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"Den richtigen Zeitpunkt für das Gehen finden"

Wolfgang Krüger will den Ruhestand einfach auf sich zukommen lassen.
Wolfgang Krüger will den Ruhestand einfach auf sich zukommen lassen. FOTO: dpa
Seit 2008 ist Wolfgang Krüger Hauptgeschäftsführer der Indus trie- und Handelskammer Cottbus. Heute feiert er seinen 65. Geburtstag. Ohne Empfang, mit ganz normaler Arbeit. Mit der RUNDSCHAU sprach er über seinen Abschied, die Kreisfreiheit und die Zukunft der BTU.

Herr Krüger, Sie werden heute 65. Zeit für den Ruhestand?
Schwieriges Thema. Mein Renteneintrittsdatum wäre der 1. September, mein Vertrag läuft aber noch bis Mitte 2018. Natürlich mache ich mir Gedanken über mein Alter. Irgendwann müssen die Jüngeren ran, man überlebt sich einfach selber. Aber da ist dann noch das Thema Verantwortung: Ende des Jahres scheidet der IHK-Präsident Klaus Aha aus dem Amt aus. Gemeinsam mit der Findungskommission bemühen wir uns um einen Nachfolger, der dann auch noch seine Einarbeitungszeit braucht und dabei einen erfahrenen Geschäftsführer an seiner Seite haben sollte. 2017 stehen die Neuwahlen zur Vollversammlung an, ein Verfahren mit großem Vorbereitungs- und Organisationsaufwand, das auch nichts ist, was man Neulingen zumuten möchte. Es geht einfach darum, den richtigen Zeitpunkt für das Gehen zu finden. Ich denke, das wird irgendwann im Laufe des Jahres 2017 sein.

Was kommt danach?
Ich habe heute noch keine konkreten Vorstellungen, dafür füllt mich die Arbeit als Hauptgeschäftsführer mit all ihren Facetten aus. Ich lasse den Ruhestand einfach auf mich zukommen.

Zu Beginn Ihrer Amtszeit waren Sie sicher, dass Cottbus eine kreisfreie Stadt bleibt. Ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellt.
In dieser Frage sind ja noch nicht alle Messen gesungen. Warten wir die angekündigte Leitbilddebatte des Innenministers und das Ergebnis der beabsichtigten Funktionalreform ab, dann muss man nüchtern Pro und Con tra einer kreisfreien Stadt Cottbus abwägen. Aber sicherlich würde es die Diskussion erleichtern, wenn sich die Abstimmungsprozesse zwischen Cottbus und dem Kreis schon jetzt verbessern würden. Etwa bei der Frage des Öffentlichen Nahverkehrs sehe ich dringenden Handlungsbedarf.

Was halten Sie von der Idee, dass Forst Kreisstadt des künftigen Landkreises werden soll?
Die Diskussion schon jetzt mit Vorfestlegungen in eine bestimmte Richtung zu lenken, ist nicht hilfreich. Sollte die Kreisfreiheit von Cottbus nicht erhalten werden können, müssen Landkreis Spree-Neiße und Cottbus partnerschaftlich klären, wie die Interessen der Region bestmöglich wahrgenommen werden können.

Sie haben sich in den vergangenen zwei Jahren sehr in der Frage der Fusion von Brandenburgischer Technischer Uni und Fachhochschule Lausitz engagiert. Ist der Fusionsprozess aus heutiger Sicht gelungen?
Ein ganz deutliches Ja. Professor Steinbach, der Präsident der neuen Universität, ist ein Glücksgriff für die Region. Zwar findet nicht alles, was wir im wissenschaftlichen Beirat angedacht haben, seinen Niederschlag, aber Steinbach hat einen richtigen Weg eingeschlagen. Die wissenschaftliche Kompetenz der Universität zu stärken und den Fachhochschulaspekt dennoch zu erhalten, ist wichtig und zukunftsfähig. Aber die Früchte dessen, was jetzt eingeleitet wird, werden wir erst in fünf oder zehn Jahren ernten. Bedauerlich ist, dass das Ministerium sich nicht durchringen konnte, den Professoren mehr Freiheiten etwa bei Unternehmensgründungen einzuräumen, das hätte der BTU einen zusätzlichen Standortvorteil gebracht.

Mit Wolfgang Krüger

sprach Andrea Hilscher

Zum Thema:
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus vertritt die Interessen von über 35 000 Mitgliedsunternehmen aus Südbrandenburg gegenüber Politik und Verwaltung. Wolfgang Krüger ist seit dem Jahr 2008 Hauptgeschäftsführer der IHK. Geboren ist er in Hennigsdorf nordwestlich von Berlin, wuchs aber in Westfalen auf. Er arbeitete bei Zeitung, Hörfunk und Fernsehen. Bevor er IHK-Hauptgeschäftsführer wurde, war er tätig als Staatssekretär unter dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).