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| 17:23 Uhr

Größte Sorge ist Pyritverwitterung
Fünf Knackpunkte der Ostsee-Flutung

Der Zuleiter und das Einlaufbauwerk für den Ostsee an der alten Ortslage von Lakoma sind bereits fertiggestellt.
Der Zuleiter und das Einlaufbauwerk für den Ostsee an der alten Ortslage von Lakoma sind bereits fertiggestellt. FOTO: Leag
Cottbus. Ingolf Arnold, Chefgeotechniker der Leag, will die größten Sorgen von Anwohnern und Umweltschützern entkräften. Von Andrea Hilscher

Der Name zieht: Sobald es um die Zukunft des Cottbuser Ostsees geht, werden die Lausitzer hellhörig. Anwohner, Umweltschützer, Touristiker wollen möglichst genau wissen, was sie erwartet, wenn sich das riesige Tagebauloch im Cottbuser Norden mit Wasser füllt. Im Rahmen einer Ringvorlesung an der BTU bemühte sich Ingolf Arnold, Leiter Geotechnik der Lausitz Energie Bergbau AG, die fünf größten Knackpunkte der Debatte um die Ostseeentwicklung aufzugreifen und mögliche Sorgen zu entkräften.

Denn Sorgen gibt es genug. Pfarrer Burkhard Behr, der den Strukturwandel in der Lausitz im Auftrag der evangelischen Kirche begleitet, kennt ähnliche Verfahren aus früheren Tätigkeiten. „Jahrelang wussten die Menschen in Leipzig, dass aus dem kleinen Flughafen ein riesiges Verkehrsdrehkreuz werden soll. Wirklich vorstellen konnte sich die Ausmaße des Projektes aber niemand.“ Behr, der die Ringvorlesung moderierte, bat die zahlreichen Zuhörer um sachliche Beiträge und kritische Fragen – doch nach dem Vortrag des Experten Arnold überwiegten Wohlwollen und Optimismus bei den Zuhörern. Alle Fragen geklärt?

Warum die Leag mit der Flutung des Ostsees so früh wie möglich beginnen will: Größte Sorge bei der Flutung von Tagebaurestlöchern ist die Pyritverwitterung. Heißt: Kommen schwefelhaltige Mineralien während der Bauarbeiten mit Luftsauerstoff in Berührung, entstehen Eisenhydroxid  und Sulfat –  mögliche Folgen sind saure Seen und braunes Wasser. Ingolf Arnold: „Wir müssen das freiliegende Kippenmaterial so schnell wie möglich unter Wasser setzen, um diese Prozesse zu unterbinden.“

Müssen die Kahnfährleute im Spreewald sich vor schlechter Wasserqualität oder vor niedrigen Wasserständen in der Flutungsphase fürchten? Aus Sicht des Bergbausanierers nicht. Arnold: „Nach jetzigen Planung leiten wir 350 Liter pro Sekunde ab, das ist zu wenig, um der Spree zu schaden.“ Außerdem habe die Versorgung des Spreewaldes mit Wasser Priorität gegenüber der Flutung von Tagebauseen.

Müssen sich die Mauster vor Überschwemmungen fürchten? Auch hier sagt Arnold ganz klar Nein. Ängste vor einem Anstieg des Grundwassers in Maus durch den See seien unberechtigt – wenn die vorhandenen Grabensysteme gepflegt werden. „Der Ostsee wird die gleiche Gewässerhöhe haben wie der Mauster Kiessee.“ Aus Sicht der Leag werde sich die Grundwassersituation in Maust nicht verschlechtern. „Aber angespannt ist die Lage dort. Unabhängig vom See.“

Taugt der Schwarze Graben als Seeableiter? Nach geänderten Planungen soll der Schwarze Graben künftig nur noch maximal 800 Liter Wasser pro Sekunde aus dem See ableiten, ursprünglich waren 2000 Liter geplant. Dadurch werde der Graben weniger belastet, muss nur noch moderat aufgeweitet werden, so Arnold.

Wird der Ostsee Wasserspeicher oder Erholungssee? Nach dem Willen der Leag bleibt es beim Konzept des Erholungssees. Der Nutzung als Wasserspeicher seien ohnehin natürliche Grenzen gesetzt, sagt der Geotechniker, das Gefälle  am Ostsee sei zu niedrig.

Großes Interesse herrschte an der Ringvorlesung zum Cottbuser Ostsee.
Großes Interesse herrschte an der Ringvorlesung zum Cottbuser Ostsee. FOTO: Hilscher / LR