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| 17:37 Uhr

Kanadier fahren auf Cottbus ab
Mit Cottbuser Dreh durch den Indian Summer

Lokführer Andreas Jurtz: Fahrtüchtig, frisch gewaschen und mit dem Logo der Deutschen Bahn wird der Dieseltriebzug Touristen durch den Indian Summer in Kanada fahren.
Lokführer Andreas Jurtz: Fahrtüchtig, frisch gewaschen und mit dem Logo der Deutschen Bahn wird der Dieseltriebzug Touristen durch den Indian Summer in Kanada fahren. FOTO: Ekaterina Pokrovsky/Shutterstock
Cottbus/Quebec. Team der DB Regio Werkstatt Cottbus macht stillgelegten Dieseltriebzug VT 628 flott für Touristen­attraktion in Kanada. Vor allem Besucher aus Asien lieben die Zugfahrten durch den legendären Indian Summer. Von Beate Möschl

Erst Kreuzfahrerzüge und Ostseezug, dann Panoramazug für Kanada – in der DB Regio Werkstatt Cottbus dreht sich die Welt. Was ist passiert? Das Team aus 101 erfahrenen Mitarbeitern schreibt seit April schwarze Zahlen. Es hat „in die Hände gespuckt“, zusätzliche Schichten geleistet, die Flexibilität der einzelnen Fachbereiche ausgeweitet und die Abläufe so organisiert, dass neben den regulären Instandhaltungsaufgaben für Personenverkehrszüge der Deutschen Bahn auch interessante Drittaufträge erledigt werden können.

Gerade haben  die Cottbuser einen längst stillgelegten Dieseltriebzug der Baureihe VT 628 wieder flott gemacht und auf den Weg nach Kanada gebracht. Er wird in der Provinz Quebec unterwegs sein   als Panoramazug    für den Tourismusverband Charlevoix  und Urlauber aus aller Welt entlang  des St.-Lorenz-Stroms durch den Indian Summer chauffieren.  In Rekordzeit haben sie diese  Herausforderung gemeistert. Dabei waren die Cottbuser nicht auf Anhieb begeistert.   „Verrückt, habe ich zum  Chef   gesagt. Es  ist eine Katastrophe so ein Fahrzeug flottzumachen. Der Zug hat vier Jahre gestanden. Da weiß man nie, was kommt“, schildert Triebfahrzeugschlosser Dirk Stade. Der Chef, Mario Kubiak, nickt schmunzelnd und sagt: „Er war mein größter Gegner. Aber die anfängliche Skepsis ist sehr schnell in eine Leidenschaft übergegangen. Mit tollem Ergebnis. Wir haben den schwersten Part übernommen, den Zug wieder zum Laufen zu bringen. Am Ende haben wir es geschafft und unseren Kunden zufriedengestellt. Wir hoffen, dass er wiederkommt.“

Bildeten ein Team für Kanada: Triebfahrzeugschlosser, Schienenfahrzeugingenieure, Elektriker und Controllerin mit  dem neuen Leiter der DB Regio Werkstatt Marek M Kubiak (2.v.r.) vor dem Lokschuppen. Nicht im Bild: Elektriker Andreas Reichel, der die meiste Arbeit hatte, wie die Kollegen sagen, und Lokführer Andreas Jurtz, der den Zug nach Bremen überführte.
Bildeten ein Team für Kanada: Triebfahrzeugschlosser, Schienenfahrzeugingenieure, Elektriker und Controllerin mit dem neuen Leiter der DB Regio Werkstatt Marek M Kubiak (2.v.r.) vor dem Lokschuppen. Nicht im Bild: Elektriker Andreas Reichel, der die meiste Arbeit hatte, wie die Kollegen sagen, und Lokführer Andreas Jurtz, der den Zug nach Bremen überführte. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Der VT 628 ist kein Unbekannter für die Cottbuser. „Den hatten wir hier einige Jahre regulär   zur Instandhaltung in der Werkstatt. Er ist   zwischen Forst und Cottbus gefahren und nach Hoyerswerda. An den  Wochenenden ist  ein Zug dieser Baureihe noch unterwegs als Kulturzug zwischen Berlin und Breslau“, erzählen Torsten Kozik und  Ralf Neumann. Die  Triebfahrzeugschlosser aus der Lok-Werkstatt sind dem am 19. September nach Antwerpen überführten Zug hinterher  geschickt worden. Um das Verladen  vorzubereiten und zu unterstützen. Das war ihr erster Auslandsauftrag nach mehr als 40 Dienstjahren bei der Bahn. „Das  ist schon mal was anderes. Solche Sachen machen auch Spaß“, sind sich Kozik, Neumann und Stade einig und  durchaus gespannt auf die nächste Drittauftrag-Überraschung. „Aber erstmal muss der Zug in Kanada ankommen und laufen“, wirft  Dirk Stade ein.

