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| 02:33 Uhr

Daumenschrauben für Teichland

Den Schutz der Götter auf der Bärenbrücker Höhe scheinen die Teichländer in Zeiten klammer Kassen zu brauchen. Die Landesregierung fordert einen harten Sparkurs von der Gemeinde.
Den Schutz der Götter auf der Bärenbrücker Höhe scheinen die Teichländer in Zeiten klammer Kassen zu brauchen. Die Landesregierung fordert einen harten Sparkurs von der Gemeinde. FOTO: Behnke
Teichland. Lange wurde die Gemeinde Teichland von ihren Nachbarn beneidet – Steuermillionen von Vattenfall flossen reichlich, den Teichländern ging es gut. Jetzt plötzlich ist die Gemeinde hoch verschuldet. Und Potsdam setzt Teichland die Daumenschrauben an. Andrea Hilscher

Harald Groba (parteilos) ist über Jahrzehnte Mitglied der Mauster und Teichländer Gemeindevertretung, seit 2014 arbeitet er ehrenamtlich als Bürgermeister in Teichland, dass mit seinen Ortsteilen Bärenbrück, Neuendorf und Maust rund 1450 Einwohner zählt. Denen ging es in den vergangenen Jahren vergleichsweise gut - dank der Gewerbesteuereinnahmen aus dem Kraftwerk Jänschwalde. Dann aber trafen die geforderten Gewerbesteuerrückzahlen von Vattenfall die Gemeinde mit voller Wucht.

Harald Groba: "Wir hatten in guten Zeiten 4,5 Millionen Euro Rücklagen gebildet, hätten damit fast ein komplettes Haushaltsjahr finanzieren können." Dann kamen Rückforderungen von über zehn Millionen Euro. "Und jetzt sind wir hoch verschuldet, stehen mit etwa zehn Millionen Euro im Minus", so der Bürgermeister.

Fatal: Zwar mussten die Teichländer für jeden Euro, der von Vattenfall auf ihr Konto floss, hohe Umlagen abführen - diese Umlagen aber bekommen sie nun weder vom Land noch vom Kreis zurück. Harald Groba: "Von jedem Euro mussten wir rund 80 Cent abgeben. Jetzt brechen uns die Rückzahlungen für die komplette Steuersumme fast das Genick."

Im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes muss die Gemeinde ein strenges Sparkonzept schnüren - mit harten Auflagen aus Potsdam. "Das Ministerium hat uns sogar den Vorschlag gemacht, die Teichlandstiftung aufzulösen", sagt der Mauster kopfschüttelnd. "Zum Glück ist das Stiftungskapital aber so abgesichert, dass dort niemand rankommt." Teichland geht daher andere Wege. Schon jetzt beschlossen: Teichländer Babys bekommen künftig kein "Begrüßungsgeld" mehr, die Gebühren für die Kita werden erhöht. Auch das Abwasser wurde teurer und in zwei Stufen an das Preisniveau des Amtes angepasst.

Mit Eigenmitteln versucht Groba, Kosten zu senken: In den Straßenlaternen werden LED-Leuchten eingebaut, viele Vereine übernehmen Arbeiten, die nicht mehr finanziert werden können. "Die Teichlandradler haben einen Fitnessparcours errichtet", freut sich der Bürgermeister. Jetzt werden die drei Telefonzellen der Gemeinde von Ehrenamtlern umfunktioniert - zu kleinen Bibliotheken mit touristischen Informationen.

Lösungen für die dicken Brocken kann Groba allerdings noch nicht auf den Tisch legen: Potsdam verlangt Einsparungen auch im Bereich der Gaststätten der Gemeinde, ebenso im Bereich Erlebnispark. "Ich weiß, dass viele Einwohner sich große Sorgen machen, schließlich hängen rund 50 Jobs an diesen Einrichtungen." Auf der Woklapnica am kommenden Freitag will der Bürgermeister allerdings aufzeigen, wie man die Potsdamer Auflagen erfüllen kann, ohne der Gemeinde langfristig zu schaden.

Auch für ein zweites Riesenproblem hat Groba schon eine Idee in der Hinterhand. "Die Planungsphase 3 für den Ostsee steht an. Aber noch wissen wir nicht, wie wir diese Planungen finanzieren können." Dabei seien es nur noch 22 Monate bis zum Beginn der Flutung, die Zeit dränge also. Auf Unterstützung von Land oder dem Kreis setzt der Bürgermeister dabei nicht. "Gerade der Kreis hält sich in Sachen Ostsee vornehm zurück. "Aber wir finden eine Lösung", ist Groba sicher. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, aber handlungsunfähig sind wir nicht."

Die Einwohnerversammlung/Woklapnica der Gemeinde Teichland findet Freitag, 27. Januar um 18 Uhr im OT Bärenbrück, Gaststätte "Starosta" statt.