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Den Cottbuser Ostsee als Chance begreifen

Der Cottbuser Ostsee diente als Thema für eine spannende Talkrunde in Maust.
Der Cottbuser Ostsee diente als Thema für eine spannende Talkrunde in Maust. FOTO: Rüdiger Hofmann
Maust. RUNDSCHAU und radioeins haben am Mittwochabend Leser und Hörer zu einer öffentlichen Live-Sendung in die Maustmühle nach Maust eingeladen. Thema war dieses Mal der Cottbuser Ostsee. Alle Gesprächspartner waren sich einig, den künftigen See nicht als Risiko, sondern als große Chance zu begreifen. Rüdiger Hofmann

Östlich von Cottbus soll Deutschlands größter künstlicher See entstehen. Fast 20 Quadratkilometer sind geplant, überwiegend gespeist aus Spreewasser. Die Rede ist vom Cottbuser Ostsee, seine Fertigstellung ist für 2025 vorgesehen. Riesiges Freizeitareal und El Dorado für Wassertouristen sagen die einen, schlechte Wasserqualität und Grundwasseranstieg sagen die anderen. Bühne frei für eine interessante Diskussionsrunde am Mittwochabend in Maust, zu der die Moderatoren Jan Siegel (RUNDSCHAU) und Jan Vesper (radioeins) eingeladen hatten.

"Die Aufgaben im Rahmen eines Ostsee-Managements sind klar verteilt", sagt Marietta Tzschoppe, Bürgermeisterin von Cottbus. Eine Kaimauer, der geplante Stadthafen sowie ein etwa 23 Kilometer langer Rundweg sind die drei wichtigsten Säulen der aktuellen Planung. Angedacht seien zudem eine Seeachse von Sandow an den See, Vorhalteflächen für die Parkeisenbahn und mehrere Strandabschnitte.


Quelle: YouTube; User: Leag

Finanziell steht das Projekt auf gesunden Beinen. Wir sind von den Geldern her absolut im Plan", sagt Birgit Schroeck, die bei der Leag das Referat für Mittel- und Langfristplanungen für die Tagebaue Cottbus-Nord und Jänschwalde leitet. Eingestellt seien 300 Millionen Euro, wovon 150 Millionen bisher ausgegeben wurden.

Bedenken gibt es seitens der Bürgerinitiative "Achtung Ostsee". "Wir haben Angst, dass der Ortsteil Maust durch den Ostsee vernässt", sagt Vorsitzender Wilfried Ott. Der Ort sei durch zu hohe Wasserpegel mittelfristig bedroht. Ingolf Arnold, Leiter Geotechnik von der Leag, kann ihm diese Angst nehmen. "Wir können sicher ausschließen, dass Maust vernässt. Es sind somit keine Schäden zu erwarten", so Arnold. Auch seitens der Wasserqualität legt Arnold seine Hand ins Feuer. "Im Unterschied zum Lausitzer Seenland haben wir beim künftigen Ostsee Glück, dass viele Kalkbestandteile enthalten sind, wodurch wir einen ph-neutralen See bekommen werden." Für Taucher sei ein wahres El Dorado zu erwarten, sagt der Geotechniker. Auch die Bedenken hinsichtlich einer möglichen Sulfatbelastung können vom Tisch gewischt werden. "Das ist eher ein politisches Thema. Wir erwarten rund 500 mg/l Sulfat im See. Zum Vergleich: In der Wassersorte San Pellegrino befinden sich 430 mg/l, und das schmeckt noch so gut", sagt Arnold.

Begleitet wird das Vorhaben im Bereich der Ingenieurplanung und des Projektmanagements durch die Firma Aecom. "Wir haben Analysen durchgeführt, wie das Zusammenspiel zwischen See, Stadt und Umland am besten funktionieren kann", sagt Stefan Korb, Geschäftsbereichsleiter von Aecom. Das urbane Zentrum solle effizient mit dem See verbunden werden, denn dann gelinge das Herausstellen eines touristischen Alleinstellungsmerkmals. Dabei soll vor allem auch das wissenschaftliche Potential der Brandenburgischen Technischen Hochschule Cottbus-Senftenberg (BTU) abgerufen werden. Spreewald und Seenland müsse man als weitere touristische Anziehungspunkte nicht als Konkurrenten, sondern als Partner zur baldigen Ostsee-Region betrachten.

Der Bürgermeister der Gemeinde Teichland, Harald Groba, bewertet den See als "einmalige Chance im Rahmen des Strukturwandels". Darauf können sich am Ende des Abends alle Akteure weitestgehend einigen. Der Bekanntheitsgrad der Region werde definitiv erhöht. "Ich bitte die Cottbuser, sich mit Herzblut bei diesem Großprojekt einzubringen", sagt Marietta Tzschoppe. Humorvoll beschließt der Geschäftsführer des zuständigen Ingenieurbüros für Renaturierung, Christoph Gerstgraser, den Abend. "Für mich ist der Ostsee die größte Chance, endlich meinen Segelschein zu machen."

Das radioeins- und RUNDSCHAU-Spezial noch einmal zu Nachhören