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| 02:40 Uhr

"Der Cottbuser Ostsee muss einmalig werden"

So soll er mal aussehen, der Cottbuser Ostsee.
So soll er mal aussehen, der Cottbuser Ostsee. FOTO: Vattenfall
In gerade einmal drei Jahren soll das erste Wasser in den künftigen Cottbuser Ostsee sprudeln. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Professor, Dr. Rolf Kuhn, dem "Vater des Lausitzer Seenlandes", über die touristischen Chancen des künftig größten Gewässer Brandenburgs, aber auch über die Gefahren, die eine Sparvariante mit sich bringen würde. Daniel Steiger

Herr Kuhn, was braucht der Cottbuser Ostsee, um in 20 oder 30 Jahren als Erfolgsgeschichte durchzugehen?
Das gelingt nur, wenn man das Einzigartige an dieser Konstellation herausarbeitet. Er ist in der ganzen Region der einzige See, der mit einer Großstadt verbunden ist. So was gibt es erst wieder in Leipzig. Und selbst da ist der Cospudener See nicht so nah an der Stadt, wie es der Ostsee sein wird. Und dann kommt es natürlich darauf an, die Kontrapunkte zwischen der Stadt und einem See zu erkennen und zu betonen.

Welche Punkte wären das?
Was macht denn die Stadt Cottbus aus? Da wären der Altmarkt, das Staatstheater oder der Branitzer Park. Diese Dinge müssen irgendwie mit dem See verknüpft werden. Es gab diese studentische Idee eines Parkways. Auch wenn ich den Namen nicht mag, so eine breite Allee, die aus der Innenstadt an das Seeufer führt, würde genau das Ostseefeeling hervorrufen, das die namensgebenden Studenten damals im Sinn hatten. Die besondere Kombination von Boulevard und Allee sollte man nicht aus ökonomischen oder technischen Gründen aufgeben, zumindest für die Zukunft offen halten. Mit der stillgelegten Bahnstrecke in Richtung Guben hat man eine ideale Möglichkeit für solch eine Verbindung.

Was ist mit dem Theater und dem Branitzer Park?
Am Theater träumt(e) man von einer großen Seebühne. Als Vorbild galt die in Bregenz. Da hätte man die ganz große Kultur jenseits von Feuerfesten an dem See. Und Studenten von der Hochschule Osnabrück haben in ihren Arbeiten im vergangenen Jahr ganz tolle Ideen aufgezeigt, wie man den Branitzer Park mit dem Ostsee verbinden kann.

Das klingt alles nach dem großen Wurf. Ohne das geht es wohl nicht?
Als ich 1998 nach Senftenberg kam, hatten wir da eine ähnliche Situation. Da gab es eine Stadt, an der war später ein See entstanden. Und in der Stadt war man zögerlich, als es darum ging, das Zentrum mit dem Ufer zu verbinden. Erst Stadt und IBA haben es gemeinsam gegen die Bedenken geschafft und einen internationalen Architektenwettbewerb initiiert, der zu dem jetzigen Stadthafen führte. Mittlerweile sind alle in Senftenberg froh, über das, was dort entstanden ist. Wenn man solche Dinge auch in Cottbus hinterfragt, kann mit dem Ostsee für Cottbus etwas Fantastisches gelingen.

Ist es aber für den großen Wurf am Cottbuser Ostsee nicht schon zu spät? Immerhin soll ab 2018 geflutet werden.
Naja, solche Dinge kann man schon nicht aus dem Hut zaubern. Noch ist aber nichts kaputt. Alle sollten aber wissen, dass es immer besser und natürlich auch kostengünstiger ist, wenn man im Trockenen baut. Ich plädiere aber auch gern für den Mut, ruhig mal etwas offen und ungeplant zu lassen. Manche Dinge und Ideen entwickeln sich erst, wenn man das Gelände nutzt. Jeder Hausbauer weiß, wovon ich rede. Die zweite Herausforderung ist, die Bürger bei den Projekten mitzunehmen.

Wie kann das gelingen?
Das Thema muss immer wieder auf den Tisch. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Gibt es bei Ihnen ein Stadtfest?

