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| 02:35 Uhr

Der knackige Hintern des Teufels

Dissen. Der Cottbuser Künstler Hans-Georg Wagner hat die Sage von der Entstehung des Spreewaldes umgeschrieben: Die Ochsen sind keine geschundenen Tiere mehr, sondern gestalten stolz selbst. Für den neuen Aussichtspunkt in der Spreeaue haute er in fünf Monaten diese Hochachtung in Eiche. Mit vielen Gästen wurde das Kunstwerk am Mittwoch nahe Dissen eingeweiht. Annett Igel

Die Ochsenohren winken fast. Schwungvoll schieben sich die Hörner in den Himmel. Und stolz zeigt der Teufel auf seine Tiere. Nach der alten Sage soll Luzifer wütend auf sein Pfluggespann gewesen sein und den müden Ochsen mit der Peitsche solch einen Schrecken eingejagt haben, dass sie kreuz und quer und hin und her den Spreewald schufen.

Von Müdigkeit ist in der Skulptur nichts zu spüren. Kraftvoll wirkt sie aus der Ferne und verliert davon nichts in der Nähe. Kreuz und quer und hin und her hat Wagner gehauen und Details herausgearbeitet, die dazu einladen, sich unter die Ochsen zu legen oder dem Teufel auf die Bauchmuskeln zu starren. Wagner bestätigt, dass der Teufel seinen Hintern der Ehefrau Katrin Wagner verdankt: "Sie wollte mitmachen und hat den linken Oberschenkel und das Gesäß herausgearbeitet. Das wurde so gut, dass ich es stehen lassen konnte." Zum ersten Mal hat er so groß geschaffen und sich die Eichen im lebendigen Zustand am Tagebaurand am Hammergraben aussuchen dürfen. Bei bis zu 38 Grad Celsius floss viel Schweiß, sagt Wagner. Und kaum noch der Familie zumutbar war sein Geruch nach den Kiefernholzteeranstrichen. "Wichtig ist gewesen, immer wieder Gelassenheit für die riesige Dimension zu finden", erinnert sich der Künstler. Der Ochsenschwanz musste in einem neuen Winkel angebracht, ein Arm ausgetauscht werden. Er hatte treue Mitarbeiter und einen gefühlvollen Baggerfahrer, der ihm die Skulpturen auf den Hügel brachte. Und zwischendurch konnte er sich über den Brandenburgischen Kunstpreis freuen. Er erhielt ihn für seine große Skulptur ausgerechnet in der Kategorie "Kleinplastik".

Mit der Einweihung am Mittwoch schließt Vattenfall wieder einen Abschnitt des Besucherlenkungskonzeptes für die Renaturierung der Spreeaue ab. 30 000 Kubikmeter Erde sind laut Ingolf Arnold, Chefgeologe des Bergbauunternehmens, zum acht Meter hohen Hügel aufgeschüttet worden. Neben den breiten Stufen führt eine behindertengerechte Zufahrt hinauf.

Der Burger Amtsdirektor Ulrich Noack (CDU) hofft, dass das Engagement in Dissen-Striesow, das Vattenfall für die Realisierung auch brauchte, andere Gemeinden anspornt. "Wir haben hier das Heimatmuseum und das Storchenzentrum. Und wer wissen will, wie der Spreewald entstanden ist, muss nun auch nach Dissen kommen", lockt Noack.