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Deisting & Co. gehen auf Versöhnungstour

FOTO: Beyer /sby1
Cottbus. Nach jüngst schwächeren Leistungen in der Oberliga Ostsee-Spree hat sich der LHC Cottbus am Samstag in der Lausitz-Arena deutlich gesteigert und den HC Spreewald überraschend klar mit 38:27 bezwungen. Die Gäste konnten nur in den ersten 15 Minuten mithalten und mussten dann der Überlegenheit des Gastgebers Tribut zollen. Wolfgang Swat / wsw1

Nach Spielschluss sattelte sich Florian Berndt seinen Torwartkollegen Kevin Deisting auf die Schultern. Von dort genoss der 17-Jährige die Anerkennung der 451 Zuschauer für seine zuvor in Serie abgelieferten Abwehrtaten. Schon nach acht Minuten hatte er den diesmal glücklosen Stammkeeper Berndt abgelöst, dem selbst harmlose Bälle durch die Finger geglitten waren. "Ich hatte heute nur Scheiße an den Pfoten. So ist das manchmal. Zum Glück hat das Kevin sehr stark gemacht", rechnete Berndt mit sich ab um gleich zu versprechen: "Es kommen aber auch wieder bessere Spiele von mir."

Nach dem Wechsel zwischen den Pfosten zog der Gastgeber unaufhaltsam davon. "Ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Ein geiles Gefühl ist das, da kann man nicht meckern", freute sich Deisting nach seinem zweiten Auftritt an diesem Samstag. Im Vorspiel in der U 19-Bundesliga hatte er sich noch mit den LHC "Junior Bulls" über eine 29:39-Niederlage ärgern müssen.

Deisting und der LHC also obenauf! Und die auf eine Außenseiterchance hoffenden Spreewälder? "Wir waren Sparringspartner, mehr nicht", stellte HCS-Trainer Dieter Zwieb ernüchtert fest. "Wenn ich nicht Gästetrainer wäre, würde ich schwärmen." Sein Spieler Felix Schulz erkannte an: "Cottbus hat überragend gespielt und uns mit seiner Schnelligkeit wenig Chancen gelassen." Falk Fürstenberg, der den rotgesperrten Marcel Linge als Chef auf der LHC-Bank vertrat, hatte in der Tat wenig zu kritisieren. "Anfangs haben wir uns noch etwas schwer getan und hatten in der Abwehr keinen Zugriff. Alle Spieler haben positive Emotionen gezeigt und ihre Leistungen gebracht", war er zufrieden mit der Einstellung und dem handballerisch Dargebotenen seiner Akteure.

Die hatten unter der Woche Klartext miteinander gesprochen, weil sie mit Beginn der Rückrunde mehr und mehr in ein Formtief abgerutscht waren und sich viel Kritik gefallen lassen mussten. "Wir hatten uns im Training geschworen, dass wir das so nicht stehen lassen können und wollten Wiedergutmachung bei den Zuschauern", fasste Florian Takev den Inhalt der Aussprache zusammen. Der HC Spreewald war der Leidtragende der Trotzreaktion und die Zuschauer die Gewinner der Versöhnungstour ihrer Mannschaft. "Wir haben es den Kritikern gezeigt", war Marcus Meier nach dem fast über die gesamten 60 Minuten engagiert geführtem Spiel zufrieden. "Die Einstellung war heute eine ganz andere. Wir haben von der ersten Minute an Vollgas gegeben", nannte Berndt den Unterschied gegenüber dürftigeren Auftritten.

Natürlich ist zu berücksichtigen, dass sich mit dem LHC der Tabellendritte der Oberliga, der nach Aussage von Berndt "unbedingt noch wenigstens Platz zwei erreichen" will, und dem HCS der Ranglisten-Letzte gegenüber standen. Wehrbereit war der durchaus. Schließlich hatte er im Hinspiel das Geschehen lange Zeit offen halten können und in heimischer Halle nur 31:34 verloren. "Da waren wir besser auf Cottbus eingestellt. Heute ist uns ganz wenig gelungen von dem, was wir uns vorgenommen hatten", analysierte Zwieb. "Die Hälfte der Mannschaft hat ja mal die Cottbuser Sportschule besucht. Die Spieler wollten vielleicht vor den Zuschauern zu viel. Felix Schulz hat heute sein bestes Spiel gemacht, der Rest nicht."

Das war dann zu wenig gegen einen Hausherren, der diesmal von allen Positionen aus gefährlich agierte. "Wir haben kritisch angesprochen, was zuletzt schlecht war. Die Mannschaft hat unter der Woche gut trainiert und heute im Angriff die zweite Welle konsequent gespielt", erklärte Fürstenberg. Bereits zur Halbzeit hatte der LHC beim 20:13 einen komfortablen Vorsprung herausgeworfen. Und diesmal ließen die Rothemden auch im zweiten Spielabschnitt nicht nach, sondern behielten sowohl in der Abwehr als auch im Angriff ihre Linie.

Beim 36:22 sechs Minuten vor Schluss lag für den HC Spreewald gar ein Debakel in der Luft. "Heute packen wir die 40 Tore", frohlockten bereits Cottbuser Fans. Dass es nicht gelang, sollte den Spielern nicht angelastet werden, weil die Gäste stets um Schadensbegrenzung bemüht waren und von ihrem Anhang bis zur letzten Minute in anerkennenswerte Weise unterstützt wurden. So war es insgesamt ein schöner Handball-Abend in fairer Atmosphäre mit einem LHC, der zu Recht obenauf war.