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Das Rad der Spreewehrmühle soll sich wieder drehen

Der Vereinsvorsitzende Ralf Müller freut sich auf ein neues Mühlrad für die Spreewehrmühle.
Der Vereinsvorsitzende Ralf Müller freut sich auf ein neues Mühlrad für die Spreewehrmühle. FOTO: Elsner
Cottbus. Das imposante Mühlrad ist das Aushängeschild der Cottbuser Spreewehrmühle. Mit sechs Metern Durchmesser und zwei Metern Schaufelbreite zieht es die Blicke von Wanderern und Spaziergängern schon von Weitem auf sich. Ulrike Elsner

Doch bei näherer Betrachtung zeigen sich Risse und Deformierungen im Holz. "Das Mühlrad ist nicht mehr einsatzfähig", stellt der Vorsitzende des Mühlenvereins Ralf Müller fest. "Es muss ersetzt werden."

Für den Bauingenieur im Ruhestand und seine Mitstreiter vom Verein ist das Mühlrad aber "das Aushängeschild des technischen Denkmals". Zwar könne im Gebäude mit historischen Maschinen und einem Mahlstein der Weg vom Korn zum Mehl demonstriert werden. "Aber wenn sich das Mühlrad nicht dreht, leidet die Attraktivität", weiß Ralf Müller.

Das soll sich bald ändern. Ein detaillierter Plan für ein neues Mühlrad hängt bereits im liebevoll restaurierten Gebäude aus. Architekt und Vereinsmitglied Thomas Siebert zeichnet dafür verantwortlich. Ein Ring aus Cortenstahl (wetterfester Baustahl) sowie die Verwendung von härterem Holz wie Lärche oder Douglasie soll die Konstruktion beständiger machen als den Vorgängerbau. "Unser größter Wunsch ist es, dass sich das neue Mühlrad nächstes Jahr zum Mühlentag wieder dreht", verrät der Vereinsvorsitzende. Der Verein geht nach bisherigen Schätzungen von Kosten in Höhe von 30 000 Euro aus. Einen entsprechenden Fördermittelantrag habe das Land vorerst zurückgestellt, sagt Anja Zimmermann, Leiterin des städtischen Immobilienamtes.

Die Stadt hingegen hat für das Vorhaben 15 000 Euro an Eigenmitteln in den Haushalt eingestellt. Der Verein hat außerdem 5000 Euro Fördermittel eingeworben. "Jetzt geht es darum, dass der Planer schaut, was wir mit 20 000 Euro schaffen können" sagt die Amtsleiterin. Der Verwaltung sei das Einzeldenkmal sehr wichtig. Die Stadt stehe zur Spreewehrmühle und zum Mühlenverein, "der sich so großartig engagiert".

Die Mühle ist ein attraktives Ausflugsziel an einem wichtigen touristischen Punkt in Cottbus. Wasserwanderplatz und Gurkenradweg locken zahlreiche Paddler und Radler an. Die Nähe zur rekultivierten Spreeaue und zum Spreewald ist ein weiterer Pluspunkt. Doch es geht um viel mehr. "Die Spreewehrmühle ist die einzige erhaltene unterschlächtig angetriebene Mühle mit Holzrad in Ostdeutschland", betont Ralf Müller. Förderverein, Stadtverwaltung und Sponsoren setzen auch deshalb alles daran, das technische Denkmal für kommende Generationen zu erhalten.

Zum Thema:
Im Jahr 1801 errichtete Amtsrat Gottlieb Hubert die Wassermühle am Großen Spreewehr. 1904 wurde die Mühle an die Stadt verkauft. Pächter Christian Schichan führte den Betrieb bis 1937. 1947/48 erfolgte die Umstellung auf Motorbetrieb. 1959 wurde die Mühle stillgelegt und die Gaststätte durch die HO übernommen. Anfang der 80er-Jahre erfolgte die Wiederherstellung der mühlentechnischen Einrichtung durch eine Interessengemeinschaft im Kulturbund. Ab 1995 war das technische Denkmal Teil des Stadtmuseums und wurde später von dem im Jahr 2007 gegründeten Mühlenverein übernommen.