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"Das war eine super Ernte"

Joachim Balkow ist stolz auf die gute Weinernte auf dem Kleinen Weinberg in der Tagebaufolgelandschaft des ehemaligen Tagebaus Welzow Süd und freut sich schon auf die überdachte Sitzgelegenheit, die sich die Vereinsmitglieder hier bauen.
Joachim Balkow ist stolz auf die gute Weinernte auf dem Kleinen Weinberg in der Tagebaufolgelandschaft des ehemaligen Tagebaus Welzow Süd und freut sich schon auf die überdachte Sitzgelegenheit, die sich die Vereinsmitglieder hier bauen. FOTO: Verein
Papproth. In diesen Tagen haben die Mitglieder des Winzervereins Drebkau ihren Weinberg abgeerntet. 13 der 15 Mitglieder waren ebenso dabei wie die Drebkauer Brunnenfee. Es konnten so viel Trauben wie noch nie geerntet werden. Marion Hirche / jul1

Es konnten so viel Trauben wie noch nie geerntet werden. "Wir haben 500 Kilo Weintrauben nach Grano geschafft, das war eine super Ernte. Die Trauben sind von hoher Qualität", ist vom Vorsitzenden des Winzervereins Joachim Balkow zu erfahren.

Die Drebkauer Winzerfreunde bewirtschaften den kleinen Weinberg in der Tagebaufolgelandschaft bei Papproth. 200 Rebstöcke befinden sich auf dem ehemaligen Versuchsfeld der BTU Cottbus. Studenten hatten hier von 2005 an fünf Jahre lang getestet, ob Wein an den Hängen der Kippe angebaut werden kann. Das hat sich als machbar erwiesen.

Nach BTU kam der Verein

Nach diesen fünf Jahren lief das wissenschaftliche Projekt aus. "Es sollte alles platt gemacht werden. Das fanden wir mit Dieter Wilk zu schade und so haben wir Interessenten gesucht, die mit uns Lust hatten, diesen Weinberg zu übernehmen. 2010 sind wir gestartet, seit dieser Woche sind wir nun auch offiziell als Verein beim Amtsgericht eingetragen", berichtet Joachim Balkow.

Angepflanzt sind Rebstöcke der Sorten "Rondo" und "Merzling". Anfänglich gab es auch noch die Sorte "Ortega". Die ist aber abgeschafft worden, weil sie nicht zur gleichen Zeit wie die anderen reift und damit zwei Transporte zum Keltern nötig wären.

In diesem Jahr ist Dank Vattenfall noch ein steinerner Wegweiser zum Kleinen Weinberg dazu gekommen. Außerdem entsteht eine überdachte Sitzgelegenheit. "Das Material wird uns gesponsort, den Aufbau machen wir allein, Schritt für Schritt", erklärt der Vereinsvorsitzende.Jeden ersten und dritten Freitag treffen sich die Vereinsmitglieder ab 16 Uhr auf dem Weinberg. Dann wird die Pflege des Weinfeldes durchgeführt, es wird gebaut und es werden Veranstaltungen vorbereitet. Beim Brunnenfest in Drebkau sind die Winzerfreunde immer auf dem Gelände der Drebkauer Brauerei vertreten. Das hat auch einen guten Grund, denn die Kirchers sind nicht nur Bierbrauer, sondern sie interessieren sich auch für die Weinherstellung und unterstützen daher den Verein.

Der neue Wein wird immer zum Bergmannstag bei der Veranstaltung auf dem Stei nitzhof vorgestellt. Auch in der Zwischenzeit kann man dort den Rebensaft vom Kleinen Weinberg kaufen. Ein Obulus von jeder Flasche dient dem Erhalt des Steinitzhofes und die Winzer können in der kalten Jahreszeit dessen Räumlichkeiten nutzen. Das nächste Projekt, das der Verein plant, ist die Pflege und der Erhalt historischer Rebstöcke im Drebkauer Stadtgebiet. In Zusammenarbeit mit einer Rebschule in Baden Württemberg sollen dadurch alte Weinsorten erhalten werden.

Joachim Balkow hat als Schichtmeister im Tagebau Welzow-Süd gearbeitet. Heute hilft der 72-jährige mit, dass die Nachfolgelandeschaft wieder eine neue Bestimmung bekommt. Daran haben auch die Vereinsmitglieder Interesse, denn sie haben hier einst gewohnt - in Klein und Groß Buckow, in Stradow oder in Wolkenberg. Jetzt sind sie in Welzow oder Drebkau sesshaft. Weil solche Prozesse langwierig sind, hat Joachim Balkow einen jungen Stellvertreter im Verein: den 35-jährigen Heiko Heinze.