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| 01:34 Uhr

Der Cottbuser Spreeauenpark soll seinen Zaun behalten

Cottbus. Die Debatte um den Cottbuser Spreeauenpark wird von den Madlowern gespannt verfolgt. Denn sie haben mit ihrem Volkspark zwischen den Schluchten und dem Badesee auch solch einen grünen Schatz. Johann-Christoph Kröhan, oft im Volkspark unterwegs, rät der Stadt, den Spreeauenpark umzäunt zu lassen. Von Annett Igel

Nicht immer sind die Hunde angeleint. Der leere Kiosk und das alte Pumpenhaus sind beschmiert, regelmäßig wird eine Bank zerschlagen. Oft zieht der 74-jährige Johann-Christoph Kröhan mit den Walking-Stöcken und Gleichgesinnten durch den Madlower Volkspark. Jogger überholen sie, Kindergartengruppen kommen vorbei. Und wenn Kröhan den 73-jährigen Helmut Voskamp, der am Park wohnt, trifft, bleibt er stehen. Die Diskussion um den Spreeauenpark Cottbus bewegt die Beiden. Der Spreeauenpark soll zugänglich für alle bleiben - ob bei einem Euro Eintritt oder kostenlosem Zutritt. Doch den Zaun soll die Stadt stehen lassen, rät Johann-Christoph Kröhan. Nur so bleiben Müll, Schmierereien und Zerstörungen in einem beherrschbaren Rahmen.

Jederzeit reizvoll

Der Park in Madlow hat keinen Zaun aber wie der Spreeauenpark zu jeder Jahreszeit seine Reize. Wenn im Sommer Menschen mit Handwagen voller Grillzeug zum See ziehen, macht sich Voskamp Sorgen - wegen des Mülls und weil ein Feuer hier schnell alles vernichten könnte.

"Schauen Sie, wie schön die Herbstsonne mit den Bäumen spielt", sagt Kröhan und kneift die Augen zusammen. Sämtliche Spechte - die bunten, grünen und schwarzen - hat er im Volkspark schon gesehen. Nisthilfen und Fledermauskästen hängen an den Bäumen.

Auch ein Insektenhotel gibt es. Auf den Bänken am Birkenplatz hat eine Schulklasse Platz - "die Waldakademie", sagt Kröhan. Schilder erzählen von der Scheinkastanie und der Goldammer. Das alte Rondell an der Eisenbahnlinie Cottbus - Görlitz weckt den Wunsch nach Sichtachsen. "Sehenswert ist, wie die Spree dampft", sagt Voskamp.

Am Badesee steht ein Reiher. "Das ist die Uferseite, auf der die Natur durch einen Zaun etwas geschützt wird - aber der Maschendraht ist an einer Stelle zerrissen", erklärt Kröhan. Neben einer Bank liegen die Reste eines Picknicks. Die Säuberung des Parks funktioniere auch außerhalb der Badesaison gut - in zwei, drei Tagen ist das verschwunden, auch die Papierkörbe werden regelmäßig geleert.

Neben dem Müllentsorger Alba sind fünf Kräfte der Cottbuser Gesellschaft für Arbeitsförderung Acol im Park unterwegs, wie Stadtsprecher Peter Lewandrowski bestätigt. Sie wollen auch den Maschendraht am See wegnehmen und durch einen naturnahen Zaun ersetzen. Täglich kümmern sie sich um die Wald- und Landschaftspflege und entwickeln den Naturerlebnispfad weiter. Auch der Verkehrssicherung nehmen sie sich an. Obgleich dazu noch diskutiert wird. Während für einen echten Park eine Verkehrssicherungspflicht besteht und die Stadt verhindern muss, dass einen Jogger ein Ast trifft, ist das für den Madlower Park nicht eindeutig. Er ist laut Lewandrowski ein Erholungswald mit Parkcharakter. Schon 1906 hatten die Stadtverordneten für einen "Waldpark" in der Madlower Heide gestimmt.

Verein setzt sich durch

Der damalige Oberbürgermeister Paul Werner hatte sich zunächst mit dem Namen "Kaiser Wilhelm-Auguste Viktoria-Hain" durchgesetzt. Der Verschönerungsverein brachte den Namen "Volkspark" in Umlauf, der sich 1918 nach dem Ende des Kaiserreichs durchsetzte. Stadt-Gartendirektor Julius Kurfeß hatte seinen Mitarbeiter Glum, Inspektor des Südfriedhofes, beauftragt, eine Gestaltung vorzuschlagen. Die wurde ab 1909 umgesetzt - obgleich die Bauern, denen die Flächen gehörten, erst 1913 enteignet werden konnten.

Das hat Acol in einer Forschungsarbeit herausgefunden. Was jetzt nur noch trockene Gräben sind, waren künstliche Wasserläufe. Auch Schutzhütten, Geländer und eine "Hühnerleiter"-Holzbrücke gab es, verschwanden aber 1945, weil die Leute Holz zum Heizen brauchten. Das alles lässt sich nicht wieder so herrichten, aber die Schrift des freigelegten Fritz-Reuter-Steines zum Beispiel soll wieder komplett lesbar werden.