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| 18:30 Uhr

Themenwoche Betrug
Das perfide Spiel mit der Sehnsucht

Attraktive Fotos der Internetbekanntschaften sollen Interesse wecken. Sind die Bande erst einmal geknüpft, beginnt die Ausbeutung.
Attraktive Fotos der Internetbekanntschaften sollen Interesse wecken. Sind die Bande erst einmal geknüpft, beginnt die Ausbeutung. FOTO: Julian Stratenschulte
Cottbus. Um anderen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, nutzen Betrüger jede Schwäche, die sie finden. Besonders perfide wird es, wenn sie die Sehnsucht einsamer Menschen ausnutzen – und Liebe vortäuschen. Von Bodo Baumert

Sehnsucht, sei es nach Liebe, sexuellem Verlangen oder einfach einem Partner gegen die Einsamkeit, kann Menschen in die Verzweiflung treiben. Vor allem, wenn diese Sehnsucht über einen längeren Zeitraum besteht. Das wissen auch Betrüger und versuchen, sich diese Sehnsucht zu Nutze zu machen.

So lauern sie beispielsweise auf Dating-Plattformen oder bei Facebook und laden dort andere Nutzer zum Chat ein. Scamming nennen die Experten das. „Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich die Scammer ungewöhnliche Lebensgeschichten zu – und sie hinterlassen immer einen seriösen Eindruck“, warnt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Dort laufen Informationen zu aktuellen Betrugsmaschen zusammen. Die Experten warnen im Internet und geben Tipps für Betroffene.

Was wollen die Betrüger? Erstes Ziel der Scammer ist es, das Vertrauen ihres Gegenübers zu gewinnen und sich Schritt für Schritt in seinem Leben unentbehrlich zu machen. Ist dies erreicht, beginnt die Ausbeutung. Ein Ziel ist Geld. In seine Legende erzählt der Scammer dann etwa, er müsse geschäftlich ins Ausland. Kurz vor der Rückkehr tauchen dann Schwierigkeiten auf: Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe, ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall oder Probleme mit Kreditkarten. Das Opfer wird gebeten, Bargeld zu schicken, um aus der Klemme zu helfen.

Andersherum werden Opfer auch gebeten, ausländische Schecks auf ihrem Konto einzulösen und per Bargeldüberweisung zurück ins Ausland zu schicken – so lässt sich Geld waschen.

Reizvoll sind für die Täter auch Ausweispapiere. So bitten sie etwa, eine Kopie des Ausweises zu schicken, um ein gemeinsames Konto zu eröffnen. Oder sie bitten um eine Einladung nach Deutschland. So lassen sich Visa erschleichen.

Wie können sie ihren Opfern noch schaden? Erpressung ist ein Motiv, das mittlerweile verstärkt auftritt. Auch in der Lausitz gab es Anfang des Jahres einen solchen Fall. Ein 27-jähriger Mann aus Bad Liebenwerda hatte bei Facebook eine Frau kennengelernt, die ihn dazu gedrängt hatte, ihr Videos zu schicken, in denen er unbekleidet zu sehen ist. Und dies hatte der junge Mann laut Polizei auch recht naiv getan. Die schlimme Konsequenz daraus: Die Frau erpresste ihn mit der Veröffentlichung der Aufnahmen und forderte Bargeld.

Ein anderes Beispiel: Ein 25-jähriger Mann aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin wurde von einer Frau aus Afrika erpresst, weil er in einem Livechat nach Aufforderung sexuelle Handlungen an sich vorgenommen hatte, die die Frau filmte. Kurz darauf forderte sie ihn auf, für ihren kranken Großvater in die Elfenbeinküste mehrere Hundert Euro zu überweisen, da sie ansonsten das Videomaterial veröffentlichen würde.

Wie erkennt man die Täter? Scammer treten in Online-Portalen meist mit ungewöhnlichen Lebensgeschichten auf, die neugierig machen. Dabei hinterlassen sie immer einen seriösen Eindruck. „Scamm-Männer geben sich als Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie, als Tierärzte, Computerspezialisten und U.S. Soldaten aus“, berichten die Experten der Polizeiprävention. Auf Fotos treten sie als attraktive weiße Personen aus – die Fotos sind allerdings gestohlen. Weibliche Lockvögel treten als Krankenschwestern, Ärztinnen, Lehrerinnen, Schauspielerinnen oder als Geschäftsfrauen auf. Die Profilbilder sind meist sehr attraktiv, sollen einsame Männer sexuell ansprechen.

Die Betrüger sprechen meist sehr gut Englisch, bei Frauen tauchen auch immer häufiger gute Deutschkenntnisse auf.

Mails sind oft schwülstig formuliert und voller Liebesschwüre. Stutzig werden sollte man spätestens, wenn Forderungen nach Geld, Ausweispapieren oder Nacktbildern und -videos kommen.

Wer sind die Täter? Spuren der Ermittler führen, wenn es sich um Romance-Scamming handelt, häufig nach West-Afrika. „Viele Frauen geben sich als Russinnen aus. Sie können aber auch aus Südamerika, Thailand, Afrika oder Europa stammen“, so die Einschätzung der Experten.