Bus und Bahn sollen bundesweit so attraktiv gemacht werden, dass viele Auto-Nutzer umsteigen. Als Beitrag zum Klimaschutz. Die Idee, den Öffentlichen Personennahverkehr für die Bürger kostenfrei zu machen, findet auch Dr. Markus Niggemann klasse. Trotzdem hebt der Finanzdezernent der Stadt Cottbus aber abwehrend die Hände: „Wir können uns das einfach nicht leisten“, sagt er.

Millionen-Zuschuss für Cottbusverkehr

Etwa sieben Millionen Euro gehen aus dem mageren Stadthaushalt derzeit jährlich an Cottbusverkehr. Bis 2023 steigt die Summe sogar auf zehn Millionen Euro an. „Das Geld wird aber nur für laufende Betriebskosten gebraucht. Investitionen in Gleise und Straßenbahnen sind damit noch nicht abgedeckt“, erklärt Markus Niggemann.

Doch gerade die brauche es dringend. 21 Bahnen stehen bei Cottbusverkehr derzeit im Dienst. 17 davon werden gebraucht, um das Netz zu versorgen, vier stehen als Ersatz bereit. Dass diese Bahnen allerdings mehr als 30 Jahre alt sind und ihre besten Zeiten hinter sich haben, ist bekannt.

Für neue Bahnen in Cottbus zahlt Brandenburg mit

Bis zum Jahr 2023 gibt das Land Brandenburg einen festen Zuschuss von etwa vier Millionen Euro. Etwa drei Bahnen können davon finanziert werden. Für weitere vier muss die Stadt in die eigene klamme Geldbörse greifen. „Wir müssen aber dringend alle 20 Bahnen mal austauschen. Und selbst dann könnten wir nur das aktuelle Netz bedienen und keine weiteren Strecken erschließen“, betont Markus Niggemann.

Derzeit läuft eine Ausschreibung mit Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel. Gemeinsam wollen die drei Städte gleiche Straßenbahnmodelle kaufen. Wer den Zuschlag für diese Ausschreibung bekommt, soll in den kommenden Wochen feststehen, so der Kämmerer.

„Der Vorteil an dieser Zusammenarbeit mit den beiden anderen Städten ist, dass der Preis beim Hersteller sinkt, sobald wir eine größere Menge Straßenbahnen bestellen“, erklärt indes auch Robert Fischer, Sprecher von Cottbusverkehr.

Cottbuser Nahverkehr für Klimaschutz stärken

Knapp elf Millionen Fahrgäste sind im vergangenen Jahr mit Cottbusverkehr gefahren. „Gerade im Zuge des Klimawandels nimmt der Nahverkehr eine Schlüsselrolle ein, um Emissionen (den Schadstoffausstoß – d.Red.) zu senken und die Belastung für die Umwelt zu reduzieren“, sagt Fischer.

Um den Nahverkehr aber auch mit dem Ziel des Klimaschutzes zu stärken, müsse weiter investiert werden. Nicht nur in Fahrzeuge, sondern auch in ­­Netzerweiterungen. Denn: „Den ÖPNV flächendeckend so attraktiv zu machen, dass die Leute das Auto stehen lassen, erfordert Bahnen im Zehn-Minuten-Takt, zu Spitzenzeiten vielleicht sogar alle fünf Minuten“, sagt Robert Fischer. Derzeit sind die Trams im Takt von zehn bis 20 Minuten in der Spur.

Ein Problem sieht der Fachmann auch im Streckennetz, das zuletzt in den 1980er-Jahren angepasst worden sei. „Die Stadt hat sich seitdem verändert. Was noch nicht erschlossen ist, sollte begutachtet werden“, erklärt Fischer und nennt dabei die Cottbuser Außenbezirke, die Universität und den künftigen Medizincampus am Carl-Thiem-Klinikum. „Wir haben uns Strecken rausgesucht, die angefasst werden müssen, aber das ist noch ferne Zukunftsmusik“, sagt er.

Kämmerer sieht seine Aufgabe in der Haushaltssanierung

Den Vorschlag, den ÖPNV in Cottbus gänzlich kostenfrei zu machen, hält Finanz-Chef Markus Niggemann für unrealistisch. „Der Vorschlag und die Idee sind ja grundsätzlich nicht falsch. Aber meine Aufgabe als Kämmerer ist es, den Haushalt zu konsolidieren. Und wir können uns das nun einmal nicht leisten“, sagt er.

An vielen Stellen der Stadt gebe es erhebliche Defizite, deren Behebung notwendiger sei. Im Rahmen des Strukturwandels müsse die Entwicklung des TIP-Geländes mit mehr Geld gefördert werden, Defizite bei Straßen und Brücken seien da. Sportstätten, einige Schulen und Kitas seien noch einige der dringenden Baustellen.