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Der lange Weg zurück in Arbeit

Jobcenter und Agentur für Arbeit bieten verschiedene Möglichkeiten für Arbeitslose, wieder in den Joballtag zurückzukehren.
Jobcenter und Agentur für Arbeit bieten verschiedene Möglichkeiten für Arbeitslose, wieder in den Joballtag zurückzukehren. FOTO: dpa
Cottbus. Vier Kinder, seit acht Jahren arbeitslos, die Ausbildung veraltet – Bianca Lessel (36) hatte nicht gerade die besten Chancen, um auf dem Arbeitsmarkt durchzustarten. Entmutigen ließ sich die Cottbuserin davon allerdings nicht. Andrea Hilscher

Sie sagt: "Ich will meinen Kindern ein Vorbild sein. Die sollen merken, dass man sein Geld nicht einfach vom Amt geschenkt kriegt."

Bisher aber haben die Lesselkinder - alle im Alter zwischen 16 und vier - genau das vorgelebt bekommen. Unfreiwillig. Der Mann von Bianca Lessel hat zwar immer mal wieder Jobs gehabt, konnte aber nie richtig Fuß fassen. "Seit meine Kleinste drei ist, suche ich selbst nach Arbeit", sagt Bianca Lessel. Sie hat Bürokauffrau gelernt, allerdings nie wirklich in diesem Beruf gearbeitet. "Ich wurde schon in der Ausbildung schwanger." Inzwischen aber ist ihre Ausbildung veraltet, so die Erfahrung des Jobcenters.

Um überhaupt wieder ein Gefühl für die eigenen Fähigkeiten, für einen strukturierten Tagesablauf und die Anforderungen der Berufswelt zu bekommen, hat das Cottbuser Jobcenter der Langzeitarbeitslosen eine Aktivierungsmaßnahme angeboten. Bewerbungstraining, Praktika, Arbeitstechniken. "Es war ungewohnt, wieder einen ganzen Tag eingespannt zu sein. Auch die Kinder mussten sich umgewöhnen." Dennoch blieb Bianca Lessel am Ball, durchstöberte immer wieder die Jobangebote der Arbeitsagentur. Als sie eine passende Stelle entdeckte, schaltete sie das Jobcenter ein und bat um Hilfe.

Sven Mochmann, Leiter des Cottbuser Jobcenters: "Frau Lessel ist hoch motiviert, das wollten wir nutzen und ihr möglichst effektiv helfen." Um mobil zu sein, wurde ihr der Führerschein finanziert, sie bekommt einen Zuschuss zu einem Auto. "Die Stelle ist in Burg, ohne Pkw wäre ich aufgeschmissen", erzählt Bianca Lessel. Sie wird im Hotel arbeiten, kann dort in verschiedensten Bereichen eingesetzt werden. Ihr Mann, ebenfalls Kunde im Jobcenter, beginnt eine Umschulung in Bereich Gebäude- und Innenreinigung. "Dann schaffen wir es bestimmt bald, nicht mehr von Hartz IV abhängig zu sein", sagt seine Frau.

Auch sie, so prophezeit Sven Mochmann, wird in den kommenden Jahren nicht um eine Umschulung herumkommen, um dauerhaft eine auskömmliche Arbeit zu finden. Seine Erfahrung: "Qualifikation ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Im vergangenen Jahr (Stand Dezember) haben rund 12 900 Menschen in Cottbus Leistungen vom Jobcenter bezogen. Fast 3000 von ihnen sind nicht erwerbsfähig (Kinder). Von den rund 9900 erwerbsfähigen Jobcenterkunden sind 3744 arbeitslos.

Insgesamt hat das Jobcenter 2016 rund 4000 Cottbuser in Maßnahmen gebracht. Den Löwenanteil nehmen Aktivierungsmaßnahmen ein (996), auch Betriebspraktika (826) und Ein-Euro-Jobs (723) wurden häufig genutzt. Sven Mochmann: "Die Zahl der Absolventen von Maßnahmen, die sechs Monate nach Teilnahmeende eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorweisen konnten, ist 2016 gestiegen - je nach Maßnahmetyp auf 35 bis 72 Prozent." Grund für den Erfolg: "Der Markt braucht dringend Arbeitskräfte", so Mochmann. "Außerdem legen wir strengere Qualitätskriterien an als früher."