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| 12:58 Uhr

Stadtpolitik
Demokratie lässt sich lernen

Cottbus. Cottbus unterstützt mit Hilfe eines Bundesprogrammes Initiativen und Veranstaltungen, die das Zusammenleben in der Stadt erleichtern – gerade in schwierigen Zeiten. Von Andrea Hilscher

Der Ruf von Cottbus hat gelitten in den vergangenen Monaten: fremdenfeindliche Demonstrationen, aggressive Auseinandersetzungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, von Brennpunkt und Hotspot ist die Rede. Andrea Müller-Jasinski nimmt eine ganz andere Seite von Cottbus wahr: Eine lebendige, offene, an Entwicklung und Vielfalt interessierte Seite.

Andrea Müller-Jasinski hat über vlele Jahre hinweg die Umsetzung des Bundesprojektes „Demokratie leben! Partnerschaft für Demokratie“ in Cottbus koordiniert. Klingt vielleicht etwas trocken, zudem ist der Bekanntheitsgrad des Projektes deutlich ausbaufähig. Dabei werden mit den Geldern von „Demokratie leben!“ seit vielen Jahren Aktionen gefördert, die aus dem Stadtgeschehen nicht mehr wegzudenken sind. Die regelmäßigen Demonstrationen des Cottbuser Aufbruchs und anderer Akteure am 15. Februar, der Christopher-Street-Day, Kinder- und Jugendkonferenzen im Stadthaus, „Laut gegen Nazis“-Konzerte auf dem BTU-Campus werden von „Demokratie leben!“ finanziell gefördert.

Satte 100 000 Euro stehen für die Arbeit zur Verfügung, 45 000 fließen direkt in die unterschiedlichen Projekte. Andrea Müller-Jasinski: „Ein Begleitausschuss aus 23 Vertretern von Verwaltung, Polizei und verschiedenen Initiativen der Stadt trifft sich alle vier Wochen und entscheidet, welche Förderanträge bewilligt werden.“

Das Humboldt-Gymnasium etwa wird seit Jahren unterstützt. „Die Schüler, die das Projekt ,Schule ohne Rassismus’ tragen, sind wunderbar und leisten eine tolle Arbeit“, schwärmt die Koordinatorin. Ebenso leidenschaftlich erinnert sie an die internationalen Treffen im Familienhaus, an Lesungen über Rechtsextremismus und Hooligans, Theaterstücke, Diskussionsabende oder die viel beachtete Plakataktion „Gesicht zeigen“, mit der die Stadt 2016 überregional Furore machte.

„Cottbus war schon zu DDR-Zeiten ein rechter Hotspot“, sagt Andrea Müller-Jasinski. Insofern sei es für sie nicht überraschend, dass in der Stadt immer wieder schwierige Situationen entstünden. „Auch die aktuelle Lage beschäftigt uns im Begleitausschuss. Wir beobachten sehr genau, was sich hier entwickelt.“

Speziell mit der Förderung von Kinder- und Jugendbeteiligungen im kommunalen Bereich wollen die Netzwerker demokratische Strukturen in der Stadt langfristig stärken. „Eine wehrhafte Demokratie braucht auch Mut, das müssen wir lernen“, ist die Koordinatorin überzeugt.

Als eine von bundesweit 16 Kommunen wurde die Stadt Cottbus jetzt für eine wissenschaftliche Begleitung des Bundesförderprogramms ausgewählt. Dabei stehen die Wahrnehmbarkeit der Projekte, ihre Erfolge und Auswirkungen in das Stadtleben hinein im Mittelpunkt der Untersuchung.