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Demontage der TU 134 liegt im Zeitplan

Axel Pohl, Günter Unruh, Carsten Michel und Robert Irrgang demontieren Triebwerksverkleidungen.
Axel Pohl, Günter Unruh, Carsten Michel und Robert Irrgang demontieren Triebwerksverkleidungen. FOTO: ue
Cottbus. Die Uhr auf der Homepage des Flugplatzmuseums tickt unaufhaltsam. Noch bleiben rund 133 Tage bis zum geplanten Eintreffen der Tupolew 134 (TU 134) der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot in Cottbus. Ulrike Elsner

Seit einem Vierteljahrhundert steht die Passagiermaschine auf dem Gelände eines Gasthofs in Grünz bei Penkuhn. Mit ihrer Zerlegung, dem anschließenden Transport und Wiederaufbau hat der Museumsverein sein bisher ehrgeizigstes Projekt in Angriff genommen. "Wir liegen voll im Zeitplan", konstatiert Projektleiter Enrico Peiler nach zwei Aktionen zur Demontage der Maschine im mecklenburgischen Grünz.

Der Transport der einzelnen Baugruppen soll in der Nacht zum 18. Oktober stattfinden. "Wir haben ein enges Zeitfenster", stellt Enrico Peiler klar. Denn für die Beförderung des 33 Meter langen Flugzeugrumpfes, der riesigen Tragflächen und weiterer großformatiger Teile müssen ein Großkran und vier Schwerlasttransporter gemietet und die Autobahn für eine oder je nach Verlauf sogar zwei Nächte voll gesperrt werden.

Ziel ist es, die Ausstellung von mehr als 40 Flugzeugen und Hubschraubern sowie zahlreicher weiterer Projekte um ein besonderes Schmuckstück zu bereichern. Der Fokus liegt dabei auf der Luftfahrtgeschichte der Lausitz. Immerhin gibt es einen direkten Bezug zum Cottbuser Flugplatz, denn eine TU 134A des Regierungsfliegergeschwaders TG-44 hat wiederholt Techniker, Piloten und Angehörige der Fla-Raketentruppen von Cottbus zum Raketenschießen in die UdSSR transportiert.

Das im Jahr 1994 eröffnete Museum lebt vor allem von der Technikbegeisterung und dem Enthusiasmus vieler ehrenamtlicher Helfer. Einer von ihnen ist Hans-Jürgen Möde. Der 85-jährige Kfz-Meister ist federführend beim Bau von Vorrichtungen für die Demontage des 35 Meter langen und knapp zehn Meter hohen Kolosses und so, wie Enrico Peiler betont, vielen jüngeren Helfern ein Vorbild.

Mit sechs Tagen hat im Mai der bisher längste und umfangreichste Arbeitseinsatz an der Maschine in Grünz stattgefunden. "Wichtigste Aufgabe war die Einrüstung des Heckteils", berichtet der Projektleiter. Damit sind die Voraussetzungen für die Demontage des Höhen- und Seitenleitwerks geschaffen worden. Außerdem wurden an beiden Triebwerken alle Verbindungsleitungen zum Rumpf getrennt.

Als eine besondere Herausforderung hat sich die fortgeschrittene Korrosion an allen Schraubverbindungen erwiesen. Viele Schrauben mussten aufgebohrt werden. Überhaupt ist die Aufgabe äußerst anspruchsvoll und stellt die Mannschaft vor immer neue Herausforderungen. Immerhin habe die Maschine 25 Jahre lang zwischen Blumen und Zwiebeln gestanden, betont der Projektleiter. Zur Größe und zum Zustand kommt das Fehlen originaler Hilfsmittel. Fast alles muss speziell angefertigt werden.

"Die wenigsten von uns haben schon an Flugzeugtechnik gearbeitet", räumt Enrico Peiler ein. Er selbst war während seines Wehrdienstes Flugzeugtechniker und arbeitet heute als Elektromeister. Aber alle eint die Technikbegeisterung, die der Projektleiter so auf den Punkt bringt: "Es ist doch großartig, dass ein Stück Eisen, das Tonnen wiegt, dazu gebracht werden kann, sich in die Luft zu erheben."