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| 20:47 Uhr

28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg läuft in Cottbus und Schwarzheide
Den Tätern Salz und Säure auf der Spur

Konzentration bei der experimentellen Klausur Analytische Chemie während der 28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg am Freitagnachmittag im Max-Steenbeck-Gymnasium Cottbus, im Bild: Anton Haas und Nele Gebler vom Steenbeck-Gymnasium Cottbus, Jahrgangsstufe 9.
Konzentration bei der experimentellen Klausur Analytische Chemie während der 28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg am Freitagnachmittag im Max-Steenbeck-Gymnasium Cottbus, im Bild: Anton Haas und Nele Gebler vom Steenbeck-Gymnasium Cottbus, Jahrgangsstufe 9. FOTO: Beate Möschl / LR
Cottbus/Schwarzheide. Klausuren statt Freizeit. Das haben sich 44 Schülerinnen und Schüler aus Potsdam, Eberswalde, Fürstenwalde, Schwedt, Schwarzheide, Klein Machnow, Frankfurt (Oder), Cottbus und Oranienburg so ausgesucht. Sie qualifizierten sich für die 28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg. Von Beate Möschl

Das Max-Steenbeck-Gymnasium summt am Freitagnachmittag wie ein Bienenkorb. Es ist Schulschluss und die meisten Schüler strömen hinaus, einige jedoch wollen jetzt hinein. Es sind die Teilnehmer der 28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg.

Das Steenbeck hat sich mit seiner aufmerksamen, umsichtigen Organisation, unterstützt von der engagierten Landeskommission Chemieolympiade, einen Namen gemacht und ist zur Stamm-Arena für die Austragung des experimentellen Teils der Chemieolympiade geworden. Nach 28 Jahren zuverlässiger Organisation bis hin zur Unterbringung gab es dafür am Freitag extra Lob vom zuständigen Schulrat. 

Luise Stroisch war die jüngste Teilnehmerin der 28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg. Die Achtklässlerin aus dem Steenbeck-Gymnasium in Cottbus hat  landesweit als einzige der insgesamt 17 Frühstarter erfolgreich die Qualifikation zur Teilnahme an der Landesolympiade erreicht.
Luise Stroisch war die jüngste Teilnehmerin der 28. Chemieolympiade des Landes Brandenburg. Die Achtklässlerin aus dem Steenbeck-Gymnasium in Cottbus hat landesweit als einzige der insgesamt 17 Frühstarter erfolgreich die Qualifikation zur Teilnahme an der Landesolympiade erreicht. FOTO: Beate Möschl / LR

221 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11 aus 23 Schulen des Landes Brandenburgs waren ins Rennen gegangen um die Qualifikation für die Landesolympiade. Darunter 17 Frühstarter der Klassenstufe acht.

45 haben sich qualifiziert. Die Jüngste ist Luisa Stroisch. Die Achtklässlerin vom Steenbeck-Gymnasium Cottbus ist die einzige Frühstarterin, die es ins Finale geschafft hat. Gemeinsam mit ihrer Oma, die ihr als ehemalige Chemie-Lehrerin viel beibringen kann, und Hannes Halpick, einem Mitschüler der 10.–Klasse und Mitglied der Chemie AG, hat sie sich intensiv auf die experimentelle Klausur vorbereitet – und einen Platz in der ersten Reihe bekommen im Fachkabinett. So ist sie näher dran, wie  Fachlehrerin Angelika Bossow erzählt, die ihr natürlich die Daumen drückt — schwer zu sagen, wer mehr aufgeregt ist.

Was schnell Raum greift nach der kurzen Einweisung, ist konzentrierte Stille. Das Aufgabenblatt muss gelesen und eine Strategie gefunden werden.

Unter dem Motto „Den Tätern auf der Spur“ sollen die Teilnehmer der Jahrgangsstufen 9 und 10 herausfinden, welche der fünf aufgelisteten Substanzen (Salze) in den für das Experiment vorbereiteten Pipetten enthalten ist.

