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Der diamantene Bäcker aus Leuthen

Leuthen. Der 86-jährige Günter Kirchhoff wurde in eine Bäckerfamilie hineingeboren – sein Vater eröffnete im Jahr 1921 in der Leuthener Hauptstraße die Bäckerei Kirchhoff. Jan Grundmann

Ende der 30er-Jahre erlernte er den Bäckerberuf in Cottbus, half als frisch gebackener Geselle im Familienbetrieb aus. Bis er 1941 von der Wehrmacht eingezogen wurde. Er hatte Glück, kehrte im Jahr 1946 zurück. "Aber vom Vater wissen wir nicht, wo er ist", sagt der heute 86-Jährige.

Dann lernte er in der Cottbuser Berufsschule für die Meisterprüfung Ende 1947. "Wir mussten eigene Kohlen zum Heizen mitbringen", sagt der Bäckermeister schmunzelnd. Die Prüfung sei hart gewesen, erinnert er sich. "Ein typischer Tagesablauf in der Bäckerei wurde abgeprüft", so Kirchhoff. Sein Gesellenstück war ein Kommissbrot. Das haltbare Kastenbrot wurde seit dem Ersten Weltkrieg vor allem für die Versorgung von Soldaten gebacken. "Der Teig war so zäh, da hatte ich schon Angst, dass ich die Prüfung nicht schaffe." Es klappte, Kirchhoff übernahm die Familienbäckerei, die seine Mutter während des Krieges kommissarisch leitete.

Bis zum Jahr 1986 musste der Bäckermeister täglich um halb drei Uhr aufstehen. Erst mischte er den Sauerteig für Brote, dann den Brötchenteig. Am Ende der Schicht musste die Backstube wieder blitzen, dann war es etwa 16 Uhr am Nachmittag. Diese Arbeitszeiten forderten Disziplin ab, man könne abends nicht lang Fernsehen schauen, sagt er. "Wenn eine Sache gelingen soll, muss man eben auch viel Energie reinstecken."

Im Jahr 1986 gab er das Zepter an seine Kinder weiter. Seit 2001 bleibt der Backofen zwar kalt, frische Brötchen gibt es aber trotzdem. Die werden jetzt tief gekühlt angeliefert und kommen in den Elektroofen. "Die Brötchen sind zwar auch annehmbar", meint Günter Kirchhoff, "aber ein richtig frisch gebackenes Brötchen können sie nicht ersetzen."