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Ferienprojekt
Wie der Krebs nach Sarajevo kam

Gemeinsames Musizieren gehört ebenso zum Projekt wie das Entdecken der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Fünf der Teilnehmer kommen aus Cottbus.
Gemeinsames Musizieren gehört ebenso zum Projekt wie das Entdecken der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Fünf der Teilnehmer kommen aus Cottbus. FOTO: Fanprojekt / Bock, Martin
Cottbus/Sarajevo. Deutsche und französische Jugendliche entdecken Bosnien-Herzegowina – darunter acht Schüler aus der Paul-Werner-Oberschule.

Bosnien-Herzegowina – bestimmt schön, geschichtsträchtig, politisch spannend, aber als Ferien-Reiseziel für junge Lausitzer doch eher ungewöhnlich. Fünf Cottbuser Jugendliche sind gerade dort, gemeinsam mit 17 weiteren jungen Leuten aus Frankreich und Bosnien. Möglich macht es das Projekt „Action auf dem Land und in der Stadt“ – ein trinationaler Austausch, initiiert vom Energie-Fanprojekt der Cottbuser Jugendhilfe, vom Jugendhilfezentrum in Blossin (Dahme-Spreewald) und der Cottbuser Paul-Werner-Oberschule. Geld gibt’s unter anderem vom Deutsch-Französischen Jugendwerk.

Die Anreise war nicht leicht – nicht, weil Bosnien vom Rest der Welt abgeschnitten wäre, sondern wegen Herwarth. Der Sturm hatte kurzzeitig für Ausfälle der Bahn zwischen Cottbus und Berlin gesorgt, ausgerechnet am Abreisetag für die Cottbuser Oberschüler. Erst kurz vor der geplanten Abfahrt am Sonntag waren die Gleise wieder frei – so wie der Weg in Richtung Südost-Europa.

Bei einem interkulturellen Abend haben die acht Oberschüler aus Cottbus, alle zwischen 13 und 14 Jahre alt, den übrigen Gleichaltrigen ihre Stadt vorgestellt, berichtet Fanprojekt-Leiter Martin Bock. Dabei sei es zum Beispiel um den Krebs im Cottbuser Stadtwappen gegangen, darum, dass Energie Cottbus einst den großen Bayern München besiegt habe und um die Frage, was es mit dem Cottbuser Postkutscher auf sich habe.

„Der Abend war toll, weil wir bosnische und französische Spezialitäten kennengelernt haben und auch unsere Stadt Cottbus vorstellen konnten“, sagt Oberschülerin Leonie Weichert.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen Fragen nach der Bedeutung des eigenen Zuhauses für die Jugendlichen und nach der Bereitschaft, sich für das jeweilige Zuhause und die Menschen in der Umgebung zu engagieren, erläutert Bock.

Der trinationale Austausch, sagt der Fanprojekt-Leiter, solle Jugendliche mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenbringen. Bosnien sei ein ideales Land dafür. „In der Stadt leben Menschen verschiedener Völker und Religionen wieder friedlich zusammen“, sagt Bock. In der Hauptstadt sehen sich die Jugendlichen beispielhafte Vorhaben an, die auch mithilfe des Engagements der Bosnier die Stadt wieder lebenswert machen. So solle die Fantasie für eigene Ideen angeregt werden, erläutert Bock. „Das ist wirklich ein abwechslungsreiches Programm – und Sarajevo bietet viele Möglichkeiten“, sagt Schüler Ian Bartz.

Die Erfahrungen aus den Tagen in Sarajevo sollen die acht Paul-Werner-Schüler im Frühjahr 2018 auf der Cottbuser Jugendkonferenz vorstellen, vielleicht dann auch mit eigenen Ideen für Cottbus. Bei der Konferenz, die seit 2014 alle zwei Jahre stattfindet, geht es unter anderem auch um die Mitsprache der Jugendlichen bei Entscheidungen in und für die Stadt.

Damit allerdings ist das trinationale Projekt noch nicht zu Ende – Rückbesuche in Deutschland und in Frankreich sind geplant. „In der ersten Jahreshälfte 2018 werden die drei Jugendgruppen in Blossin und in den Ardennen erneut zusammenkommen, um ihre Ideen und Vorhaben weiterzuentwickeln“, sagt Martin Bock.

Noch aber können die Cottbuser Schüler sowie ihre Alterskameraden aus Bosnien und Frankreich ein paar Tage Sarajevo genießen. Am kommenden Sonntag geht das Projekt zu Ende, berichtet Martin Bock. Viel Zeit also für noch mehr Ideen der Jugendlichen, sich auch für ihre Stadt Cottbus einzusetzen.

Erinnerungsfoto: 22 Jugendliche aus Bosnien, Frankreich und Deutschland sind gerade in Sarajevo unterwegs.
Erinnerungsfoto: 22 Jugendliche aus Bosnien, Frankreich und Deutschland sind gerade in Sarajevo unterwegs. FOTO: Bock, Martin