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| 02:33 Uhr

Das urige Wirtshaus mit Kult-Charakter
Das ehemalige Restaurant "Paul Lucke" in Sandow

FOTO: Heute: Michael Helbig - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Sandower Vorstadt 18 a, Wehrstraße 20, Wehrpromenade 3 - das sind Adressen für ein und dasselbe Grundstück östlich des Kleinen Spreewehrs. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert betrieb der Restaurateur Hermann Müller hier seine Schankwirtschaft.

Das Grundstück gehörte seiner Frau Christiane. Nach seinem Tode erwarb der Gastwirt Paul Lucke das Anwesen und ließ im Jahre 1909 ein neues, großes Haus darauf erbauen. Der Cottbuser Architekt Paul Thiel (1878 - 1911) entwarf diesen interessanten Neubau, ein Wohnhaus als Eckbebauung mit Stall und Waschküche.

Paul Thiel fertigte unter anderem auch Entwürfe für die Güterzufuhrstraße 3, Lessingstraße 1 und 38, die heutige Karl-Liebknecht-Str. 9a, Amdtstraße 1 bis 5 und für das Kino Weltspiegel, die alle auch errichtet wurden. Leider verstarb dieser tüchtige Mann viel zu zeitig. Geschickt war der Neubau an das ältere Gaststättengebäude angefügt worden. Die ehemalige Grundstückseigentümerin Christiane Müller konnte wohnen bleiben.

Paul Lucke gab der Gaststätte seinen Namen, der mehr als 100 Jahre lang am Hause lesbar war. Im Neubau fanden damals die Fleischerei von Wilhelm Schuppan, später Fleischermeister Otto Hamann und auch der Frisiersalon von Emst Martinius, später Herbert Gottwald im Erdgeschoss, ihr Unterkommen. Nach Paul Lucke übernahm Hans Lucke die beliebte Gaststätte, bis er altershalber diese leider aufgeben musste. So mancher ehemalige Gast erinnert sich bestimmt an das knusprige Eisbein und an viele andere deftige Speisen.

Die staatliche Handelsorganisation übernahm 1974 die gutgehende Gaststätte, deren Leiter der gelernte Bäcker und Hobbykoch Erhard Ruske wurde. Jedenfalls verstand dieser, den guten Ruf der Gaststätte, die im Volksmund weiterhin nur "Lucke" hieß, mit seiner Frau, die zur Köchin umschulte, fortzuführen. Das Umfeld der Gaststätte änderte sich. Die kleinen Häuser der Linden-, der Hain-, Wehr-, der Gilden- und Kiekebuscher Straße und weitere, über die Luckes Haus seit rund sechzig Jahren ragte, verschwanden und machten den mehrgeschossigen Plattenbauten Platz. Als mit dem Jahre 1990 die Handelsorganisation aufgelöst wurde, bemühte sich Erhard Ruske bei den Erben der Familie Lucke um den Erwerb des Hauses, was auch möglich wurde. Stolz konnte er nach über 16 Jahren als HO-Gaststättenleiter zum 19. Dezember 1990 seine Gaststätte im eigenen Hause eröffnen. Nur ein Jahr später erfuhr das Gebäude eine umfassende Rekonstruktion und Modernisierung. In inzwischen drei Gasträumen fanden 120 Gäste Platz. Zu ihnen gehörten viele Stammkunden, so unter anderem Sportvereine, Skat- und Billardfreunde. Manche Geburtstags- oder Hochzeitsfeier wurde von den Wirtsleuten zur großen Zufriedenheit der Gäste ausgerichtet.

Im Sommer 2014 ging das Ehepaar Ruske in den Ruhestand. Seit nun mittlerweile einem Jahr hat das Traditionshaus neue Besitzer: Felix und Ronny Engel, die das urige Wirtshaus in das gemütliche "Café Engel" verwandelten.