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| 15:07 Uhr

Medizinserie „Der besondere Fall“
Lebensretter im Miniaturformat unter der Haut

Dr. Volker Herwig (l.) und Kardiologe Marcin Widawski kontrollieren bei einer Nachuntersuchung die Herzfunktion. Das Ultraschallbild zeigt, dass das Herz von Ewald Krüger nach der Operation wie gewünscht funktioniert.
Dr. Volker Herwig (l.) und Kardiologe Marcin Widawski kontrollieren bei einer Nachuntersuchung die Herzfunktion. Das Ultraschallbild zeigt, dass das Herz von Ewald Krüger nach der Operation wie gewünscht funktioniert. FOTO: Daniela Kühn
Cottbus. In unserer Serie „Der besondere Fall“ erzählen wir von außergewöhnlichen Schicksalen, Diagnosen und medizinischen Wegen. Der 25. besondere Fall kommt aus dem Sana-Herzzentrum. Von Daniela Kühn

Fast 30 Kilo hat Ewald Krüger abgenommen. Ungewollt und ohne erkennbaren Grund. „Es gab keine Erklärung für meinen Gewichtsverlust“, berichtet der 74-jährige Brandenburger. „Aber die Auswirkungen waren enorm. Ich wurde schwächer und schwächer.“

Erst schleichend, bald jedoch ganz offensichtlich ging es dem früheren Koordinator im Stahlwerk Brandenburg immer schlechter.

Viele Monate zog sich dieser Prozess hin, begleitet von zahlreichen medizinischen Untersuchungen. Doch die Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten fanden keine Ursache für die Beschwerden. „Meine Frau und ich befürchteten das Schlimmste, da mir niemand sagen konnte, was mit mir ist. Diese Ungewissheit war unerträglich. Am Ende ging gar nichts mehr“, berichtet Ewald Krüger.

Nach über einem Jahr dann endlich die Diagnose: „Ich hatte eine Infektion, die sich von meinem Herzschrittmacher aus in meinem Körper ausgebreitet hat.“

Wäre sie nicht erkannt worden, hätte sie ihn das Leben gekostet.

Nach einem Herzinfarkt und wegen einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz ist der Brandenburger auf die Technik in seinem Körper angewiesen. Die Ärzte der Klinik in seiner Heimatstadt handelten zügig. „Sie wandten sich an das Sana-Herzzentrum Cottbus – zum Glück. Hier kümmerte sich Dr. Volker Herwig um mich.“ In einer mehrstündigen Operation explantierte der Facharzt für Herzchirurgie und Oberarzt der Kardiologie den alten Herzschrittmacher. Nachdem die Infektion abgeklungen war, wurde dem Patienten in seinem Heimatkrankenhaus unterhalb der rechten Schulter ein neuer Defibrillator implantiert. Allerdings kehrte die Infektion zurück und die Diagnose ergab, dass auch das neue Gerät entfernt werden muss.

„Um nicht erneut einen Fremdkörper in das Herz einzubringen, entschieden wir uns für einen völlig anderen Weg“, sagt Dr. Volker Herwig. „Zum ersten Mal setzten wir im Sommer 2017 in unserem Herzzentrum einen subkutan implantierbaren Cardioverter Defibrillator ein. Er kommt direkt unter die Haut. Herz und Venensystem bleiben davon unberührt.“

Mit diesem Eingriff hat der Mediziner dem Patienten einen weiteren langen Leidensweg erspart. Zusätzlich bekam Ewald Krüger einen Herzschrittmacher mit drei epikardialen (die Außenseite des Herzens betreffend) Elektroden.

Diese Systeme arbeiten wie ein Minicomputer. Schlägt das Herz zu langsam, gibt der Schrittmacher Impulse ab, und schlägt das Herz viel zu schnell, dann gibt der Defibrillator einen Impuls ab. „Während bei einem herkömmlichen Defibrillator die Drähte im Herzen implantiert sind, nimmt das subkutane Gerät die Signale über die Elektroden auf, die unter der Haut liegen“, erläutert Dr. Volker Herwig. Das Risiko einer endokardialen (die innere Schicht des Herzens betreffend) Infektion könne so weitestgehend ausgeschlossen werden, da Herz und Blutgefäße unberührt und intakt bleiben.

Für Ewald Krüger ist der Lebensretter im Miniaturformat die optimale Lösung. „Dieses kleine Wunder der Technik überwacht nicht nur den Herzrhythmus“, erklärt der Mediziner dem Patienten bei einer Nachuntersuchung. „Bei lebensbedrohlichem extremen Herzrasen oder Kammerflimmern wird ein Elektroschock abgegeben. Sollte das Herz zu langsam schlagen, setzt der epikardiale Schrittmacher ein und sorgt so für einen regelmäßigen Herzschlag. Der plötzliche Herztod wird damit verhindert.“

Dem Rentner aus Brandenburg geht es seit dem Eingriff immer besser, worüber auch seine Frau Rosemarie erleichtert ist. „Körperlich macht mein Mann große Fortschritte. Sein Lebensmut ist zurückgekehrt.“ Die täglichen Spaziergänge sind für den 74-Jährigen kein Problem mehr, und er hat wieder sein Normalgewicht erreicht. „Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel esse“, sagt er schmunzelnd.

Die Kontrolluntersuchungen in seiner Heimatstadt nimmt er regelmäßig wahr, die Werte sind in Ordnung. „Ich bin Dr. Herwig und dem Team des Herzzentrums sehr dankbar, dass sie mich wieder so hergestellt haben.“

Der besondere Fall 4c
Der besondere Fall 4c FOTO: Katrin Janetzko / LR