Ja, jedes Jahr im Juni mit mehreren zehntausenden Besuchern.
Na, bitte. Warum veranstaltet man das zum Beispiel nicht auf der zukünftigen Verbindung zum Ostsee? Vielleicht nicht jedes Jahr, aber vielleicht alle drei Jahre. Da müssen dann natürlich die wichtigsten Akteure in der Stadt mitwirken, wie zum Beispiel das Staatstheater. Eine andere Idee könnte auch ein regelmäßig erscheinendes Magazin zum Ostsee sein. Die Osnabrücker Studenten haben eines erstellt und gezeigt, wie das aussehen könnte.

Vor Kurzem gab es in der RUNDSCHAU von der Stadtmarketing-Chefin Gabi Grube die Vision eines Ostsees mit einem durch und durch nachhaltigen Tourismuskonzept. Was halten Sie von einer solchen Idee?
Ganz so radikal würde ich es nicht machen. Ich würde zum Beispiel die Autos vom See nicht komplett verbannen. Dafür geht zudem ja auch die Umgehungsstraße zu nah am See vorbei. Da kann man nicht so tun, als wäre man in Ökotanien. Aber ansonsten waren da schöne Anregungen dabei. Genau so was braucht es. Die Idee mit den regionalen Produkten beispielsweise haben auch die Osnabrücker Studenten aufgegriffen. Das wäre eine Variante, um den dörflichen Seiten des Ostsees einen eigenen Charakter zu geben. Warum denn die alte Scheune abreißen, um daneben in einer neuen Bretterbude ein Café aufzumachen? In Sedlitz gibt es ein gelungenes Beispiel.

Und wie fügt sich der Ostsee in das ganze Seenland-Gebilde ein?
Das geht eben nur, wenn man auf diese großstädtische Anbindung setzt. Wir haben bei der IBA ganz bewusst darauf geachtet, dass jeder See sein eigenes Profil hat. Da gibt es die für den Tourismus, die für den Naturschutz, die, auf dem man auch mal mit laut knatternden Motorbooten fahren darf ... Wenn jeder See nur einen Hafen, einen Strand und einen Radweg rundrum hätte, wäre das ja langweilig. Eben nur mit diesen unterschiedlichen Angeboten lockt man auch die Touristen aus Berlin, aus Dresden oder aus Prag.

Mit Professor Dr. Rolf Kuhn sprach Daniel Steiger

Zum Thema:
Im Braunkohletagebau Cottbus-Nord soll künftig der Cottbuser Ostsee, das größte Gewässer des Landes Brandenburg, entstehen. Im Jahr 2001 wurde in einem europaweiten Wettbewerb eine Ideensammlung entwickelt, aus der ein Masterplan für die Gestaltung des 1900 Hektar großen Sees und der umliegenden Uferabschnitte erstellt wurde. Erstes sichtbares Zeichen der neuen Landschaft ist ein 34 Meter hoher Aussichtsturm am Westrand des Tagebaus. 2009 wurde mit dem Bau des zweiten Aussichtsturms auf der Ostseite des zukünftigen Sees begonnen, der im Juli 2010 fertiggestellt wurde. Nach dem aktuellen Masterplan wird der Tagebau Cottbus-Nord am 23. Dezember 2015 geschlossen werden und 2018 mit der Flutung des Restlochs begonnen werden. Die Planungen des Sees sehen mehrere Jachthäfen, eine Fährverbindung Cottbus-Neuendorf und mehrere Badestrände vor.

Zum Thema:
Rolf Kuhn (geboren am 8. Dezember 1946 in Ratscher/Thüringen) ist ein deutscher Städtebauer und Gebietsplaner. Er war Direktor des Bauhauses Dessau und Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land und gilt als einer der Köpfe des Lausitzer Seenlandes. Viele der touristischen Attraktionen sind unter dem Schirm der IBA erdacht und erarbeitet worden. Kuhn ist Träger des Verdienstordens des Landes Brandenburg. Heute ist Rolf Kuhn Vorsitzenden des IBA Studierhaus Lausitzer Seenland e. V. Kuhn ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt heute in Großräschen.

Zum Thema:
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