbH (LWG) in der Schillerstraße. In ein bis knapp vier Meter Höhe gabelt sich die Maulbeere mehrfach. Das ist zugleich das Problem. "Der Baum wäre schon längst auseinandergebrochen, wenn er nicht mit Seilen gesichert worden wäre", sagt Marco Hellwig, der ein Baumpflegeservice betreibt. Mit dicken Stahlseilen werden die Äste nun in Position gehalten. Das ist nicht der einzige Eingriff, der dem Ziel dient, den Baum noch möglichst lange am Leben zu erhalten.

"Wenn die Krone einmal eingekürzt wird, dann ist es ein Dauerpatient", betont der Cottbuser Baumdoktor Jörg Lohmann. Untersuchungen seines Büros haben ergeben, dass der Baum innen bereits hohl ist.

Im Buch "Cottbuser Bäume", das Roswitha Knappe und Schüler des Pückler-Gymnasiums erstellt haben, ist etwas über die Historie dieser Baumart in der Stadt zu lesen. Danach habe Friedrich der Große den Städten im Brandenburg-Preußischen befohlen, Maulbeerbäume zu pflanzen, weil auf diesen die Seidenraupen leben. Dabei handelte es sich um einen Versuch, eine Seidenraupenzucht in Gang zu setzen, um das wertvolle Material Seide selbst zu produzieren. Im Jahr 1801 bewirtschafteten die Seidenbauer in Cottbus und Umgebung fast 2000 Maulbeerbäume, schreibt Manfred Rescher im Heimatkalender. Doch die Ausbeute sei bescheiden geblieben, die Seidenraupenzucht wurde schließlich wieder aufgegeben. "Das ist relativ schief gegangen", wird der Cottbuser Stadtmuseumschef Steffen Krestin zitiert. "Freuen wir uns, dass die Bäume trotz schädigender Umwelteinflüsse und trotz mancher Misshandlung mit Axt und Säge überlebten", so noch einmal Manfred Rescher.