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Der Lebenstraum von Georgina

Der Chor aus Polokwane gab am Freitagmorgen nach dem Frühstück im Cottbuser Johannes-Haus ein Ständchen für die Rundschauleser.
Der Chor aus Polokwane gab am Freitagmorgen nach dem Frühstück im Cottbuser Johannes-Haus ein Ständchen für die Rundschauleser. FOTO: Hirche/jul1
Cottbus/Kolkwitz. Der Chor der evangelisch-lutherischen Polokwane City Congregation ist zur Zeit Gast in Cottbus. Die Kirchengemeinde Kolkwitz ist der Gastgeber und Begleiter. Marion Hirche / jul1

Dafür gibt es auf beiden Seiten gute Gründe; Der Kolkwitzer Pfarrer Klaus Natho war von 1993 bis 1998 Pfarrer in Polokwane. "Das ist eine Stadt im Nordosten von Südafrika. Die Menschen sind sehr fröhlich, singen gern. Von dort bin ich direkt nach Kolkwitz gekommen. Als ich vor drei Jahren wieder einmal meine ehemalige südafrikanische Gemeinde besuchte, da erzählten sie mir, dass sie zum Lutherjubiläum nach Deutschland kommen wollen und das sie schon dafür sparen", war vom Kolkwitzer Pfarrer zu erfahren. Die Begründung für die Südafrikaner bringt die Älteste, die 80-jährige Georgina Phaswane am deutlichsten zum Ausdruck: "Es ist mein Lebenstraum gewesen, einmal die Wirkungsstätten von Martin Luther in Augenschein nehmen zu können". Ihr Traum ist nun in Erfüllung gegangen. Seit dem 12. August sind die 24 Sängerinnen und Sänger in Deutschland. Nach langen Einreisekontrollen haben sie in Frankfurt/M den Anschlussflieger verpasst und waren damit verspätet in Berlin und Cottbus. Sie verpassten dadurch ihr erstes Konzert in der Cottbuser Marienkirche, das wurde nun gestern Abend nachgeholt.

In den Tagen seit ihrer Ankunft hatten die weit gereisten Gäste ein volles Programm: Am Sonntag besuchten sie Zielona Gora, am Montag wandelten sie auf den Spuren von Paul Gerhardt in Lübben. Das war für sie etwas Besonderes, weil sie auch Lieder von Paul Gerhardt singen und in der Paul Gerhardt-Kirche ein Video sahen, in dem auch ein Chor aus ihrer Nachbarschaft die Lieder des großen Kirchenliederkomponisten singt.

Am Dienstag sang der Chor in Rothenburg. Am Mittwoch ging es dann nach Wittenberg. Die Berührung der Tür, an die Luther seine Thesen angeschlagen hat, dass war für alle, vor allem für Georgina, das Größte. Die Gäste sangen zum Mittagsgebet in der Schlosskirche und am Nachmittag noch einmal in der Weltausstellung. "Das war total beeindruckend und bewegend", waren sich Patience Mathsa, Jeanette Mokgotto, Raesetja Malatsi, Lucy Seabi und Jacqueline Lebepe einig. Alle schwärmen aber auch vom Besuch der Wartburg in Eisenach am Donnerstag. " Wir haben die Studierstube von Luther gesehen und sind sehr glücklich, dass wir dort waren" freuten sich die jüngste Mitreisende Mpho Maphoto und ihre Namensvetterin Mpho Mangena.

Gestern war das erste Mal ein bisschen Freizeit. Taschen haben sie gekauft und Andenken in der Cottbuser City. Am Abend wurde das ausgefallene Konzert in der Marienkirche nachgeholt. "das ist eine Form des Dankeschöns des Chores dafür, dass sie im Johannes-Haus wohnen dürfen und beköstigt werden", erklärt Klaus Natho. Eigentlich hat der Chor 55 Mitglieder, 36 wollten mit nach Deutschland kommen, aber nur 24 haben das Geld für den Flug zusammenbekommen. "Die Sängerinnen und Sänger haben den Flug bezahlt, viel Geld, zumal ihre Währung, der Rand, immer wieder an Wert gegenüber dem Euro verloren hat. Die Kolkwitzer Kirche und der Kirchenkreis bezahlen den Aufenthalt und das Programm. "Das ist aber auch für uns ein Kraftakt, so was kann man sich nicht immer leisten", wird vom Kolkwitzer Pfarrer erklärt.

Am heutigen Sonnabend besuchen die Südafrikaner die "Apostelfabrik" in Berlin Wartenberg. Auch das war ein Wunsch von ihnen, und es wird ein Konzert geben. Johannes Mokgotho schwärmt von den Konzerten: "Es macht richtig Spaß, hier zu singen, die Leute sind nett und machen mit" Die letzten beiden Auftritt sind bei den Gastgebern geplant. Der Chor wird im Gottesdienst am morgigen Sonntag ab 9.30 Uhr in der Kirche in Kolkwitz singen, und am Nachmittag ab 15 Uhr ist dann noch ein musikalischer Kurztrip in der Gläsernen Kirche in Glinzig geplant. Zuhörer sind natürlich jederzeit willkommen.