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| 17:42 Uhr

Jubiläum eines Künstlers
Kunst für den öffentlichen Raum

 Der Cottbuser Künstler Horst Ring in seinem Atelier.
Der Cottbuser Künstler Horst Ring in seinem Atelier. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Der Cottbuser Künstler Horst Ring feiert seinen 80. Geburtstag und hat den Kopf immer noch voller Ideen für neue Werke. Von Nils Ohl

Wer das Atelier von Horst Ring in seinem Einfamilienhaus im Cottbuser Süden betritt, findet sich in einer unüberschaubaren Menge an Gemälden, Grafiken, Fotos und Skizzen wieder - ein kleiner Eindruck vom Lebenswerk dieses Künstlers, der am 19. September seinen 80. Geburtstag feiert. Eines Künstlers, der das Stadtbild von Cottbus über mehrere Jahrzehnte mit geprägt hat.

„Mit Keramik ging es los“, erinnert sich Horst Ring. Für das RAW sollte um 1970 ein Wandbild „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ entstehen. Den Wettbewerb gewann der damals 25-Jährige gegen etablierte Künstler. Das Keramikbild ist heute noch auf dem Werksgelände der Deutschen Bahn zu sehen. Die sowjetische und die DDR-Fahne darauf waren im ersten Entwurf allerdings nicht enthalten. „Die sollte ich einfügen. Es war das erste und letzte Mal, dass ich so etwas getan habe“, erklärt Ring.

 Der Krebs vor dem Cottbuser Stadthaus ist ein Werk von Horst Ring.
Der Krebs vor dem Cottbuser Stadthaus ist ein Werk von Horst Ring. FOTO: LR / Nils Ohl

Der stählerne Krebs

Sein bisher letztes Werk am Bau ist der stählerne Krebs vor dem Stadthaus Cottbus. Dazwischen lagen zahlreiche Wandbilder, Skulpturen, Springbrunnen oder auch komplett bemalte Fassaden.

„Leider ist inzwischen vieles weg“, bedauert der Künstler.  Nach der Wende wurde mit Rück- oder Umbau von Gebäuden auch viel Kunst am Bau vernichtet. Allein von ihm seien zehn Wandbilder aus Cottbus verschwunden, genauso wie drei Springbrunnen in der Stadtpromenade. „Genau dort, wo jetzt die Brachfläche ist“, wie Horst Ring betont.

Erstaunlich bleibt die Vielfalt an Materialien, mit denen der Künstler im Lauf seines Lebens gearbeitet hat: Papier, Leinwand, Keramik, Stahl, Glas.

Erfüllter Traum eines Elfjährigen

Eines seiner wichtigsten Werke sind die Glasfenster am Gymnasium seiner Geburtsstadt Salzwedel. „Ich erinnere mich noch genau als Kind an den Geruch im Bierkeller des Rathauses, in den wir bei Bombenalarm geflüchtet sind“, sagt der 1939 Geborene.

Den Entschluss, Maler zu werden, fasste er mit elf Jahren. „Ich habe bis dahin Geige gespielt, was mir nicht mehr gefallen hat.“ Anders als viele Jungen in diesem Alter blieb er seinem Traum treu und studierte später an der Hochschule für bildende Künste in Dresden bei Professor Hans-Theo Richter, einem Meisterschüler von Otto Dix.

Diplomarbeit in Schwarze Pumpe

In die Lausitz kam er durch seine Diplomarbeit im Kombinat Schwarze Pumpe, die sich künstlerisch mit den Veränderungen der Landschaft durch den Kohleabbau auseinandersetzte. „Ich haben 1965 die Landschaft, die Tagebaue und die Arbeiter gezeichnet und daraus Holzschnitte gemacht.“ Der Ort dieser Arbeiten war der Tagebau Welzow-Süd, der damals erschlossen wurde. „Solche gewaltige Löcher in der Landschaft, die riesige Technik, so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen“, erinnert sich Horst Ring. „Für mich war das aber auch die Vernichtung einer wunderbaren Landschaft.“

Da sich in Schwarze Pumpe weitere Aufträge ergaben, zog Horst Ring 1968 mit Frau und Kindern nach Cottbus.

Von hier aus schuf er Werke für Schulen, öffentliche Gebäude, Schwimmhallen oder Wohnhäuser in vielen Orten ehemaligen DDR. „Diese Kunst am Bau war meine Lebensgrundlage als freischaffender Künstler“, sagt Horst Ring. „Ich hatte ständig Aufträge.“

Zunehmend Bilder gefragt

Nach der Wende änderten sich die Verhältnisse. So gab es zwar noch Aufträge für Kunst am Bau wie für das neue Sparkassengebäude in Cottbus, aber auf dem gesamtdeutschen Kunstmarkt waren zunehmend die Bilder gefragt.

„Baugebunden mache ich jetzt gar nichts mehr“, so der Jubilar.  Dafür entstehen pro Tag mindestens vier Skizzen als Vorlage für seine Gemälde. Dabei konzentriert er sich seit einigen Jahren auf das quadratische Format von 90 mal 90 Zentimetern. „So muss ich mich zwingen, alles, was mirdurch den Kopf geht, in eine feste Form zu bringen“, meint Horst Ring.

Ab einem gewissen Alter liebt man Blau

Ideen für neue Werke hat er zuhauf. Er schöpft, wie er selbst sagt, aus seinem Leben, seinen Erinnerungen und Reisen - früher oft in die Sowjetunion, später nach Amerika. „Mein Kopf ist voll mit solchen Sachen.“ Aber warum haben die meisten seiner jüngeren Werke einen  blauen Grundton? „Ab einem gewissen Alter liebt man das Blau. Das ist Picasso auch so ergangen.“