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| 01:23 Uhr

Der Kasernenbau in der Garnisonsstadt Cottbus

Ansichtskarte von der Hauptwache der Alvensleben-Kaserne als Geburtstagsgruß aus dem Jahr 1903.
Ansichtskarte von der Hauptwache der Alvensleben-Kaserne als Geburtstagsgruß aus dem Jahr 1903. FOTO: Sammlung Petzold
In loser Folge berichtet der Heimatforscher Heinz Petzold in der RUNDSCHAU aus der Cottbuser Stadtgeschichte, diesmal über das II. Bataillon des 6. Brandenburgischen Infanterieregiments Nr. 52. Sammlung Petzold

Es war eine kriegsunruhige Zeit vor 140 Jahren, die die Cottbuser mit Durchmärschen, Verabschiedung ausrückender und Begrüßung heimkehrender Truppen wahrnahmen. Doch dem 7. Januar 1868 wurde, schon bedingt durch die öffentlichkeitswirksame Aufklärung seitens des Magistrats etliche Wochen zuvor, von den nahezu 14 000 Cottbusern historische Aufmerksamkeit geschenkt. Die Militärverwaltung hatte entschieden, dass Cottbus zur ständigen Garnisonsstadt erklärt wird. Das 1861 aus dem in Frankfurt (Oder) stationierten Grenadierregiment Nr. 12 hervorgegangene II. Bataillon des 6. Brandenburgischen Infanterieregiments Nr. 52 wurde nach Cottbus verlegt.
Von Vetschau kommend, rückte in den Mittagsstunden des winterlichen Januar per Fuß die Truppe ein, gefolgt von einem Tross mit Pferdefuhrwerken.

„Rückständige Stadt“
Das Gesamtbild spiegelte nicht den Zustand einer Stadt wider, wie sie noch zwei Jahre zuvor 1866 beim Einrücken des Posener Infanterieregiments Nr. 18 vom Regimentsadjutanten geschildert wurde: „Schon beim Einmarsch war uns die Rückständigkeit der Stadt um ein Halbjahrhundert aufgefallen. Zwar rankten sich an kleinen Häusern Rosen empor, im Übrigen herrschte der Schmutz vor. Vielfach waren Brandstätten vorhanden . . .“ .
Das zeigte sich diesmal nicht, als der Magistrat in Anwesenheit zahlreicher Cottbuser die Formation auf dem Marktplatz freudig begrüßte. Die wohlhabenden Bürger verehrten „ihre Soldaten für die Heldentaten“ der Kriege 1864 und 1866, die die norddeutschen Staaten unter Preußens Führung einigten. Die im Affront mit Napoleon III. entstandene Rivalität war 1870/71 die Fortsetzung deutsch-preußischen Hurra-Patriotismus'. Dieser pflegte die Tradition in Kriegervereinen und führte den preußischen Ehrenkodex zur Opferbereitschaft für das Vaterland ein.
Andererseits mobilisierte sich die nach weiteren Freiheiten verlangende Schicht der sozial Schwachen. Ihre Armut begründeten sie mit den militärischen Belastungen seit der 1848er-Revolution. Erinnert sei an den Magistratsbericht 1848, als der die Reduzierung der Abgaben „durch Minderung des Militärs“ vorschlug, es sei „die niedrige Klasse der Einwohner ohne Arbeit und Verdienst und kann keine Steuern abführen“ . Außerordentlich ablehnend gegenüber dem Militär verhielten sich die San dower. Wurden doch die Mannschaften in der im unfreundlichen Fabrikstil errichteten „Branaschkes Kaserne“ garnisoniert.

Tägliche Belästigungen
Die in innerstädtischen Bürgerhäusern wohnenden und im „Kasino“ an der Ecke Jäger/Berliner Straße feiernden Offiziere verspürten von den täglichen Belästigungen der Bewohner in der Sandower Gildenstraße nichts. Die sozial schwachen Sandower mussten ihren eigenen Widerstand organisieren. Zugleich musste sich der Magistrat mit den Eingaben der „Kasernenhausbesitzer“ zu Mietvertragsänderungen bei Mobilmachungen und zu „ansteckenden Krankheiten der Truppe“ beschäftigen.
Mit der Verlegung eines zweiten Bataillons und der Regimentsinspektion 1880 durch den späteren 100-Tage-Kaiser Friedrich Wilhelm III. wurde die Verbesserung der Garnisonierung erwartet. Da die Stadt wenig tat, wandte sich das Korpskommando 1885 an Guben, „ob die Stadt gewillt wäre, Militär in Bürger-Massenquartieren unterzubringen“ . Doch Cottbus wollte „seine 52er“ nicht verlieren. Obwohl der Militärservice-Etat mit 47 300 Mark nicht reichte, bestätigten die Stadtverordneten am 1. April 1885 den Bau einer Kaserne aus Mitteln der Stadt. Der Magistrat leitete selbst die Bauausführung.
So konnte der 4646 Quadratmeter große „Kasernen-Barackenbau Kaiser-Friedrich-Straße“ von den beiden Bataillonen der 52er am 22. März 1886 bezogen werden. Mit dem Tode des Generals von Alvensleben 1892 erhielt das Infanterieregiment 52 dessen Namen verliehen.