ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:53 Uhr

Für einen guten Zweck – Der Bundespräsident in Cottbus
Das Staatsoberhaupt zum Anfassen

Bundespräsident Steinmeier zu Gast in Cottbus FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Frank-Walter Steinmeier wird bei einem Benefizkonzert in der Stadthalle von den Besuchern warmherzig empfangen. Von Andrea Hilscher

Sie strahlt. Die 84-jährige Cottbuserin schüttelt immer wieder den Kopf und lacht. „Das glaubt mir doch kein Mensch“, sagt Renate Händel. Dankbar nimmt sie ihre Tochter und ihren Enkelsohn in den Arm. Der Auslöser ihrer Freude ist kein Geringerer als der Bundespräsident. Im Rahmen eines Stehempfanges in der Stadthalle können Besucher des Film-Konzertes „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ hautnah mit Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender plaudern. Renate Händel ist die erste Cottbuserin, die mit beiden ins Gespräch kommt und für ein Erinnerungsfoto in den Arm genommen wird. „Den Abend hier haben mir meine Enkelsöhne zum Geburtstag geschenkt, aber mit so einer Begegnung hat natürlich niemand gerechnet“, strahlt die Seniorin.

Auch Bianca Luban aus Märkisch Buchholz freut sich, als sie nach einiger Wartezeit zu Steinmeier durchdringt. Die frühere ehrenamtliche Bürgermeisterin will sich bei ihm bedanken. „Er hat anlässlich einer Jubiläumsfeier mal so eine tolle Rede über das Ehrenamt gehalten, dass mich seine Worte bis heute bewegen.“ Ihr Mann Robert Luban findet es ebenfalls schön, Steinmeier und Gattin nahe zu kommen. „Aber schon allein der Film ist ein tolles Erlebnis“, sagt er, die etwas längere Anreise habe sich gelohnt.

Es ist eine Tradition, die der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker vor 30 Jahren begründet hat: Immer vor Weihnachten richtet das Bundespräsidialamt ein Benefizkonzert aus, in wechselnden Bundesländern und mit immer neuen Spenden-Empfängern. „Nach 2007 war nun wieder Brandenburg an der Reihe“, erklärt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Da Brandenburg schon immer ein Filmland gewesen sei, im übrigen das Filmorchester Babelsberg sein hundertjähriges Bestehen feiert und an Weihnachten ohnehin niemand an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ vorbeikomme, lag die Idee nahe, Kino- und Konzerterlebnis zu verbinden: Der 45 Jahre alte Film lockt 1200 Menschen aus der ganzen Lausitz in die Cottbuser Stadthalle, die Musik dazu wird von den Babelsbergern perfekt und präzise live präsentiert. „Man merkt keinen Unterschied zu den alten Aufnahmen von früher“, sagt eine Besucherin glücklich, und Woidke ergänzt: „Mit dem Unterschied, dass man hier den Film mal in Ruhe und am Stück sehen kann. Zuhause ist man nebenbei doch immer irgendwie damit beschäftigt, Gänsen die Beine abzuschneiden.“

Frank-Walter Steinmeier, der direkt nach seiner Rückkehr aus China nach Cottbus gefahren ist, geht in seiner Begrüßungsrede nicht auf die Spannungen ein, die Anlass für seine letzten Besuche in der Lausitz waren. Er erzählt vielmehr, was ihn bewegt, wenn er von Menschen hört, die nicht mehr lange leben dürfen. „Ihre Wünsche gehen zu Herzen. Noch einmal ans Meer fahren oder an einen geliebten Ort. Die Hochzeit der Enkelin besuchen können. Das ist es, was am Ende des Lebens wichtig wird.“ Diese Wünsche zu erfüllen ist das Ziel eines Projektes vom Arbeiter-Samariter-Bund ASB. Mit dem „Wünschewagen“ fahren medizinisch ausgebildete Ehrenamtler schwerstkranke Menschen an das Ziel ihrer Träume. Eine Arbeit, die der Bundespräsident unterstützen möchte: Die Hälfte vom Erlös seines Benefizkonzertes geht an das Projekt des ASB. Dessen Präsident Franz Müntefering freut sich über die Unterstützung, ist extra mit Steinmeier nach Cottbus gekommen. Die andere Hälfte des Erlöses fließt auf Wunsch von Dietmar Woidke an Kinder- und Jugendprojekte des ASB in Brandenburg.

Auch der Ministerpräsident und seine Frau genießen den entspannten Abend in Cottbus sichtlich, bei Bier, Brezeln und natürlich Haselnüssen zum Knabbern plaudert er mit den Besuchern, stellt sich immer wieder für Fotos bereit und muss fast ebenso viele Autogramme geben wie Steinmeier.

Mit einem ganz besonderen Anliegen wendet sich der Groß Gaglower Ortsvorsteher an den Bundespräsidenten: Er sucht Unterstützung bei der Lösung im Konflikt zwischen Grundstückseigentümern und der Jewish Claims Conferenz (JCC), die sich um die Entschädigung von Hinterbliebenen jüdischer Opfer des Zweiten Weltkrieges kümmert. Der Bundespräsident will nun einen Kontakt zwischen den Konfliktparteien ermöglichen. „Vielleicht kommen wir so einer Einigung näher“, hofft Dieter Schulz. Auch der Ministerpräsident will dabei helfen.

Bundespräsident Steinmeier zu Gast in Cottbus FOTO: Michael Helbig