„Da mache ich mir gar keine Sorgen“, signalisiert Marek Kubiak, seit April als Leiter Instandhaltung der DB Regio Werkstatt in Cottbus. Er  schwört auf  den Standort wegen seiner „tollen Infrastruktur,  die noch verbesserungswürdig ist, und die wir auch verbessern werden“, und wegen des tollen Teams. „Hier schlummern 20, 30, 40 Jahre Erfahrung in den Bereichen, die vielleicht noch nicht so geweckt worden ist wie durch die Spezialaufträge. Das schafft Motivation, bringt  Ergebnisse mit Qualität und Schnelligkeit. Damit signalisieren wir nach außen, dass es sich lohnt, hier arbeiten zu lassen und Aufträge an die DB Regio Werkstatt in  Cottbus zu vergeben.“

Vorrang haben  die betriebsnahe  und die geplante Instandhaltung der im Bereich Nordost verkehrenden Personenverkehrszüge.  Dafür sind die 101 Mitarbeiter der Regio Werkstatt Cottbus rund um die Uhr im Einsatz,  an 365 Tagen im Jahr.   Mitte Oktober bekommt die DB Regio Werkstatt Cottbus   zusätzliche  Umläufe.  Dann werden  hier weitere 20 Züge der Linie RE 3 gewartet. „Insgesamt halten wir hier  mehr als 160 Züge  instand“, so Kubiak.  Dafür steht das gesamte Team ein. So  sind am Erfolg von Sonderaufträgen  nicht nur die unmittelbar Beauftragten beteiligt, sondern  alle 101 Mitarbeiter der DB Regio Werkstatt.

„Wir  haben  sechs Kollegen für den Kanada-Auftrag abgestellt. Die anderen haben ihre Arbeit inzwischen mitgemacht, denn die mussten wir ja trotzdem schaffen“, schildert   Elke Paulick. Sie  ist seit 1984 im Bahnbetriebswerk Cottbus, heute DB Regio Werkstatt  und steht als Controllerin  auf Ausgeglichenheit, hat  einem  wachsamen Blick auf die  Zahlen, die die Cottbuser mit bahneigenen Fahrzeugen und im Auftrag von Fremdfirmen wie Arcelor Mittal, Delta Rail und der Mitsui Rail Capital Europe Gmbh einfahren. Die  neuen  zusätzlichen Herausforderungen sind ein Plus. Auf dem Panorama-Zug für Indian-Summer-Touristen in Kanada ist sie begeistert mitgefahren. „Auf dem Betriebsgelände.   Wir haben die Lauffähigkeit nach EBO-Richtlinie hergestellt. Er  fährt und bremst nun wieder selbstständig. Davon haben sich die Kanadier überzeugt. Für die Endabnahme Ende August  waren sie sogar noch ein zweites Mal hier und begeistert“, erzählt sie.

„Wir haben nach Wunsch des Kunden gearbeitet und seine Erwartungen erfüllt“, bestätigt  Kubiak.„Zur vollsten Zufriedenheit. Die Augen haben geleuchtet“, ergänzt Christian Sonnenberg. Der Maschinenbauingenieur ist einer der jüngsten im Team und ein Rückkehrer. Nach Stationen  in München und Chemnitz hat der 35-jährige Spremberger  im  Februar 2017   in der DB Regio Werkstatt Cottbus angedockt. Er  fühlt sich gut aufgehoben bei den erfahrenen Bahnern. Sie geben ihre Erfahrungen gern weiter.  Sechs Lehrlinge hat die DB Regio Werkstatt Cottbus   unter Vertrag.