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| 16:58 Uhr

Cottbus
Der Experte für Exoten

Die beiden Alligatorenbabys, die Marcus Meritz in der Hand hält, sind im September geschlüpft. Alligatorennachwuchs ist extrem selten.
Die beiden Alligatorenbabys, die Marcus Meritz in der Hand hält, sind im September geschlüpft. Alligatorennachwuchs ist extrem selten. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Der Cottbuser Marcus Meritz kennt keine Angst vor Spinnen, Schlangen oder Krokodilen – ganz im Gegenteil: Er befreit sie aus misslichen Situationen und kümmert sich um sie.

„Angst habe ich nicht, aber immer den nötigen Respekt“, sagt der 38-Jährige. Das schütze ihn vor Unachtsamkeit. Seinen Lebensunterhalt verdient der Familienvater als Rettungsdienstmitarbeiter. Das sei er mit Leib und Seele. Doch seine private Leidenschaft für Reptilien und andere Exoten macht ihn auch zum Experten, wenn in Cottbus oder im Landkreis  Spree-Neiße exotische Tiere ausgebrochen sind oder ausgesetzt wurden. „Dann klingelt mit Sicherheit bei mir das Handy“, sagt er.

Mit dem Tierheim der Stadt Cottbus hat Marcus Meritz jetzt einen Vertrag abgeschlossen. Grundsätzlich ist das Ordnungsamt für Fundtiere zuständig, kann für die Arbeit aber auch Dritte hinzuziehen. „Für das Cottbuser Tierheim ist Marcus Meritz ein kompetenter Partner, der über umfangreiche Sach- und Fachkenntnisse verfügt und die Tiere tierschutzgerecht versorgt und unterbringt“, sagt Madeleine Henning-Waniek, Pressesprecherin der Stadt Cottbus.

Wie viele Tiere er schon eingefangen hat, kann Meritz nicht sagen. An Australische Bartagamen in einer Mülltonne in Sandow oder gleich mehrere Dutzend Vogelspinnen in einer Wohnung, die zwangsgeräumt wurde, kann er sich aber noch sehr gut erinnern. „Es gab in den letzten Jahren schon einige spektakuläre Einsätze, die wir mit verschiedenen Behörden der Stadt abgearbeitet haben“, sagt er.

Die Neuzugänge kommen zunächst acht Wochen in Quarantäne. „Der Gesundheitszustand der Tiere ist oft desolat“, erzählt Meritz. Während der Quarantäne wird unter anderem der Allgemeinzustand geprüft, die Futter- und Flüssigkeitsaufnahme kontrolliert, Kotproben versandt oder bei Bedarf minimalinvasive Maßnahmen durchgeführt. Auch das Verhalten der Reptilien muss beobachtet werden.

Gefährliche Exoten faszinieren den Cottbuser schon seit seiner Jugend. Er selbst hält verschiedene Python- und Giftschlangen sowie zwei Mississippi-Alligatoren. „Verschiedene Schlangenarten zu halten, ist auch für meine Arbeit als Betreiber der Gefahrtierauffangstation wichtig“, sagt Meritz. Schlangen hätten viele Unterschiede, eine Kobra reagiere beispielsweise ganz anders als eine Klapperschlange.

Bei den Mississippi-Alligatoren gibt es jetzt sogar eine Erstnachzucht. Zwei zirka 20 Zentimeter kleine Babyalligatoren mit gelb geringelten Schwänzen hält Meritz in den Händen. Geschlüpft sind sie mit seiner Hilfe am 18. September. Alligatoren-Nachwuchs ist ein absoluter Glücks- und Ausnahmefall, nur ganz wenige Fälle gibt es in Deutschland. Selbst dem renommierten Leipziger Zoo, der seit seiner Gründung im Jahr 1913 fast durchgängig Mississippi-Alligatoren im Bestand hat, ist das noch nicht gelungen. „Für eine erfolgreiche Nachzucht müssen nicht nur die Haltungsparameter stimmen, sondern auch die Tiere miteinander harmonieren“, erklärt Meritz. Richtig ärgern kann sich der Experte, wenn gefährliche Reptilien oder Giftschlangen nicht art- beziehungsweise sachgerecht gehalten werden. „Krokodile und Alligatoren sind nichts für normale Wohnungen“, betont er. Ein generelles Haltungsverbot hält Meritz jedoch für „kontraproduktiv“. „Dies würde nur dazu führen, dass die Reptilienhaltung in die Illegalität abrutscht“, begründet er. Sinnvoller sei ein Sachkunde­nachweis sowie die Prüfung der Terrarien, ob diese für die jeweilige Tierart geeignet und sicher sind. Für die Privathaltung spreche, dass dadurch auch seltene Arten erhalten und wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden können.

(Silke Halpick)