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| 15:59 Uhr

Cottbus
Zerrbild krimineller Ausländer

Polizei und Ordnungsamt laufen seit Monaten verstärkt Streife in der Cottbuser Innenstadt.
Polizei und Ordnungsamt laufen seit Monaten verstärkt Streife in der Cottbuser Innenstadt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Viele Menschen fühlen sich in Cottbus nicht mehr sicher. Statistisch gibt es dafür keinen Grund.

Es ist ein oft gehörtes Argument auf Demonstrationen und in den angelaufenen Bürgerforen: Durch die Zuwanderung habe sich die Sicherheitslage in der Stadt geändert, als Einwohner müsse man Angst haben, wenn man auf den Straßen in Cottbus unterwegs ist. Im Sozialausschuss ließen sich die Stadtverordneten daher ausführlich über die Kriminaltätsentwicklung des vergangenen Jahres informieren. Besonderer Schwerpunkt: kriminelle Jugendliche und Zugewanderte.

Marco Mette, Leiter der Kripo der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße warf einen Blick auf die Polizeistatistik 2017, ordnete die Daten zugleich in den bundesweiten Kontext und die Entwicklungen der vergangenen Jahre. Erste Erkenntnis: „Grundsätzlich haben wir einen erfreulichen Trend zu verzeichnen“, so Mette. „Bundesweit ist die Zahl der Straftaten zurückgegangen, vor allem im Bereich der Eigentumsdelikte.“ Insgesamt hat die Polizei 2017 rund zehn Prozent weniger Straftaten erfasst als im Vorjahr. Auch in Cottbus hat sich dieser Rückgang bemerkbar gemacht: Die Zahl der Delikte sank von 11 282 auf 9439 (minus 16,3 Prozent), den niedrigsten Wert seit 2011. Die Aufklärungsquote lag bei 51,5 Prozent, 1,4 Prozent höher als im Vorjahr.

Die Zahl der Diebstähle sank von 5376 auf 4046 (minus 24,4 Prozent). Insbesondere Fahrraddiebstähle und Diebstähle aus Kellern sind rückläufig. Das, so erklärte Mette, liege nicht daran, dass frustrierte Opfer keine Anzeige mehr erstatten. „Meist hängt eine Versicherung an solch einem Diebstahl, daher ist das Anzeigeverhalten gut.“

Im Vergleich zu anderen grenznahen Inspektionen liegt Cottbus/Spree-Neiße im Mittelfeld, was den Kfz-Diebstahl, Diebstahl aus Firmen und Diebstahl aus Einfamilienhäusern angeht. Allein in der Stadt Cottbus ist die Zahl der Autodebstähle seit einem Höchstwert von 1272 in 2009 auf jetzt 700 gesunken. Marco Mette: „Vielleicht wollen sich auch die Verbrecher die Hände nicht mehr schmutzig machen und wandern ins Internet ab, wo sich mit Betrug leichter Geld verdienen lässt.“

Bei den sogenannten Rohheitsdelikten (Körperverletzung, Raub, Freiheitsberaubung) sind die Zahlen im Spree-Neiße-Kreis gesunken, in Cottbus ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen, von 1273 auf 1314. Die Aufklärungsquote hier ist von 83 auf 84,7 Prozent gestiegen. Marco Mette: „Es gab mehr Fälle von Körperverletzung, die Zahl der Raubstraftaten ist etwa gleich geblieben.“ Raubstraftaten würden zu fast hundert Prozent von Deutschen begangen, die Geld für Drogen brauchen.

Für die 1314 Rohheitsdelikte wurden 732 Tatverdächtige ermittelt. 130 von ihnen sind zugewandert. Daraus könne man allerdings nicht schließen, dass Geflüchtete krimineller oder gewaltbereiter seien als Deutsche“, erklärt der Kripo-Chef. Der Grund: Viele Rohheitsdelikte werden von jungen Männern begangen. Da unter den rund 4000 aus klassischen Asylstaaten  stammenden Menschen in Cottbus überproportional viele junge Männer sind, steigt ihr prozentualer Anteil an der Deliktzahl.

„Außerdem ereignen sich 50 bis 60 Prozent aller Straftaten von Geflüchteten untereinander“, erklärt der Kripochef. Ein Blick auf die jugendlichen Straftäter zeigt: In den Altersstufen 0 bis 14 und 14 bis unter 18 ist der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen ausgesprochen hoch (31 bzw. 29 Prozent). Je älter die Tätergruppe (“allein handelnde Tatverdächtige“), umso niedriger der Anteil der nicht Deutschen.

Die politisch motivierte Kriminalität liegt mit 271 Delikten in der Inspektion unverändert hoch. Der überwiegende Teil (222 Delikte) war rechts motiviert. 28 Fälle sind dem linken Spektrum zuzuordnen. Von Ausländern wurden drei Delikte begangen.

(hil)