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Demos in Cottbus
Schätzung der Teilnehmerzahl kritisiert

Cottbus. Nach den Demonstrationen in Cottbus hatten die Veranstalter auch die Teilnehmerzahlen kritisiert, die die RUNDSCHAU geschätzt hatte. Die Polizei teilte mit, dass sie grundsätzlich nicht über Teilnehmerzahlen spekuliert.

Nach Auskunft von Ines Filohn hat die Innenministerkonferenz bereits vor etwa zehn Jahren bestimmt, dass deutschlandweit generell von der Polizei keine Zahlen über Veranstaltungsteilnehmer bekannt gegeben werden dürfen. Vorausgegangen waren stete Beschwerden, weil Zahlen der Veranstalter nicht mit denen der Ordnungskräfte überein gestimmt hätten. „Die Veranstalter waren wohl mit unserer Zählweise nicht einverstanden“, sagt Ines Filohn. Die Beamten zählen zwar nach wie vor, es sei aber festgelegt worden, dass die öffentliche Angaben über die Teilnehmerstärke grundsätzlich den Veranstaltern überlassen werde.

Die Polizei sei demnach nicht für die Größe und sowieso nicht für die Inhalte einer Veranstaltung zuständig. „Wir sind der Garant für die Versammlungsfreiheit“, so Filohn, „egal, ob die Veranstaltung uns passen würde oder nicht.“ Das Grundgesetz schreibe vor, dass sie friedlich und ohne Waffen stattfinden müsse, aber Wege und Inhalte blieben den Veranstaltern überlassen.

Wenn eine Veranstaltung angemeldet wurde, erfolge eine Lageeinschätzung, um die benötigten Sicherheitskräfte aktivieren zu können. „Natürlich begnügen wir uns nicht mit Schätzungen der Veranstalter, sondern schauen auch in soziale Netzwerke und nutzen unsere Erfahrungen.“

Die Süddeutsche Zeitung hatte zum Thema recherchiert und berichtet: Die Polizei greife bei ihrer Zählweise auf eine Mischung aus geographischer Rasterung, Erfahrung und Gutdünken zurück, um die Zahl der Demonstranten zu ermitteln: Zuerst teilten die Beamten die Fläche, auf der demonstriert wird, in Quadrate ein. Dann zählen sie die Köpfe in einem Rasterfeld oder schätzen die Anzahl der Personen - meist von einem hohen Haus aus, manchmal mit Hilfe von Luftaufnahmen. Schließlich rechnen sie auf die gesamte Fläche hoch.

Die RUNDSCHAU wird bei der künftigen Berichterstattung eigene Schätzungen zu Teilnehmerzahlen als solche kennzeichnen und diesen eigenen Schätzungen Angaben der Veranstalter gegenüberstellen.

(gro)