Das erste Mal bei einer Chemieolympiade auf Landesebene dabei war Linda Mienack vom Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasium in Frankfurt (Oder). Bei Fragen half im erlaubten Rahmen Zwölftklässler Fritz Bahns vom Steenbeck-Gymnasium.
Das erste Mal bei einer Chemieolympiade auf Landesebene dabei war Linda Mienack vom Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasium in Frankfurt (Oder). Bei Fragen half im erlaubten Rahmen Zwölftklässler Fritz Bahns vom Steenbeck-Gymnasium. FOTO: Beate Möschl / LR

Die Jahrgangsstufe 11 experimentiert unterdessen im Labor mit Milchsäure. Einen Schmierzettel gibt es für jeden dazu, auf dem er sich Notizen machen kann. Auch der wird am Ende in die Bewertung einfließen, zusammen mit dem Arbeitsprotokoll und den Lösungen. Ein Wissenstest und die theoretische Klausur am Samstag im Kulturhaus der BASF Schwarzheide schließen sich an.

Bis zur Siegerehrung am Samstag um 15 Uhr blieb es spannend. Dafür sorgt die BASF mit einer Werksrundfahrt und Besichtigung ausgewählter Produktionsstätten.

„Die BASF Schwarzheide ist ein Chemieunternehmen, das nicht nur seine Produktionsaufträge erfüllt, sondern in vielfältiger Weise gesellschaftliche Verantwortung in der Region übernimmt. Ein Schwerpunkt unseres Engagements besteht darin, junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern und zu unterstützen, damit sie sich im besten Fall für eine berufliche Zukunft in den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entscheiden“, sagt Pressesprecher Arne Petersen.

Für die Chemieolympiade des Landes Brandenburg ist die BASF Schwarzheide nach 2015 zum zweiten Mal Mitausrichter. Der Fachkräftebedarf ist groß. „Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und zukünftiger Investitionen sind aktuell in größerem Umfang Stellen zu besetzen.

Zusätzlichen Bedarf gibt es ebenso im Zuge der Digitale Transformation des Standortes. Gesucht werden Data Scientist sowie Ingenieure mit Schwerpunkt Chemietechnik, Verfahrenstechnik, Automatisierungstechnik und Maschinenbau ebenso wie Industriemeister und Chemikanten“, schildert Petersen.

Bei den Teilnehmern der Chemieolympiade treffen Unternehmen wie die BASF auf offene Ohren. Oder umgekehrt, die Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben öffnet Augen und Ohren für berufliche Perspektiven. „Man kommt viel rum durch die Wettbewerbe, und durch Praktika. Dadurch habe ich schon einige Universitäten und Unternehmen gesehen“, sagt Fritz Bahns.

Der Zwölftklässler des Steenbeck-Gymnasiums in Cottbus ist diesmal auf der anderen Seite dabei. Als Helfer im Labor, in dem die Jahrgangsstufe 11 ihre experimentelle Klausur absolviert. Seit der 9.  Klasse war er jedes Jahr selbst Teilnehmer  und immer Bester seines Jahrgangs. Das interesse an Chemie hat Bestand. „Ich werde Chemie studieren und dann versuchen, etwas Interdisziplinäres zu machen“, sagt Fritz Bahns. Ob pharmazeutische Industrie oder Chemieunternehmen wie die BASF, Automobilbauer wie BMW oder Rechtsabteilungen von Unternehmen und Patentanwaltskanzleien, überall würden Chemiker gesucht. „Was gerade aufkommt sind Themen wie Brennstoffzelle und Nanotechnologie. Es gibt viele Chancen.“

Mario Sader, Leiter der Chemie AG nickt. Er hat noch zu vielen ehemaligen Schülern Kontakt. „Viele studieren Chemie, manche werden Ärzte, andere gehen in eine ganz andere Richtung, eine wird jetzt Richterin“, berichtet er.  Die Teilnahme an Wettbewerben wie die Chemieolympiade habe keinem geschadet. Im Gegenteil. „So etwas verbindet. Hier treffen Schüler anderer Schulen und Regionen zusammen und vernetzen sich recht schnell. Sie halten Kontakt, fachsimpeln und helfen sich bei Aufgaben. So wie es m Arbeitsleben auch laufen soll. Das ist für alle ein Gewinn.“