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| 14:48 Uhr

Cottbuser Stadtgeschichte
Der Kaiser und die Jubiläumsbrücke

FOTO: Heute: Annemarie Ziegler - Damals: Sammlung Hans Krause
COTTBUS. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Markgrafen-Mühle mit Jubiläums-Brücke – basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

Diese alte Ansichtskarte erinnert im Text an eine Mühle mit einem Wehr, die allerdings gar nicht auf dem Bild zu sehen sind. Das einzige, was mit der Markgrafen-Mühle zu tun hat, ist der Wasserlauf. Er zweigt oberhalb des Kiekebuscher Wehrs von der Spree ab und ist der Mühlgraben für die Markgrafen-Mühle. Wer sich die Karte genauer anschaut, wird auch feststellen, dass Schwäne und Wassersportbegeisterte auf diesem Foto hinein retuschiert worden sind. So groß ist der Mühlgraben gar nicht.

Doch schauen wir zunächst zurück. Die Stadt Cottbus hatte große Wald- und Heideflächen von den Madlower Bauern erworben. Geplant war die Anlage eines Friedhofs. 1904 konnte dieser als Südfriedhof eröffnet werden. Im Jahre 1906 beschlossen die Stadtverordneten die sogenannte Madlower Heide, die hinter dem Friedhof Richtung Spree lag, zu einem Waldpark umzugestalten. Drei Jahre später begannen die Arbeiten für den Waldpark, den man seinerzeit Kaiser-Wilhelm-Augusta-Viktoria-Hain nannte. Später wurde daraus schlicht der Volkspark. Eine Verbindung von dem neu geschaffenen Waldpark zum Weg von der Markgrafen-Mühle zum Kiekebuscher Wehr und damit auch zum Überweg nach Branitz gab es aber nicht. Es sollten auch noch einige Jahre vergehen, bis die Stadt Cottbus, dank einer großzügigen Spende, eine Brücke über den Mühlgraben errichten konnte.

Der Cottbuser Anzeiger berichtete am 31. März 1914 von der Einweihung der „Jubiläumsbrücke“: „Mit dem Einzug des jungen Frühlings ist nunmehr auch ein Werk fertiggestellt worden, das den Schlussstein zur gemeinnützigen Schöpfung des Kaiser-Wilhelm-Augusta-Viktoria-Hains in der Madlower Heide bildet, nämlich die neue Brücke über den Mühlgraben, die den Volkspark mit dem Branitzer Park zu verbinden bestimmt ist und von ihrem Stifter, Fabrikant Rottka, heute „Jubiläums- Brücke“ getauft wurde. Zur Einweihung begaben sich heute früh nach 9 Uhr die um die Entstehung des Werkes besonders verdienten Herren mit ihren Damen, darunter Oberbürgermeister Werner, Fabrikbesitzer Rottka, Fabrikbesitzer Michaelis, Stadtbaurat Boldt, durch den Volkspark nach der neuen Brücke, deren Zugänge mit zwei grünen Girlanden verhängt waren, um sie nunmehr offiziell dem Verkehr zu übergeben. Der Weg zu ihr führt unter dem Eisenbahndamm durch an der Spree entlang und bildet nunmehr für die Spaziergänger eine bequeme Verbindung nach dem Branitzer Park. Die Brücke ist das Werk des Stadtbaurats Boldt und fügt sich in das liebliche Landschaftsbild in glücklicher Weise ein. Schon zeigt sich allerorts ein liebliches Grün, und zu dem Einweihungsakt heute morgen (30.3.) lag heller Sonnenschein über dem Gelände, sodaß der stimmungsvollen Stunde auch das rechte Wetter beschieden war. Gartenbauinspektor Glum löste die letzten Zeichen der Absperrung, die frischen Tannengirlanden, Oberbürgermeister Werner richtete an den Stifter der Brücke herzliche Worte der Anerkennung und des Dankes für den bewiesenen Opfersinn und übergab sie dem Verkehr. Fabrikbesitzer Rottka, dankte, gab ein Bild von der Entstehung des Werkes und brachte seine Freude zum Ausdruck darüber, daß es Oberbürgermeister Werner, wenn auch als eine der letzten seiner Amtshandlungen, noch vergönnt war, die Brücke dem Verkehr zu übergeben. Ferner sprach er noch dem Erbauer der Brücke, Stadtbaurat Boldt, seine ganz besondere Anerkennung für das gelungene Werk aus. Damit war die schlichte Feier beendet.“

Die Bezeichnung „Jubiläumsbrücke“ soll an das 25-jährige Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelm II. erinnern. Dieser Name wird auch heute noch verwendet.

Die Brücke ist 3,30 Meter breit und überspannt den Mühlgraben in einer Länge von etwa 15 Metern. Vermutlich über beidseitig jeweils vier Stufen gelangte man direkt auf die Brücke. Damals sind noch keine Radfahrer auf dieser Strecke unterwegs gewesen. Inzwischen sind auf einer Seite der Brücke wohl die Stufen eingeschüttet. Insgesamt acht Ziervasen schmückte das Brückengeländer sowie zwei Metallziergitter direkt mittig der Brücke.

Anfang November 2013 wurde bei einem Parkseminar mit etwa 100 Cottbusern unter fachkundiger Leitung ein Teil dieses Waldparks gereinigt und die Jubiläumsbrücke von Moos befreit.

(dli)