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Der Giftcocktail und die Folgen

Umweltamtschef Stephan Böttcher beantwortete Auf Wacker in Ströbitz die Fragen der Anwohner zum verseuchten Grundwasser.
Umweltamtschef Stephan Böttcher beantwortete Auf Wacker in Ströbitz die Fragen der Anwohner zum verseuchten Grundwasser. FOTO: sh
Cottbus. Ab 22. Oktober dürfen weitere Ströbitzer Grundstückseigentümer ihre Grundwasserbrunnen nicht mehr nutzen. An diesem Tag tritt eine neue Verfügung in Kraft. Die Stadt reagiert damit auf die hohen Schadstoffwerte im Grundwasser. Das Umweltamt hat jetzt die Betroffenen über die Konsequenzen informiert. Sven Hering

In Scharen strömten die Ströbitzer am Donnerstagabend in die Sportlergaststätte Auf Wacker. Die Stadt hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Im Grundwasser sind zu hohe Schadstoffwerte gemessen worden. Die bereits rund drei Kilometer lange Sperrzone, die vom Gelände des ehemaligen Potsdamer Chemiehandels in der Parzellenstraße bis nach Ströbitz reicht, wird deshalb ausgeweitet. Weitere Ströbitzer Grundstückseigentümer müssen wegen des Giftcocktails in der Erde ihre Brunnen stilllegen. Umweltamtschef Stephan Böttcher und Geologe Klaus Greulich beantworteten die Fragen der Betroffenen. Hier ein Auszug:

Was wurde im Grundwasser gefunden? Säuren, Lösungsmittel, Insektizide, Farben und Lacke. Die Leichtflüchtigen Chlorierten Kohlenwasserstoffe (LCKW) gasen in Verbindung mit Sauerstoff aus. Außerdem sind LCKW schlecht und nur unter besonderen Milieubedingungen überhaupt biologisch abbaubar. Der zulässige Grenzwert im Wasser liegt bei zehn Mikrogramm je Liter. In Ströbitz wurden zum Teil bis zu 138 Mikrogramm gemessen.

Welche Auswirkungen sind zu befürchten? Manche LCKW stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Das Einatmen größerer Mengen kann Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühle, narkotische Effekte, aber auch Atemnot, Herzrhythmusstörungen und Blutdruckschwankungen verursachen.

Sind die Giftstoffe in Obst oder Gemüse nachweisbar? Die Pflanzen nehmen die Giftstoffe nicht über die Wurzeln auf. Problematisch ist es allerdings, wenn Obst und Gemüse mit dem kontaminierten Grundwasser abgewaschen oder beregnet werden.

Setzt sich das Gift in Wohnhäusern fest? Im Mauerwerk klebt dieser Schadstoff nicht. Selbst beim Abbruch der Gebäude des ehemaligen Potsdamer Chemiehandels, also dem Ausgangspunkt der Kontamination, sind keine Chemikalien im Mauerwerk nachgewiesen worden. Auch eine Luftbelastung in den Gebäuden ist ausgeschlossen.

Wird die von der Stadt eingerichtete Sperrzone noch größer? Das lässt sich derzeit nicht prognostizieren. Ein Grund: Neben dem ehemaligen Potsdamer Chemiehandel muss es noch weitere Schadstoffquellen geben. Diese sind derzeit noch nicht ermittelt. Die Stadt hat aber Vermutungen. Für die noch außerhalb der Zone liegende Gartensparte gibt es eine Entwarnung - zumindest vorerst noch.

Wie lange bleibt das Verbot bestehen? Sehr lange. Eine genaue Aussage ist nicht möglich. Geologe Klaus Greulich erklärt: "In vielleicht 200 oder 300 Jahren kann man die Brunnen wieder betreiben."

Was passiert, wenn trotzdem das Brunnenwasser genutzt wird? "Wir werden nicht jeden Tag durch Ströbitz laufen und kontrollieren", sagt Umweltamtschef Stephan Böttcher. Wer allerdings das Verbot missachtet, der muss - zumindest theoretisch - mit einem Bußgeldverfahren rechnen. Bis zu 5000 Euro Strafe sind möglich. Außerdem kann die Stadt den Rückbau des Brunnens fordern. Dieser müsse dann nachgewiesen werden.