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Denkmale, Sprache, Baumkuchen

Das im Jahr 1908 eröffnete Cottbuser Staatstheater im Jugendstil.
Das im Jahr 1908 eröffnete Cottbuser Staatstheater im Jugendstil. FOTO: mih1
Cottbus. Diesen Einstieg in den "Tag des offenen Denkmals" hat es in Cottbus noch nicht gegeben. Eine spektakuläre Ausstellung von Studenten des Welterbe-Lehrstuhls an der BTU Cottbus-Senftenberg weitet den Blick und lenkt ihn auch auf Gebäude und Orte, die durchaus noch zum Denkmal werden können. Christian Taubert

"Die Sicht von außen auf die Cottbuser Denkmallandschaft macht diese Ausstellung so besonders", erklärt BTU-Gastprofessorin Britta Rudolff. Es werde deutlich, welche Beziehung ausländische Weltkulturerbe-Studierende zur Architektur und Geschichte der Stadt, in der sie vorübergehend leben, haben. Die neuen Mitbürger seien gebeten worden, je ein Denkmal auszuwählen, um oft aus sehr persönlicher Perspektive zu schildern, warum sie dieses Denkmal als ihr Kulturerbe betrachten und wertschätzen.

Hinzu kommt, dass die zwölf Studenten Cottbuser Bürger dazu befragt haben, wie sie sich mit den Denkmalen ihrer Stadt identifizieren. "Es hat schnelle Antworten gegeben", verrät Prof. Rudolff, "die sehr oft mit der eigenen Biografie zu tun hatten." Somit sind 24 Sichtweisen auf die Cottbuser Denkmal-Landschaft entstanden, die auf 24 multimedial unterstützten Tafeln im Rathausfoyer zu sehen sein werden. Hinzu kommen zwei Videos. Sie können auch angesehen werden, wenn die Schau geschlossen ist. Denn die Filme werden auf eine Milchglaswand hinter den Fensterscheiben projiziert und sind so auch von außen sichtbar.

Das Thema des Tages des Denkmals 2017 heißt "Macht und Pracht". Es ist demzufolge nicht verwunderlich, dass Zeitzeugen wie das Staatstheater Cottbus in der BTU-Ausstellung hineinziehen. Und dennoch sind es nach Angaben der BTU-Professorin vielfach Orte fernab des traditionellen Denkmalkanons, die genannt und dargestellt werden. Darunter seien Wohn- und Geschäftsgebäude, Parks oder Gedenkstätten in verschiedenen Stadtteilen. Zwei Paneele beschäftigen sich zudem mit immateriellem Erbe - die Zweisprachigkeit der Cottbuser Ortsnamen und die kulinarische Tradition des Cottbuser Baumkuchens.

Wenn sich bundesweit am zweiten Sonntag im September wieder Millionen von Architektur- und Geschichtsliebhabern zu Streifzügen in die Vergangenheit begeben, dann bekommen die Cottbuser und ihre Gäste nicht nur vier ausgewählte Denkmale (siehe nebenstehenden Beitrag) zu sehen. Vielmehr werden in der Ausstellung der Studierenden Denkmale von einer Person vorgestellt, die ihre Herkunft und Verbindung zum Objekt kurz darstellt, sodass der Besucher neben 24 Denkmälern auch 24 Mitbürger kennenlernen kann.

"Wir tragen so auch zur Internationalität von Cottbus bei", betont Britta Rudolff. "Einige der Studierenden können am Sonntag auch persönlich getroffen werden." Die Professorin bestätigt, dass sich darunter auch drei Ägypterinnen befinden, die nach dem tödlichen Verkehrsunfall einer ihrer Kommilitoninnen zu Ostern vor der Stadthalle auf Empfehlung aus Kairo den Wohnort Cottbus verlassen mussten. Sie gehörten zu den zwölf Studierenden, die die Befragung der Cottbuser vornahmen und so die Ausstellung ermöglichten.

Die Ausstellung "Mein Denkmal in Cottbus" wird am Sonntag von Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) um 11 Uhr im Rathausfoyer (Neumarkt 5) eröffnet.