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Der Bahnhof als Bühne des Lebens

Was auf einem Bahnhof so alles passieren kann, zeigte sich im Spiel der Laiendarsteller Lina Löbner (l.), Christian Ameln und Jula Zwicker bei der Probe am vergangenen Freitag.
Was auf einem Bahnhof so alles passieren kann, zeigte sich im Spiel der Laiendarsteller Lina Löbner (l.), Christian Ameln und Jula Zwicker bei der Probe am vergangenen Freitag. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Das erzählerische Potenzial von Durchgangsorten, wie Bahnhöfen und Flughäfen, wurde in der deutschsprachigen Theaterlandschaft bereits vielfach erkannt und ausgeschöpft. Wohin wird die Reise gehen? Wer wird von wem begleitet und geht es letztlich überhaupt noch um das Ziel, oder ist die Reise das Ziel? Mit ähnlichen Fragen hat sich das Ensemble des Theaterjugendclubs vom Staatstheater beschäftigt. Jenny Theiler

Acht theaterbegeisterte Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren schufen in monatelanger Zusammenarbeit einen spannenden Krimi, bei dem der Bahnhof als Schauplatz eine ungewöhnliche, aber dennoch völlig neue Bedeutung erhält. Am Freitag, den 23. Juni findet die Premiere von "Gleis 3 Zehn" statt.

Den Grundstein für die Handlung legte Clubleiterin Nadine Tiedge. Sie erinnerte sich an eine einprägsame Begebenheit auf einem Bahnhof. "Ich habe die wartenden Fahrgäste beobachtet und hatte das Gefühl, dass dieser Bahnhof eingefroren war und die Leute einfach vergessen haben, wo sie hin wollen", so die Theaterpädagogin. Im November vergangenen Jahres wurde damit begonnen, die Idee kreativ zu verarbeiten. Zusätzlich sammelten die Jugendlichen Themen, die sie besonders beschäftigten, wie beispielsweise Freundschaft, Angst, Schmerz, Identität und Anderssein. Mit freien Improvisationen und Frage-Antwort-Spielen wurden Fakten und Ideen gesammelt, aus denen sich die einzelnen Figuren formatieren konnten. Handlungsstränge und Texte wurden von den jungen Darstellern gemeinsam mit Nadine Tiedge entwickelt. Am Ende entstand eine Geschichte, bei der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer wieder verschwimmen und ein Spannungsbogen aufgebaut wird, der sich ganz zum Schluss in einem gut durchdachten Finale entlädt. "Wir wollen mit diesem Stück keine spezielle Zielgruppe erreichen", erklärt Hauptdarsteller Christian Ameln. "Es behandelt ein sehr allgemeines Thema, mit dem sich nahezu jeder identifizieren kann", so der 20-Jährige.

Im Vordergrund des Stücks steht Marvin, der mit dem Zug von Berlin nach Cottbus reist und unterwegs auf einem fremden Bahnhof stecken bleibt. Seltsame Gestalten begegnen ihm auf dem "Bahnsteig 3 Zehn". Jeder will woanders hin und dennoch haben am Ende alle nur ein Ziel. "Wir haben nicht geglaubt, dass so etwas dabei rauskommt", berichtet Lina Löbner über die Zusammenarbeit mit ihren jugendlichen Kollegen. "Aber wir sind trotzdem sehr stolz auf das, was wir erreicht haben", so die Darstellerin. Das derzeitige Ensemble hat sich erst im November formiert. Seit mehr als einem halben Jahr arbeiten junge Laiendarsteller mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz zusammen. "Die Kennenlernphase war sehr intensiv und es wurde während der Proben nie langweilig", erinnert sich Caroline Quos.

Beim Ablauf der Probe am vergangenen Freitag in der Cottbuser Kammerbühne fiel auf, dass die Abläufe im Laientheater den strengen Arbeitsweisen auf professionellen Bühnen weitgehend gleichgestellt sind. Jedem Darsteller wird im gleichen Maße Respekt und Kritik entgegengebracht. Eine Sonderbehandlung für Jugendliche gibt es nicht. Ob Laie oder Profi, ob unerfahren oder ein alter Hase - auf den Brettern, die die Welt bedeuten, werden alle gleich behandelt. Kritikpunkte, die für das Publikum nicht sofort ersichtlich sind, werden offen angesprochen und geklärt. Auch wenn im professionellen Theater schneller und effizienter gehandelt wird, so beweist die Arbeit des Theaterjugendclubs, dass trotz Spaß und Hobby, auch die Qualitätsansprüche an die eigene Leistung sehr hoch sind, sowohl bei den Darstellern, als auch bei den erwachsenden Mitwirkenden.

Zum Thema:
Die Premiere von "Gleis 3 Zehn" findet am Freitag, den 23. Juni um 19.30 Uhr in der Kammerbühne, Wernerstraße 60, statt. Weitere Vorstellungen sind am Montag, den 26. Juni, Dienstag, den 27 Juni und Donnerstag den 6. Juli, jeweils 19.30 Uhr.