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| 02:34 Uhr

"Das Gebührensystem der Bahn ist kontraproduktiv"

Spree-Neiße. Bahnhöfe, auf denen weniger als 50 Passagiere am Tag unterwegs sind, könnten künftig wegfallen. Acht von 16 Haltepunkten der Deutschen Bahn im Spree-Neiße-Kreis sind von diesen Überlegungen betroffen.

Die Großgemeinde Kolkwitz wehrt sich mit einer Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Haltepunkte Kolkwitz Nord und Süd und Kunersdorf. Die Gemeinde Neuhausen versucht, den Bagenzer Bahnhof mit einer Umbenennung in "Bagenz/Stausee" zu retten. Der Zusatz soll die Touristen auf die Nähe der Talsperre Spremberg hinweisen. Der Haltepunkt Teichland wird für den Freizeitpark gebraucht, auch wenn das die Zahlen derzeit noch nicht beweisen. Die Leuthener verweisen darauf, dass ihr Bahnhaltepunkt ein wichtiger Zubringer für den Busverkehr ist. Jänschwalde-Ost würde der Wegfall des Halts in der Stabilisierung der Siedlung zurückwerfen. In Klinge wurde auch eine Unterschriftenaktion gestartet und auf einen Zuwachs verwiesen, der durch die touristische Nutzung der Bergbaufolgelandschaft erwartet wird. Die Orte bemühen sich, füllen sich aber überrollt. Es trifft Berufspendler und Schüler. Auch Dieter Doege, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn Berlin-Brandenburg, kritisiert die Pläne.

Herr Doege, statt den ländlichen Raum abzuhängen, fordern Sie eine Prüfung der Gebühren der Deutschen Bahn, warum?
Die Trassengebühren und Stationspreise benachteiligen Flächenländer wie Brandenburg ganz besonders, zumal die Höhe derselben völlig willkürlich festgesetzt wird. Die Bayern wollen den Bundesfinanzausgleich kippen, warum soll das Land Brandenburg nicht die längst fällige Reform der ÖPNV-Finanzierung angehen? Die Deutsche Bahn kassiert hierdurch Gelder in Milliardenhöhe, die weitestgehend zweckentfremdet ausgegeben werden.

Wozu beispielsweise?
Für den weltweiten Aufkauf von Logistik-Unternehmen. Die Bahn lässt ihre Strecken jahrzehntelang vergammeln, um jetzt - wie bei der Sanierung in Rostock - die auf die Bahn angewiesenen Fahrgäste der betroffenen Kommunen ein Jahr von der Bahnnutzung regelrecht auszuschließen.

Was muss aus Ihrer Sicht getan werden?
Statt den Kommunen die Schließung von Bahnhöfen anzudrohen, sollte man das brandenburgische Verkehrsministerium auffordern, bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer endlich Druck für eine volkswirtschaftlich sinnvolle Finanzierungslösung der Deutschen Bahn AG zu machen. Es ist einzig Sache des Bundes, die Bahn so aufzustellen, dass sie dem Volk dient.

Der ehemalige Pro-Bahn-Bundesvorsitzende Karl-Peter Naumann hat die Kommunen aufgefordert, mehr für ihre Bahnhofsanbindung zu tun. Doch die Orte fühlen sich damit allein gelassen …
Wir haben als Landesverband diesbezüglich eine völlig andere Meinung und für die Drohung des Verkehrsministeriums, die Bahnhöfe zu schließen, kein Verständnis. Das ist die Folge eines kontraproduktiven Gebührensystems und nicht irgendwelcher Versäumnisse der Kommunen.

Mit Dieter Doege

sprach Annett Igel.